Dieses Blog durchsuchen

Peter Jakob und Helga König im Gespräch mit Gerhard Siebert, Weingut Schenk-Siebert, Grünstadt-Sausenheim

Lieber Gerhard Siebert, vor einigen Tagen haben wir  vier Weißweine und zwei Rotweine Ihres Weingutes auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt.  Deshalb möchten wir heute einige Fragen an Sie richten.


Helga König: Um zunächst zu klären, wo das Weingut Schenk-Siebert zu finden ist, hier die Frage: In welcher Winzer-Gemeinde ist das Gut zuhause, zu welchem Anbaugebiet zählt es und was gibt es besonderes über die Region zu berichten? 

Winzerfamilie Siebert
Gerhard Siebert: Das Weingut Schenk-Siebert hat seinen Sitz in Grünstadt – Sausenheim. Sausenheim ist der südliche Vorort des ehemaligen Grafenstädtchen Grünstadt. Grafenstädtchen deshalb, weil hier die Leininger Grafen zu Hause waren. Grünstadt mit seinen knapp 15000 Einwohner stellt den Mittelpunkt des Leiningerlandes da, auch den Mittelpunkt des neuen Begriffes Nordpfalz. Sausenheim liegt in südlicher Richtung am Fuße von Neuleiningen, der historischen Wehrburg der Grafen zu Leiningen. Die Grafen zu Leiningen haben vor allem zur Zeit der Bauernkriege und der Französischen Erbfolgekriege eine Rolle gespielt. Sausenheim liegt im Regenschatten des höchsten Pfälzer Berges, dem Donnersberg. 

Wir haben sehr wenig Regen, mittunter eines der trockensten Gebiete in Deutschland und bei etwa 200 Meter Meereshöhe eine ideale Klimasituation für unsere Weine. Die Hanglagen verhindern die Frostgefahr bei angenehmen mediterranen Temperaturen. In unserem Hof gedeihen die Palmen, Zitronen und Feigen, ja sogar eine Korkeiche. Natürlich gehören wir zur Pfalz. 

Die Weinbautradition in Sausenheim ist sehr alt, älter wie in vielen anderen Gemeinden. Bereits um 750 n.Chr. wurde der Weinbau im Lorcher Codex in Sausenheim erwähnt, älter war er schon durch Keltensiedlungen und Römerstraßen. 

Peter J. König
Peter J. König: Wie lange existiert das Weingut Schenk-Siebert, wer ist heute dafür verantwortlich und wieviel ha Rebfläche werden bewirtschaftet?

Gerhard Siebert: Das Weingut Schenk-Siebert ist durch Heirat 1986 entstanden, die Stammhäuser sind jedoch viel älter. Das Stammhaus meiner Frau und die heutige Betriebsstätte wurden infolge des Süddeutschen Erbgesetzes 1900 gegründet. Davor entzieht es sich meiner Kenntnis. Mein Stammhaus ist auch ein Weingut in Grünstadt und 1674 das erste Mal erwähnt. Meine Vorfahren sind Hugenotten und trugen den Namen Cartoir, der anderorts in der Pfalz auch große Bedeutung hat. Die Geschichte meines Hauses ist durch zahlreiche Bürgermeister und große Persönlichkeiten geprägt, die viel für die Region getan haben. Heute bewirtschaften wir, die Eheleute Gerhard und Hildegard Siebert, das mittlerweile 37 ha große Weingut. Ich selbst bin Dipl.Ing. Weinbau und meine Frau ist Hauswirtschaftsmeisterin. Unterstützt werden wir von unserem ältesten Sohn Christoph, der Winzermeister ist. Unser jüngster Sohn Johannes studiert momentan Weinbau in Geisenheim und beabsichtigt ebenfalls im Betrieb einzusteigen. Unsere Tochter Annemarie schreibt momentan ihre Master Arbeit in Biologie in Weihenstephan und wird in der Getränke- Branche bleiben.

 Helga König
Helga König: Welche Rebsorten werden hauptsächlich angebaut, welche besonderen Lagen gilt es zu erwähnen, wie sieht es mit der Bodenbeschaffenheit in den Weinbergen aus und was kennzeichnet das Terroir? 

Gerhard Siebert: Wir bevorzugen die klassischen Rebsorten, wie Riesling, Burgunder, rot und weiß, aber auch internationale wie Cabernet Sauvignon, Cardonnay und Sauvignon Blanc. Geprägt werden die Weine durch sehr hohen Kalkgehalt im Boden, wie z.B. im Burgund. Das ist eher selten für die Pfalz. Kein Wunder, dass es hervorragende Spätburgunder gibt aber auch Rieslinge gedeihen mit einer besonderen Zitrusnote und sind lange haltbar. 

