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Helga König im Gespräch mit Peter Denker über sein Buch "Schulen brauchen gute Lehrer"

Lieber Peter Denker, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Schulen brauchen gute Lehrer" auf "Buch Kultur und Lifestyle" rezensiert. Dazu möchte ich heute  einige Fragen an  Sie richten.

Anbei der Link zur Rezension: "Schulen brauchen  gute Lehrer"

Helga König: Wie würden Sie Ihr generelles Anliegen skizzieren, das Sie in ihrem Werk "Schulen brauchen gute Lehrer" breitgefächert darlegen? 

 Peter Denker
Peter Denker: Je höher die Anforderungen an die Selbst- und Sozialkompetenz der Erwerbstätigen und Führungskräfte werden, desto wichtiger wird es, Heranwachsenden behilflich zu sein, diese Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln. Unser Gemein­wesen braucht möglichst viele verantwortungsbewusste Bürger, die sich engagieren und auch wohlüberlegt wählen. Jugendliche brauchen Vorbilder für ihre Entwicklung. Mein Buch weist Voraussetzungen dafür auf und leitet dazu an, dass Lehrer selbst die Eigenschaften trainieren, in deren Entwicklung sie ihre Schüler unterstützen wollen. Auf die Lehrer kommt es dabei umso mehr an, je schwerer sich Elternhäuser mit dieser Aufgabe tun. Es ist nicht damit getan, sich auf das Unterrichten zu beschränken und Erziehungsaufgaben Sozialarbeitern oder Schulpsychologen oder einfach den Eltern zu überlassen.

 Helga König
Helga König:Welches Menschenbild liegt Ihrem Buch zugrunde liegt? 

Peter Denker: Ich habe im Vorwort zu genau dieser Frage ausweichend Stellung bezogen, um niemanden aufgrund seiner ggf. abweichenden Weltanschauung zu befremden. Ich bin ein Christ, dessen Herz für die Ökumene schlägt. Aber jeder, der Menschen- oder Nächstenliebe im Sinne der von mir beschriebenen pädagogischen Grundeinstellung aufbringt, kann ein guter Lehrer sein, gleich ob er nun den Heranwachsenden als gottesebenbildlich oder reinkarniert oder einfach aus Humanismus als liebenswert erachtet. Es kommt nicht auf das Motiv der liebevollen Zuwendung an, sondern darauf, sie zu praktizieren. 

Helga König: Sie haben Ihr Werk in 5 Kapitel untergliedert und befassen sich zunächst mit dem Lehrer. Worin besteht die wesentliche Aufgabe eines Lehrers im Hinblick auf seine Schüler neben einer erfolgreichen Vermittlung des Unterrichtsstoffes? 

Peter Denker:  Das habe ich in der Antwort zu Ihrer ersten Frage schon anklingen lassen: Der Lehrer muss sich seiner Wirkung auf andere bewusst sein. Sein Verhalten überträgt sich auf seine Schüler, ob er will oder nicht. Dafür hat er eine große Verantwortung, aber auch wunderbare Möglichkeiten: Mit seiner strahlenden Begeisterung für die Sache kann er sie auch dafür begeistern, oder eher nicht.

Helga König: Gute Lehrer verfügen u.a. über bestimmte positive Persönlichkeitsmerkmale. Sollten Studenten vor einem Lehramtsstudium Persönlichkeitstests unterzogen werden, um Schüler beispielsweise vor Psychopathen und Despoten zu schützen? 

 Peter Denker
Peter Denker: Nein, ich bin gegen Zwangsmaßnahmen im pädagogischen Umfeld; Lehramtsstudenten einem Persönlichkeitstest zu unterziehen ist etwas Anderes als ihnen dringend anzuraten, sich selbst einem Check ihrer schon vorhandenen oder noch entwicklungsbedürftigen Eigenschaften und Verhaltensweisen zu unterziehen. Genau dazu bietet ja mein Buch eine brauchbare Handhabe. Da vor der Einstellung in den Schuldienst eine amtsärztliche Untersuchung vorgeschrieben ist, müssten Psychopathen dabei auffallen, Despoten leider nicht. Lehrerdespoten werden in der Schule keinen leichten Stand haben. Man kann nicht jedes Unglück durch vorbeugende Maßnahmen verhindern. 

 Helga König
Helga König: Welche Möglichkeiten haben Lehrer in ihrem Unterricht auf die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler Einfluss zu nehmen und sollte die Einflussnahme zuvor mit den Eltern abgesprochen werden? 

Peter Denker: Generell ist eine ausführliche Elterninformation über die erzieherischen Absichten z.B. an Elternabenden sinnvoll und nötig, in konkreten, sehr problematischen Fällen auch adhoc. Die erste Stufe erzieherischer Einwirkung wird im vertraulichen Gespräch unternommen, ohne Mitschüler oder Eltern. Bei gravierenden Vorkommnissen werden Absprachen mit Dritten erforderlich. Aber die beständige Einflussnahme auf die Persönlichkeitsentwicklung geschieht am besten durch vielperspektivische Erörterung konkreter Beispiele aus Lektüre, Berichten in Medien oder aus dem Schulalltag, immer aber diskret. 

