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Helga König im Gespräch mit Cassandra Negra, Autorin des Romans "Keine Sternschnuppen für Sara?- Band 1 Alles auf Anfang- Jerry Media Verlag-

Liebe Cassandra Negra, dieser Tage habe ich den ersten Band Ihrer Roman-Trilogie "Keine Sternschnuppen für Sara?" rezensiert. Dazu möchte ich heute einige Fragen an  Sie richten.

Anbei der Link zur Rezension: "Keine Sternschnuppen für Sara?"

Helga König; Wie würden Sie Sara, die Hauptfigur Ihres Romans, in wenigen Worten charakterisieren?

 Cassandra Negra; Quelle: Studio Urbschat
Cassandra Negra: Sara ist eine ausgesprochen sensible und gleichermaßen starke junge Frau, die sich nicht scheut, Schwächen zu zeigen. In kurzer Zeit hat sie mit ihrem Mann und ihrem Vater die wichtigsten Menschen in ihrem Leben verloren. Obwohl sie in übermächtiger, pathologischer Trauer und tiefer Depression zu versinken droht, gibt sie sich selbst, ihren Glauben und die Hoffnung nie auf. Sie nimmt sich Zeit, das Geschehene zu verarbeiten und loszulassen. Sie strauchelt und fällt, aber sie bleibt nicht am Boden, sondern nimmt all ihre Kraft zusammen, steht wieder auf, sammelt die Trümmer ihres Lebens ein und setzt das Puzzle Stück für Stück neu zusammen. Sara ist ein starker Frauencharakter, der die Polaritäten des Lebens in seinem Wesen vereint. Sie weiß, dass ein Pol den anderen bedingt und dass nur im Zusammenspiel beider Pole echte Lebendigkeit und Glück entstehen kann. 

Helga König            
Helga König: Ist Sara eine typische Vertreterin ihrer Generation und falls ja, weshalb? 

Cassandra Negra; Saras Generation ist geprägt von Erfahrungshunger. Sie brennt darauf, sich selbst und ihren Platz in der Welt zu finden. In dieser Hinsicht ist Sara vielleicht tatsächlich eine typische Vertreterin. Dennoch ist ihr Schicksal – wie das eines jeden Menschen – einzigartig. All die Erlebnisse und schmerzvollen Erfahrungen haben sie zu dem gemacht, was sie ist: eine ausgesprochen verletzliche und mitfühlende junge Frau, die den Glauben an die wahre, große Liebe nicht aufgegeben hat. Sie ist hungrig danach, so geliebt und angenommen zu werden, wie sie es verdient und es sich in ihren Träumen immer ausgemalt hat. Sara zweifelt nicht daran, dass sich dieser Wunsch eines Tages erfüllen wird und geht daher unbeirrt und zielstrebig ihren Weg. Sie kämpft für ihren großen Traum, denn sie glaubt fest daran, dass Menschen, die den Mut haben, mit den Veränderungen des Lebens zu gehen, und die bereit sind, auch schmerzvolle und unbequeme Entscheidungen zu treffen, am Ende dafür belohnt werden. 

Helga König: Liebe und Tod sind Themen, die in der Romanwelt immer wieder zum Gegenstand der Reflexion gemacht werden. Was fasziniert Sie an diesen Themen und was wollen Sie in Ihrem Roman damit aufzeigen? 

Cassandra Negra:
Liebe und Verlust sind bestimmende Themen unseres Lebens. Immer wieder werden wir damit konfrontiert, dass wir geliebte Menschen verlieren und sie in Liebe loslassen müssen. In den Veränderungen, mit denen uns das Leben konfrontiert, können wir nur dann einen Sinn finden, wenn wir bereit sind, ganz und gar in sie einzutauchen, uns dem Fluss des Lebens hinzugeben, und in seinem Strom treiben zu lassen. Denn irgendwann folgt auf jeden Herbst und jeden noch so harten Winter ein neuer Frühling, der plötzlich wie ein Wunder in die raue, dürre Natur einbricht und uns zeigt, dass diese Welt in wundervollen Farben erstrahlen kann, wenn wir lieben. Insofern sind Liebe und Tod zwar einerseits Gegenspieler, weil sie das irdische Zusammensein jäh beenden, doch das Ewige, das der wahren Liebe innewohnt, ist das, was überdauert und weiterlebt, auch wenn unsere Seelen längst das Diesseits verlassen haben und in eine neue Dimension eingetreten sind. 

Helga König: Sie beschreiben in "Keine Sternschnuppen für Sara?" auch stets aufs Neue erotische Stunden zwischen ihr und Kai. Sind diese nicht als Sternschnuppen zu werten? 

 
Cassandra Negra:
Die erotischen Stunden mit Kai sind jene Sternschnuppen, die kurz am Himmel aufscheinen und wieder verglühen, ohne dauerhafte Spuren im Herzen zu hinterlassen. Es sind Augenblicke des Glücks, die werden, leuchten und vergehen ... Die wahren Sternschnuppen aber, die dauerhaftes Glück verheißen, weil sie Spuren im Herzen und in der Seele hinterlassen, bleiben Sara – zumindest in diesem Band – vorenthalten. 

Helga König: Welche Bedeutung haben Träume in Ihrem Roman?

