Dieses Blog durchsuchen

Helga und Peter J. König im Gespräch mit Axel Stiegelmar, Weingut Juris, Gols, Burgenland/Österreich,

Lieber Axel Stiegelmar, dieser Tage haben wir  auf "Buch, Kultur und Lifestyle" fünf Weine und einen Sekt aus Ihrem Weingut vorgestellt.  Deshalb möchten wir heute einige Fragen an Sie richten.


Helga König: Damit unsere Leser wissen, wo das Weingut Juris zu finden ist, hier folgendes: In welchem Land, in welcher Weinbau-Region und in welcher Winzer-Gemeinde ist das Gut beheimatet, was gibt es grundsätzlich vom Weinbau dort zu sagen und welche klimatischen Bedingungen herrschen in der Region ganz bezüglich der Weine? 

 Axel Stiegelmar
Weingut Juris
Axel Stiegelmar: Unser Weingut Juris befindet sich in Gols, einer Weinbaugemeinde am Neusiedlersee, im Burgenland, in Österreich. Hier werden seit Jahrhunderten, zurückgehend bis in römische Zeit, Reben gepflegt und Wein gemacht. Pannonien, die römische Provinz, ist auch Namensgeber für unser Klima. Das Pannonische Klima ist ein kontinentales Klima mit warmen, trockenen Sommern und auch durchaus harten, kalten Wintern. Unsere Region ist die wärmste in Österreich und erlaubt es die Trauben bis zur vollsten Reife am Stock zu belassen. Die Vielzahl an Weinen aller Art ist unsere große Stärke. In den letzten 50 Jahren hat sich Gols zu einem Zentrum für den Rotweinbau entwickelt. Gols liegt, gut erreichbar, an der A4 30min. von Wien entfernt, Richtung Budapest www.gols.at 

 Peter J. König
Peter J. König: Wie lange existiert das Weingut Juris, wer ist für die Weine heute verantwortlich und wieviel Hektar Rebfläche werden kultiviert? 

Axel Stiegelmar: Die Familie Stiegelmar kam im 16. Jahrhundert ins Land und betreibt seit der Zeit Weinbau. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf 1571. Viele meiner Vorfahren wurden Georg oder Gregor getauft aber Juri gerufen. So entstand das Weingut von Juri, eben Juris Weingut. Wichtig ist das auch zur Unterscheidung von anderen Winzerkollegen mit dem selben Familiennamen. Juris befindet sich im Zentrum von Gols in der Marktgasse 12-24 auf der Fläche von mehreren historischen Streckhöfen. Das war die damalige Siedlungsform. An einem lang gestreckten Hof befanden sich hintereinander die Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Mit der Zeit konnten wir den einen oder anderen Nachbarhof erwerben und so unsere Kellerei vergrößern. Die ältesten Keller sind um die 600 Jahre alt. Mit dem Güntherkeller, erbaut 1756, haben wir sogar eine der seltenen Tropfsteinhöhlen des Burgenlandes als Reifekeller für unsere Pinot Noirs im Gebrauch. Heute ist Axel Stiegelmar mit seiner Frau Herta für die Weine des Gutes verantwortlich. Wir pflegen zur Zeit 20 ha Rebfläche im Eigenbau und kaufen keine Trauben zu.

 Helga König
Helga König: Welche Rebsorten werden hauptsächlich angebaut, welche besonderen Lagen gibt es und welches Terroir ist dort vorhanden? 

