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Helga König im Gespräch mit PA. Dr. Anselm Grün über sein Buch "Brot himmlisch irdisch"

Lieber PA Dr. Anselm Grün, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Brot himmlisch irdisch" im Onlinemagazin "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt.  Dazu möchte ich heute einige Fragen  an Sie richten.


Helga König: Wie hat sich die Teamarbeit für das Buch "Brot himmlisch irdisch" mit dem Bäckermeister Leo Stöckinger, der Fotografin Andrea Langenbacher und Ihnen gestaltet?

 PA  Dr. Ansel Grün
Foto: Vier-Türme-Verlag
PA Dr. Anselm Grün:  Der Vier Türme Verlag hat mich angefragt, etwas über das Brot zu schreiben. Das habe ich zuerst getan und dann den Text unserem Bäckermeister Leo Stöckinger gegeben. Er hat mir auch einige Bücher über das Brot ausgeliehen. Dann haben wir gemeinsam darüber diskutiert. Mit Frau Langenbacher haben wir einen Termin in der Bäckerei ausgemacht. Da hat sie dann ein Gespür dafür entwickelt, wie man das Thema Brot photographisch darstellen kann.

Helga König: Das Kloster Münsterschwarzach betreibt eine Klosterbäckerei. Wie lange gibt es diese Bäckerei bereits und wer wird mit den Backwaren von dort versorgt?

PA Dr. Anselm Grün: Die Bäckerei gibt es seit der Wiedereröffnung der Abtei Münsterschwarzach im Jahre 1913. Das alte Kloster, das von 816 bis 1803 bestand, hatte sicher auch eine Bäckerei. Denn jedes Kloster hat sich immer selbst mit Backwaren versorgt. Bis vor 20 Jahren hat das Kloster nur die Mönche, die Schüler und Schülerinnen und die Gäste mir Backwaren versorgt. Seit 20 Jahren verkaufen wir auch im Klosterladen unser Brot, die Brötchen und eine kleine Auswahl von Kuchen. Unser Brot ist sehr beliebt bei den Gästen, die sich dann auch für daheim mit Waren aus der Bäckerei versorgen.

 Helga König
Helga König: Womit assoziieren Sie spontan den Begriff "Brot"

PA Dr. Anselm Grün: Brot ist die Grundnahrung des Menschen. Ich assoziiere einmal mit Brot den Alltag. Brot ist die Alltagsnahrung. Aber mit Brot verbinde ich auch den Genuss: ein Butterbrot genießen, sich Zeit lassen, den Geschmack wahrzunehmen, das tut mir gut. Vor allem nach einer Woche Fasten genieße ich eine Scheibe Brot und lasse mir Zeit, es zu kauen. Dann spüre ich Dankbarkeit und Freude am guten Geschmack.

Helga König: Wie würden Sie nachstehenden Satz beenden? Achtsames und respektvolles Umgehen mit Brot bedingt…?

PA Dr. Anselm Grün: Das Brot achtsam in die Hand nehmen, es behutsam schneiden, es langsam kauen und vor allem: kein Brot wegwerfen.

Helga König:  Sie erzählen in dem Buch einige biblische Brotgeschichten. Welche der Geschichten berührt Sie am meisten und weshalb?

PA Dr.  Anselm Grün: Mich berührt am meisten die Geschichte von der Brotvermehrung. Die Jünger teilen die fünf Brote aus und es reicht für 5000 Menschen. Alle werden satt. Jesus sagt zu den Jüngern: Gebt ihr ihnen zu essen. Das ist für mich eine Aufforderung, die Menschen zu nähren mit dem, was ich habe, mit Worten über das, was ich erfahren habe und was mich persönlich nährt. Unsere Aufgabe ist es, andere Menschen zu nähren, im wörtlichen Sinn, das Brot mit ihnen zu teilen, aber auch im übertragenen Sinn, die Menschen mit unserer Liebe zu nähren.

Helga König:  Wieso wurde Brot von allen Völkern stets als etwas Heiliges betrachtet, das man zumeist mit Ehrfurcht und Verehrung behandelte?

 PA  Dr. Ansel Grün
Foto: Vier-Türme-Verlag
PA Dr. Anselm Grün: Brot war immer ein Grundnahrungsmittel. Und alle Völker hatten ein Gespür dafür, dass das Brot ein Geschenk Gottes ist. Gott nährt uns. Er schenkt uns das Brot, um das Herz des Menschen zu stärken. Und das Geschenk Gottes hat man immer mit Ehrfurcht behandelt. Man hat darüber zuerst den Segen gesprochen und gedeutet, dass Gott uns das Brot schenkt, um uns für unser Leben zu stärken.

Helga König: Können Sie den Lesern bitte erklären, weshalb man Sauerteig als Metapher für die Liebe, die alles durchdringt, begreifen kann? 

PA Dr.  Anselm Grün: Der Sauerteig durchdringt das Mehl, so dass daraus Brot entstehen kann. Jesus vergleicht das Himmelreich mit einer Frau, die eine große Menge Mehl mit dem Sauerteig vermischte und daraus über 100 Brote backen konnte. Mehl ist ein Bild für die oft chaotischen Gefühle in uns. Wenn die Liebe Gottes dieses Mehl durchdringt, dann werden wir selbst zu einem Brot, das andere zu nähren vermag.

 Helga König
Helga König: Sie schreiben, Jesus habe bewusst den Ritus des Brotbrechens und Weintrinkens gewählt, um das Geheimnis seiner Liebe für uns zum Ausdruck zu bringen. Können Sie unseren Lesern vermitteln, was dies bedeutet?

PA Dr. Anselm Grün:  Das Brotbrechen nimmt Jesus als Zeichen für seinen Tod am Kreuz, an dem sein Leben zerbrochen wird, damit wir nicht zerbrechen an dem, was unser Leben immer wieder durchkreuzt und was uns an Leid widerfährt, sondern dass wir aufgebrochen werden für unser wahres Selbst, aufgebrochen werden für die Menschen um uns und aufgebrochen werden für die Liebe Gottes. Brot brechen ist ja immer auch ein Zeichen von Teilen gewesen. Und das Teilen ist Ausdruck der Liebe, die uns miteinander verbindet.

Helga König: Im Rahmen der Rezepte lernt man auch "Karthäuserklöße" kennen. Hat ein Karthäusermönch das Rezept kreiert oder was hat es mit der Bezeichnung auf sich? 

PA Dr. Anselm Grün:  Das kann ich leider nicht beantworten. Vermutlich war es durchaus auch eine Speise der Karthäuser, die eben Brot aufbewahrt haben, wenn es alt geworden ist, und dann wieder neu verwendet haben.

Helga König: Gibt es einen alten Brotbrauch, der bei ihnen im Kloster nach wie vor praktiziert wird?

PA Dr. Anselm Grün:  Am Ostersonntag wird im Gottesdienst Brot gesegnet. Das Brot soll uns an Ostern erinnern: das Leben ist stärker als der Tod. Die Liebe ist stärker als der Tod. Wenn wir das geweihte Brot essen, dann spüren wir etwas vom Geheimnis von Ostern.

Lieber PA Dr. Anselm Grün, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch

Ihre Helga König

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