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Helga König im Gespräch mit Eunike Grahofer über ihr Buch "Wurzeln- Apotheke aus der Erde", Freya

Liebe Frau Grahofer, dieser Tage habe ich im Onlinemagazin "Buch, Kultur und Lifestyle" Ihr Buch "Wurzeln- Apotheke aus der Erde" vorgestellt. Dazu möchte ich heute einige Fragen an Sie richten.

Anbei der Link zur Rezension: "Wurzeln - Apotheke aus der Erde"

Helga König:  Liebe Frau Grahofer, sind Sie eine neuzeitliche Kräuterhexe oder wie definieren Sie sich?
Eunike Grahofer
(aus eigenem Bestand)

Eunike Grahofer;
Ich bin eine Naturvermittlerin, eine Naturpädagogin. Ich finde das Thema Natur sehr spannend!

Helga König: Was hat Ihr Interesse an Pflanzenwurzeln ausgelöst? 

Eunike Grahofer: Mein Interesse gilt dem Thema Pflanzen, Inhaltsstoffe der Pflanzen und Wirkungsweisen am Körper, die alten Geschichten, die Volksrezepturen, Natur, Naturzusammenhänge, da gehören die Wurzeln dazu. Meine Mama kommt aus einer Region wo die Wurzeln "geerntet" wurden und werden. So bin ich auch aufgewachsen. 

Für mich war es als Erwachsener sehr ungewohnt, dass Menschen beim Wurzelgraben ganze Pflanzen zerstört haben und nicht wie es für mich aus meiner Erziehung selbstverständlich war, ein Stück der Wurzeln zu entnehmen und den Rest wieder eingegraben, damit die Pflanze wieder wachsen kann. Es ist mir wichtig dies wieder bewusst zu machen!

Bei Übelkeit ein kleines Stück getrocknete Kalmuswurzeln zu kauen, bei Husten, Erkältung ein kleines Stück Eibischwurzel zu kauen, dies sind einfache Mittel, um sich helfen zu können. Es gibt viele solche einfache Rezepte. Diese alten Rezepturen, ob mit Wurzeln, Rinden, Blätter, Blüten oder Samen finde ich sehr spannend. Wir finden die Inhaltstoffe die wir als Unterstützung brauchen das ganze Jahr über in der Natur, sie sind nur zu den verschiedenen Jahreszeiten auch in verschiedenen Pflanzenteilen. 

Helga König
Helga König
: Sie haben in Ihrem umfangreichen Werk über 100 Pflanzenporträts - alphabetisch geordnet- verfasst und beschäftigen sich stets mit Wissenswertem rund um die jeweils fokussierte Pflanze bzw. Wurzel. Worin besteht die Besonderheit der "Alraune" im Vergleich zu allen anderen Pflanzen? 

Eunike Grahofer: Die Frage ist schwer zu beantworten. Jede einzelne Wurzel hat etwas "besonders" gegenüber allen anderen Wurzeln. Jede Pflanze in der Natur hat etwas ganz besonders, was sie von den anderen Pflanzen unterscheidet. Im Falle der Alraune beginnt dies schon bei ihrer Form, die außergewöhnlich ist. Sie wurde zum Betäuben verwendet, so wie auch der hohle Lerchensporn. Die Wirkung war in früheren Zeiten etwas "nicht Erklärbares", etwas Sonderbares, etwas "Magisches".

Heute wissen wir um die Wirkung von Inhaltstoffen. Betäubungsmittel sind für uns erklärbar, das war früher nicht so. Durch diese Wirkung wurden ihr viele weitere Wirkungen angepriesen - wie auch immer diese der Wirklichkeit entsprachen - um einen guten Preis zu erzielen. Schlussendlich ging es so weit, dass andere Wurzeln, die ähnlich aussahen als Alraune ausgegeben und teuer verkauft wurden – alles in Sinne der Vermarktung. Wir erleben ja in unserer heutigen Zeit ebenso viele Tricks der Vermarktung, diese Trickserei hat es immer schon gegeben 😉

Helga König: Bei jedem Pflanzenporträt gibt es eine Rubrik "Volksheilkunde". Welche Bedeutung hat die Volksheilkunde für Sie im Hier und Heute? 