Axel Stiegelmar:  Heute hat sich der Anteil der Rotweintrauben auf ca 80% erhöht. Das ist natürlich keine Zahl die in Stein gemeißelt ist, sondern ergibt sich aus den Möglichkeiten die der Klimawandel mit sich bringt. Pinot Noir, St.Laurent und Blaufränkisch sind die Hauptsorten beim Rotwein. Beim Weisswein spielt der Chardonnay seit Generationen die erste Geige, gefolgt vom Sauvignon Blanc. Pinot Noir ist sicherlich emotional die wichtigste Sorte am Weingut. Wir wissen diese Rebe seit zumindest vier Generationen in unserer Familie. Seit mehr als hundert Jahren pflegen wir unsere eigene Selection massale. Über die Zeit hat sich ein widerstandsfähiger Stamm entwickelt, der die Besonderheiten des pannonischen Klimas hervorragend zu interpretieren weis. Die Böden sind größtenteils sehr kalkhältig und speichern in den lehmhältigen Schichten das Grundwasser sehr gut. Oberflächliche Sedimente aus Quarz und Kies erlauben eine gute Drainage. Das Weinbaugebiet von Gols erstreckt sich über eine Fläche von fast 2000 ha. Es gibt drei Gebiete, wobei jedes für sich ganz besondere Eigenschaften aufweist. Zuerst das Gebiet südlich vom Dorf, der Heideboden. Er ist, durch die Nähe zum See, besonders für Weissweine und Süßweine geeignet. 

Als Zweites Gebiet ist der Wagram zu nennen. Das sind süd und südostseitig geneigte Hänge die für spätreife Sorten wie Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot ideal sind. Das höchste was wir in Gols zu bieten haben ist die Parndorfer Platte. Ein Hochplateau das von der Donau in der letzten Eiszeit angeschwemmt wurde. Hier öffnet sich die Landschaft den Winden aus dem Donautal und senkt die Temperaturen während der Nachtstunden im Sommer. Perfekt für Pinot Noir und St.Laurent.

Peter J. König: Heutzutage spricht man gerne von der Philosophie des Weinmachens bei den Winzern, wie sieht es damit im Weingut Juris aus, welche Kriterien bestimmen die Weinbergspflege, die Reb-Kultur, die Lese und die Kellerwirtschaft, auch im Hinblick auf Tradition und Moderne?

Axel Stiegelmar: Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne ist der Nährboden auf dem Neues entsteht. Revolution oder Evolution? 

Jede Generation die für ein Weingut verantwortlich ist muss das selbst entscheiden. Wichtig ist es vor allem die kommende Generation davon zu überzeugen, das Weingut weiterzuführen. Es liegt in der Verantwortung der Elterngeneration diese Saat zu legen, den Keim zu pflegen und Talente zu fördern, auch wenn diese nicht immer mit der eigenen Überzeugung übereinstimmen. Die Art, wie die Altvorderen ihr Leben gelebt und ihre Weine gemacht haben, mag damals der richtige Weg gewesen sein. Für die Zukunft muss man aber neue Wege gehen, hat aber viel mehr Möglichkeiten. Ich bin sehr froh, dass bei uns Gregor, unser ältester Sohn, diesen Weg eingeschlagen hat. Die Weinbergspflege geschieht bei uns ganz traditionell, nachhaltig und naturnah. Vieles wird mit der Hand gemacht. Wir verwenden weder Herbizide noch Insektizide im Pflanzenschutz. 


 Weingut Juris
Die Rebkultur ist darauf ausgerichtet, dem Rebstock ein hohes Alter zu ermöglich. Hohe Stockdichte, niedrige Erträge führen in keiner Weise zu Überbelastungen und fördern die Widerstandsfähigkeit der Pflanze. Die Lese erfolgt ausschließlich per Hand. Ich kann mir zur Zeit beim besten Willen keinen Spitzenwein vorstellen, der mit der Maschine geerntet wurde. Die Kellerei wurde nach dem 0-Energie Prinzip errichtet. Dabei bleibt die Temperatur der Sommermonate, bis in den Winter, im Gebäude gespeichert und es ist keine Heizung notwendig. Im Sommer wieder, speichert das Gebäude die Kälte des Winters und es ist keine Klimaanlage notwendig. Manche Kellereien heute schauen wie eine Notfallambulanz aus. Überall technische Geräte, Kühlungen, Befeuchter und ähnliches. Man fragt sich ob hier die Trauben verarztet werden müssen? Diese Denkweise ist mir zu industriell. Zu ertragsoptimiert. 

Weinmachen muss mehr als das sein. Am Ende sollte immer das Bauchgefühl entscheiden. Das ist es, was den Wein, wenn schon nicht göttlich so doch menschlich macht.