Cassandra Negra:  Der Psychoanalytiker Sigmund Freud betrachtete Träume als verschlüsselte Darstellungen unbewusster Wünsche. Auch für Sara stehen ihre Träume für all ihre Wünsche, Sehnsüchte und unerfüllten Fantasien. In ihren Träumen findet sie Zuflucht und Trost zugleich. 

Helga König:
Können Sie Ihren Satz: "Schließlich hielt jedes Ereignis, jede noch so schmerzvolle Begebenheit und jede Begegnung eine Lektion bereit! näher erläutern. Vor allem, welche Geisteshaltung dahinter steht?

Cassandra Negra: Jede Erfahrung, die wir im Leben machen – auch wenn sie noch so schmerzvoll ist –, ist gut, und jede noch so "schwierige Situation, die wir jetzt meistern, bleibt uns in der Zukunft erspart.", so der Dalai Lama. Wir müssen nicht an Karma glauben, um diese Weisheit zu verstehen und ihre Botschaft zu verinnerlichen. Ich denke, dass wir unser Leben meistern können, wenn wir verstehen, dass alles, was uns im Leben widerfährt, eine Lektion für uns bereithält. Sei es, dass wir lernen sollen, loszulassen, sei es, dass wir lernen, welche über den Tod hinaus wirkende Kraft Vergebung und Liebe haben, sei es, dass wir lernen, geduldiger und liebevoller zu sein oder versuchen, Dinge, die uns in der Vergangenheit nicht gelungen sind und mit denen wir vielleicht sogar unabsichtlich Menschen verletzt haben, besser zu machen. Die wichtigste Lektion aber ist wohl, dass wir lernen, uns selbst in Liebe zu vergeben.

Helga König:
Sie haben gewiss nicht grundlos das Gedicht über die Liebe von Khalil Gibran aus „Der Prophet“ in Ihren Text eingebunden. Was wollen Sie Ihren Lesern damit vermitteln? 

Cassandra Negra: Kein Meer ist so wild, so unberechenbar und so stürmisch wie die Liebe. Ich möchte zeigen, wie schön und erfüllend es ist, der Liebe zu vertrauen, ihrer Melodie zu folgen und sich ganz ihrem Zauber hinzugeben. Nichts macht uns so verletzbar wie die Momente, in denen wir uns ganz und gar dem geliebten Menschen hingeben, unsere Seele öffnen und unsere Verletzbarkeit offenbaren. Und doch – auch wenn wir wissen, dass sich unser Traum von der ewigen Liebe mitunter nicht erfüllt, weil sie auch „ein Schwert unter ihrem Gefieder verborgen hält“ –, ist sie jedes Risiko und jede noch so schmerzvolle Erfahrung wert. Und manchmal erkennen wir erst viel später im Rückblick, warum das Schicksal unsere Träume, Hoffnungen und Wünsche zerschlagen hat: Dass es nur geschehen ist, um etwas anderes, etwas Größeres herbeizuführen. Nur die Hoffnung auf diesen Sinn kann Wunden heilen, die das Schwert der Liebe unserer Seele zugefügt hat. 

Helga König: Welche Rolle spielt der todkranke Tom im Leben Ihrer Protagonistin? 

Cassandra Negra:
Tom zeigt Sara, dass es möglich ist, selbst in aussichtslosen Situationen Momente der Freude zu finden. Er zeigt ihr, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu sein, das Leben mit all seinen Farben und Facetten zu spüren und sich ganz dem Augenblick hinzugeben. Tom erinnert sie mit seiner wirklich großen Geste der Vergebung schmerzhaft daran, dass sie es nicht geschafft hatte, sich selbst ihre Fehler zu vergeben. Er zeigt ihr, welche Kraft Vergebung entfalten kann. „Wenn wir jemandem vergeben, befreien wir einen Gefangenen, und wir entdecken, dass wir der Gefangene waren.“ Sara versteht, dass sie nur dann wirklich frei wird, wenn sie sich selbst vergibt. 

Helga König: Lernt Sara durch die Affäre mit Kai etwas für ihr weiteres Leben? 

Cassandra Negra: 
Die Affäre mit Kai lässt Sara erkennen, wie wichtig es ist, dass Verstand und Gefühl in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Sie lernt, dass Lust und Leidenschaft sich zuweilen wie echte Liebe anfühlen können, obwohl sie nichts mit wahrer Liebe gemein haben. Diese Affäre vermittelt ihr eine der wichtigsten Lektionen ihres Lebens: Sie lernt zu unterscheiden, zu differenzieren, sie lernt, genau hinzuschauen, in sich hineinzuspüren und sich und ihre Gefühle zu hinterfragen. Sie lernt, wie wichtig es ist, sich nicht unkontrolliert von dem Strudel der Gefühle mitreißen zu lassen, wenn der Verstand ihr längst signalisiert hat, dass dieser Strudel sie mit sich in die Tiefe reißen wird. Insofern steht die Affäre, die Sara mit Kai hat, symbolisch für die Kraft der Unterscheidung. Denn nur dann, wenn wir lernen zu unterscheiden, werden wir auf den Spuren des Glücks und der Liebe wandeln können, und uns nicht in den dunklen Abgründen von Lust und Leidenschaft verlieren.

Liebe Cassandra Negra,  ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

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