Helga König: Welche Erfahrungen haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens gemacht, wenn Sie bei Streitigkeiten unter Schülern mehr auf Interessenausgleich geachtet haben als darauf, dass einer Recht bekommt? 

Peter Denker: "Täter" habe ich aufgefordert, sich in die Lage des "Opfers" hineinzufühlen und zu überlegen, was er ihm anbieten kann oder auch von ihm erwartet, um sich mit ihm zu versöhnen. Das soll er auch schriftlich dokumentieren. Dem "Opfer" habe ich aufgegeben, zu beschreiben, was den "Täter" so hat ausrasten lassen, was es sich als Zeichen der Versöhnung wünscht und was es dazu beitragen kann, dem "Täter" das zu erleichtern. 

Helga König: Ist emotionale Intelligenz eine Grundvoraussetzung, um ein guter Lehrer zu werden und kann man emotionale Intelligenz gezielt trainieren? 

 Peter Denker
Peter Denker: Emotionale Intelligenz ist in den seltensten Fällen angeboren. Man erwirbt sie durch Vorbilder und Training. Daniel Goleman gibt z.B. wundervolle Beispiele. Mein Buch unterstreicht die Relevanz emotionaler Intelligenz für den Umgang mit sich und andern und gibt dazu Beispiele und Gegenbeispiele. 

Helga König: Welche Resonanz haben Sie im Hinblick auf die Selbsttests von ihren Lesern bislang erhalten? 

Peter Denker: Leser (außer Ihnen) haben mir dazu noch keine Rückmeldung gegeben. Aber die Selbsttest habe ich auf der Grundlage reflektierter Situationserfahrungen und Gesprächen mit Referendaren und Kollegen realitätsnah entwickelt. Ich bin von ihrer Tauglichkeit überzeugt.

 Helga König
Helga König: Was ist für Sie geglückte Kommunikation in der Schule und was setzt diese voraus?

Peter Denker: Das brauche ich nicht auf Schule zu beschränken: Gute Kommunikation beginnt mit aktivem Zuhören, vorurteilsfreiem und wertschätzendem Nachfragen und mündet in vorausschauend-einfühlsame Antworten. Kommunikation muss "symmetrisch" sein, das Gegenüber partnerschaftlich wertschätzend, nicht maßregelnd sondern ggf. Folgen bewusst machend. Geglückte Kommunikation erfüllt das Gebot der Nächstenliebe. Die ist ständig neu zu üben, kein Besitz. 

Helga König: Ist es heute wichtiger denn je, sich mit Elternerwartungen auseinanderzusetzen oder waren deren Erwartungen an die Lehrer schon immer problematisch? 

Peter Denker: Kritische Eltern gab und gibt es immer und an allen Schulen. Heutzutage ist das im Wohlstand gewachsene Anspruchsdenken stärker als die Bereitschaft, die Schule und die Lehrer zu unterstützen. Mitbestimmung ist etlichen Eltern – sofern sie überhaupt an der Schule ihrer Kinder Interesse haben – erstrebenswerter als Mitwirkung. Überbehütende "Helikopter-Eltern" und "Berufseltern" schaden ihren Kindern umso mehr, je stärker sie für sie "kämpfen". Es ist nicht leicht aber notwendig, die Eltern zu überzeugen, dass die positive und erfolgreiche Entwicklung ihrer Kinder Lehrer und Eltern als gemeinsames Interesse verbindet und nicht etwa trennt. 

Helga König: Was erhoffen Sie, dass die Leser aus den Kapiteln 4 und 5 gedanklich mitnehmen und in ihrem Berufsalltag umsetzen werden? 

 Peter Denker
Peter Denker: Kurz und allgemein gefasst: Das dem Einzelnen Mögliche und Gemäße. Unabdingbar ist die Bereitschaft zur Kooperation mit Kollegen und Vorgesetzten. Eine verbreitete Scheu, den eigenen Unterricht zur Beobachtung durch Kollegen oder Eltern zu öffnen, sollte überwunden werden. Wer die Hand öffnet, bekommt etwas hinein, wer sie verschließt eben nicht. Der achtungsvolle und vielperspektivische Diskurs über das eigene Tun wirkt anregend und wohltuend. Wie wollen nicht kooperationsbereite Lehrer ihren Schülern Kooperationsbereitschaft glaubwürdig vermitteln? 

Helga König: Können Sie bitte, den Satz vollenden: Damit Schüler von einem Lehrer wirklich etwas annehmen, benötigt der Lehrer vor allem…… ... 

Peter Denker: Lernbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit. 

Lieber Peter Denker, ich danke ihnen für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

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