Helga König: Der Klimawandel ist allerorten ein wichtiges Thema und im Weinbau ganz besonders, da Wein ja ein Natur-Produkt ist. Welche Erfahrungen wurden diesbezüglich in den letzten Jahren gemacht und wie wird darauf reagiert?

Herta und Axel Stiegelmar
Axel Stiegelmar: Eines ist sicher: Das Klima ändert sich und es hat sich immer schon geändert. Das ist nicht zu bedauern, darauf muss man reagieren. Wir merken bei den alten Pinot Noir Klonen aus dem Burgund, dass diese sehr frühreif sind und in den allermeisten Jahren zu hohe Zuckergrade bringen. Also suchen wir nach Variationen die spät reifen um diese Sorte auch in Zukunft im Gebiet zu halten.

Peter J. König:  Natürlich wollen unsere Leser auch gerne die Weine probieren, die hier vorgestellt werden, welche Möglichkeiten gibt es diese zu beziehen, etwa durch einen Online-Shop, per E-Mail, per Telefon nach Besichtigung der Homepage oder auch per Fax?

Axel Stiegelmar:  Unsere Weine gibt es natürlich idealerweise bei uns am Weingut zu verkosten und erwerben. Hier Sollte das nicht möglich sein selbstverständlich auch per Fax, per Email oder im Online shop 

Helga König: Nichts ist so authentisch wie die Weine dort zu verkosten, wo sie gewachsen sind und erzeugt wurden, gibt es die Möglichkeit einer Weinprobe im Gut, eines Hoffestes etwa oder sonstige Veranstaltungen in der Winzer-Gemeinde wo man die Weine in heimischer Umgebung in aller Ruhe probieren kann, um sie gleich zu erstehen?

 Axel Stiegelmar
Axel Stiegelmar: Gerne begrüßen wir Gäste und Weinliebhaber zu diesen Öffnungszeiten Unser Hoffest, die Frühlingspräsentation findet immer Ende April jeden Jahres statt. Wir laden Sie gerne ein, hier gehts zur Anmeldung. 

Helga König: Interessant ist auch immer wie die Winzer ihre Weine selbst charakterisieren, was gibt es dazu zu sagen?

Axel Stiegelmar: Ich bin ein großer Bewunderer der Ausgewogenheit im Wein. Gute Weine ruhen in sich selbst. Erst so ist ein Wein auch gereift angenehm zu trinken. Ich versuchen diesem Ideal so nah wie möglich zu kommen. 

Peter J. König:  Neugierig sind die Leser auch immer ob die Weine des vorgestellten Weingutes auch prämiert worden sind und ob sie bei renommierten Weinführern vorgestellt wurden, wie sieht es damit aus?

 Axel, Georg und  Gregor Stiegelmar
Axel Stiegelmar: Bewertungen sind Meilensteine am Weg des Winzers. Hat man sie erreicht nützt man sie zur Orientierung und zieht weiter. Sie sind Bestätigung , Würdigung und Wertschätzung. Die Bewertungen der aktuellen Weine finden sie auf der Homepage 

Helga König: Da nicht jeder Weinliebhaber aus Deutschland gleich einen Urlaub am schönen Neusiedlersee buchen kann, was eigentlich schade ist, wäre es wissenswert, wo hierzulande die Weine vom Weingut Juris direkt vorgestellt werden?

Axel Stiegelmar: Wir besuchen seit vielen Jahren die ProWein in Düsseldorf als wichtigste deutsche Weinmesse für das Fachpublikum. Jedes Jahr im November sind wir als Gastwinzer bei der VDP-Probe in München, Düsseldorf, Essen, Frankfurt und Köln persönlich vor Ort. Hier kann man viele aktuelle Weine aus unserem Sortiment verkosten und bestellen. Wir informieren Sie gerne über die aktuellen Termine sobald sie feststehen

Lieber Axel Stiegelmar, wir danken Ihnen vielmals für das aufschlussreiche  Gespräch.

Ihre Helga König, Ihr Peter J. König
Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Weingut Juris und können den Sekt dort bestellen: http://www.juris.at/