Die bayrische Bodenordnung hat die Lagen Klostergarten und Hütt als besonders wertvoll eingestuft. Dies bedeutet, dass es 1.Gewächs Lagen sind. Aber auch der Honigsack und das Feuermännchen mit Ihrer Süd-Ost Ausrichtung sind sehr wertvoll. 

Peter J. König: Heutzutage hat jedes Weingut seine eigene Philosophie zum Weinmachen, was gibt es darüber zu berichten, bezüglich Weinbergspflege, Lese und Kellerwirtschaft und des Weiteren, spielt die Klimaerwärmung eine Rolle in den Weinbergen des Weingutes Schenk-Siebert und wenn ja, wie wird darauf reagiert? 

Winzerfamilie Siebert
Gerhard Siebert: Die Philosophie ist Qualität. reduzierter Anschnitt, Traubenselektion, Grüne Ernte und Entblättern führt im Weinbau zu Top-Voraussetzungen, Qualitäten zu erzeugen. Hier schlagen wir zukünftig den Weg der Nachhaltigkeit ein. Produktschonend in Keller, weniger Spontangärung, sondern gekühlte produktschonende Vergärung tuen Ihr übriges. Die Premiumrotweine kommen alle ins Barrique. Für die Pinot´s Fränzösiche und Pfälzer Eiche, für die Cabernet Amerikanische Eiche, die Basisrotwein liegen im Großen Holzfass und Weißwein im Edelstahl.

Seit 2014 schönen wir, wenn überhaupt nötig, nur mit pflanzlichen Produkten. Unsere Weine sind frei von Allergenen und auch zertifiziert Vegan. Wir liegen etwas höher, wie die Weinbaugemeinden an der unteren Weinstrasse und haben deshalb bezüglich der extremen Hitze Vorteile. 

Die Lese beginnt teilweise 8-10 Tage später, als in der südliche Pfalz und hat durch oft stabilere Wettersituationen Ende September und Oktober Vorteile. Bewässern können wir nicht. Wir erzeugen viel Humus in unseren Böden um Feuchtigkeitsspeicher zu erhalten. 

Die Zufuhr von Biokompost oder Grünhäcksel hat einen hohen Stellenwert. 

Helga König: Welche Möglichkeit besteht, um die Weine aus dem Gut zu erwerben, etwa in einem Online-Shop, per E-Mail oder auch telefonisch und können die Weine auch direkt im Gut probiert und dann sofort mitgenommen werden, welche Gelegenheit gibt es diesbezüglich? 

 Winzerfamilie Siebert
Gerhard Siebert: Der Großvater meiner Frau hat bereits 1950 Weine mit dem Unimog zu unseren Kunden gefahren. Aus dieser Zeit haben wir immer noch Kunden teilweise in der nächsten und übernächsten Generation. Im Internet kann man den Tourenplan einsehen. Wir fahren die meisten Gebiete 4 Mal im Jahr an und stellen unsere Weine ab 24 Flaschen frei Haus zu bei der LKW Tour. Selbstverständlich verschicken wir auch über einen Online Shop und noch besser, Sie kommen zu unseren Öffnungszeiten ins Weingut und probieren die Weine, die Sie interessieren. 

Teilweise sind wir im Fachhandel gut vertreten, etwas Export nach China, Taiwan, Schweden, Polen und Italien gibt es auch. 

Helga König: Unsere Leser möchten auch immer gerne wissen, ob es Veranstaltungen im Weingut gibt, bei denen die Weine verkostet werden können, etwa ein Hoffest oder einer ähnlichen Veranstaltung. Neugierig macht auch stets, ob die Weine prämiert worden sind und durch renommierte Weinführer vorgestellt werden, wie sieht es damit aus? 

 Winzerfamilie Siebert
Gerhard Siebert: Veranstaltungen gibt es jede Menge: Mitte Mai haben wir eine Jahrgangspräsentation im Weingut, im Juli Kultur im Weingut und am 3. Wochenende im September Sausenheimer Kerwe. Ferner sind wir Ende Juli auf dem Weinfest in Grünstadt und Anfang August in der Residenz München. Ein Highlight ist die Weinwanderung Höllenpfad immer am 1. Juniwochenende. Das Jahr wird beendet am 1. Novemberwochenende durch eine kulinarische Krimilesung mit Weinprobe und erstmals 2016 die Forum Vini. 

Ja,  Prämierungen gibt es jede Menge: Bundesehrenpreis, Staatsehrenpreis, Ehrenpreis, Gewinn Best of Riesling 2010, 2015 2x DLG Gold Extra, jede Menge Kammer und DLG Preise, Mundus Vini, auch Gold Extra und AWC Vienna. 

Selbstverständlich auch der Gault Millau, wobei wir hier manchmal nicht so glücklich wegkommen.

Lieber Gerhard Siebert, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König, Ihr Peter J. König


Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Weingut Schenk-Siebert und können den Wein dort bestellen: http://www.weingut-schenk-siebert.de/startseite.html

Keine Kommentare:

Kommentar posten