Grahofer:
Volkswissen, die Volksheilkunde hat sich über Generationen entwickelt. Bei 300.000 Jahren Menschheitsgeschichte sind es 10.000 bis 12.000 Generationen, welche vor uns gelebt habe – unsere eigenen Vorfahren ja auch alle überlebt haben, sonst würde es uns ja nicht geben. Diese haben die Volksheilkunde durch Beobachtung und am eigenen Leib für ihr Überleben entwickelt. Jede Rezeptur, die nicht hilfreich gewesen ist, wurde nicht weiterverwendet. Nur die erfolgreichsten Rezepturen und Anwendungen wurden an die nächste Generation weitergegeben. Jede Generation hat sie nach ihren Möglichkeiten und ihrem Wissen weiterentwickelt – dieses Kulturgut können auch wir heute an unsere Möglichkeiten, Bedürfnisse und dem heutigen Wissensstand anpassen. Für mich ist dies ein unendlich wertvolles Kulturgut! 

Helga König: Der Begriff "Augentrost" lässt bereits erahnen, wofür die Pflanze und auch Wurzel zuständig ist. Welche Erfahrung haben Sie mit "Augentrost" gemacht? 

Eunike Grahofer: Der Augentrost ist für mich eine wichtige Pflanze. Ich sammle die Daten zu meinen Büchern teilweise über viele Jahre und wenn es dann so weit ist, dass ich die Daten zu einem Buch ausformuliere dann sitze ich oft über Wochen durchgängig 8 – 10 Stunden vor dem PC. Meine Augen lieben dies nicht so sehr. In diesen Zeiten bereite ich mir einen Augentrosttee zu. Ich weiche ein Wattepad darin ein und lege mir dies zwischendurch und vor allem vor dem Schlafengehen auf meine geschlossenen Augen auf, dies regeneriert sie gut.

Helga König: Haben Sie vor Ihrem Haus "Beifuss" hängen und wenn ja, weshalb oder nutzen Sie ihn lieber als Küchengewürz? 

Eunike Grahofer:  Ich habe in meinem Haus sehr viele verschiedene Kräuter hängen. Im Winter nehme ich mit ein wenig von den jeweiligen getrockneten Kräuterbuschen herunter und verarbeite sie zu Tee, Salben, Essige oder verwende sie zum Würzen. Die Kräuter, welche im Februar noch da sind, verwende ich für Kräuterbäder damit ich alles verbraucht habe, bis die neue Kräutersaison wieder beginnt. Ich liebe den Duft und den Geschmack von Beifuß und verwende ihn somit auch sehr oft. Im Herbst binde ich ihn zu kleinen Büschel und verwende ihn in den Raunächten zum Räuchern. Seine Samenkügelchen enthalten wärmende ätherische Öle. Ich lebe im Waldviertel, hier haben wir kalte Winter. Die wärmenden Öle des Beifußes helfen mir gut durch diese kalte Zeit.

Helga König: Namen wie "Beinwell" oder "Frauenmantel" auch "Augentrost" geben Hinweise auf den Verwendungszweck, bei anderen, wie etwa "Teufelskralle". würde mir spontan kein Verwendungszweck in den Sinn kommen. Wem würden Sie ein "Teufelskrallenwurzelpüree" vorsetzen? 

Eunike Grahofer: Die Namensgeber der Pflanzen und Tiere hatten die verschiedensten Ideen und Assoziationen für die jeweils gewählten Namen. So gibt es den Laufkäfer "Agra schwarzeneggeri", welcher 2002 nach dem Schauspieler und Bodybuilder Arnold Schwarzenegger benannt wurde. Dann gibt es in den tropischen Regionen Afrikas eine Pflanze, welche Wurstbaum "Kigelia africana" genannt wird oder die Geisterorchidee "Dendrophylax lindenii". Die Etymologie ist ein sehr spannendes Thema. Ich liebe es mich darin zu vertiefen. Da gibt es sehr faszinierende Namen und Ideen zur Namensgebung! Die auffällig krallenartige Blütenknospe dürfte für den Namensgeber so markant war, dass sie mit den Krallen des Teufels assoziierte und er ihr den Name Teufelskralle gab. Ihre Wurzel ist vor allem zur Körperkräftigung verwendet worden. 

Helga König: In meinem naturnah angelegten Garten wuchs im letzten Jahr u.a. eine stattliche "Wilde Möhre". Was hätte ich mit deren Wurzelwerk machen können?

Eunike Grahofer: Der Wilden Möhre habe ich in meinem Buch ein ganzes Kapitel gewidmet, sie ist die Urgroßmutter unserer Kulturkarotte. Die Wurzel entsaftet reguliert Verdauung, vertreibt Würmer im Körper, regt Niere, Leber und Blase an. Sie ist nicht so fleischig wie unserer Kulturkarotte, kann jedoch genauso verwendet werden. Aus ihr wurde Kaffee gemacht. Als Tee wurde sie bei Verdauungsbeschwerden, Augenentzündungen, gegen Parasiten im Körper, harntreibend, Sodbrennen sowie Völlegefühl getrunken.

Helga König: Die "Taigawurzel" finde ich besonders interessant. Sie scheint eine entstressende Wirkung zu haben. Haben Sie diese Wurzel bei Ihren Mitmenschen schon mal erfolgreich zum Einsatz gebracht? Was gibt es hier zu berichten?

Eunike Grahofer: Die Taigawurzel, ist eine der sogenannten "adaptogenen" Wurzeln. Diese helfen mit "stressigen, außergewöhnlichen" Situationen besser zurecht zu kommen. Ich betreibe einen Naturladen in meiner Heimat, halte Vorträge und Seminare in Österreich und Deutschland, schreibe für Medien, habe 3 eigene Kinder weitere 3 von meinem Lebensgefährten und bin zweifache Großmutter. Gerade wenn ich im Recherchieren, im Dokumentieren oder Buchschreiben bin, neige ich dazu, vor lauter Faszination gänzlich auf mich selbst, auf den Schlaf und die Zeit zu vergessen. Mein Körper reklamiert dies meist, wenn er bereits sehr darunter leidet. Aus dieser Situation heraus bin ich auf die adaptogenen Wurzeln, wie die Taigawurzel oder auch die Rosenwurz gekommen. Diese helfen wir persönlich sehr gut. Ich werde immer so ticken, weil das mein Naturell ist, mein Körper kommt mit den Inhaltsstoffen dieser adaptogenen Pflanzen besser mit meinem Wesen zurecht. 

Helga König: Was erhoffen Sie sich für Ihre LeserInnen nach der Lektüre Ihres Buches?

Eunike Grahofer:  In meiner mütterlichen Heimat, dem Mariazellerland hat man zum "Wurzelgraben" noch eine tiefer Verbindung. Vor allem, dass es dabei nicht darum geht, die Pflanze umzubringen, sondern dass von Wurzeln teile entnommen wurden, der Rest in die Erde zurückgegeben wurde, wodurch die Pflanze weiterwachsen konnte. 

Mit meinem Buch wollte ich einerseits einen Überblick über die Welt der Wurzeln ermöglichen, das Wissen unserer Vorfahren darin festhalten, die Geschichten, welche ich in Jahrzehnten meiner Interwies gesammelt habe. Es sind Werke welche Möglichkeiten zur Selbsthilfe aufzeigen. Mit meinen Büchern möchte ich das Wissen um die Natur und ihren Wert, ihre Besonderheiten in den Fokus rücken. Wenn man die Besonderheiten, den eigenen Nutzen von der Natur versteht dann geht man achtsamer mit ihr um, dann wird sie mehr geschätzt und was wir schätzen, zerstören wir nicht. 

 Liebe Eunike Grahofer, ich danke Ihnen für das erhellende Gespräch.

Herzlich Helga König

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