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Helga und Peter Jakob König im Gespräch mit Susanne und Dietmar Mittwich, #Weingut_Mittwich, Gutenberg/Nahe

Liebe Susanne Mittwich, lieber Dietmar Mittwich heute haben wir auf "Buch, Kultur und Lifestye" sechs Ihrer Weine vorgestellt.  Deshalb auch wollen wir nun einige Fragen an Sie richten.


Helga König: Damit unsere Leser eine Vorstellung vom Weingut Mittwich haben, zunächst die Frage: In welcher Weinregion liegt das Gut, wieviel Hektar Rebfläche gibt es und wer ist für die Erzeugung des Weines verantwortlich? 

 Susanne und Dietmar Mittwich
Dietmar Mittwich:  Unser Betrieb liegt im Anbaugebiet Nahe, genauer gesagt im Gräfenbachtal, etwa sechseinhalb Kilometer von Bad Kreuznach entfernt. Bewirtschaftet wird der Betrieb heute im Nebenerwerb von meiner Frau und mir. Unser Antrieb ist die Leidenschaft für den Wein. Hierzu muss man wissen, dass der Weg zum Weinbau nicht zwangsläufig war. Zwar gibt es schon seit Generationen Weinbau in meiner Familie und meine Eltern lebten hauptberuflich davon, jedoch wurden wir Kinder so erzogen, dass wir uns frei für einen Beruf entscheiden konnten. Da ich mich schon früh für technische und naturwissenschaftliche Fragestellungen interessiert habe, habe ich mir bereits in der achten Klasse der Hauptschule das Ziel gesetzt einmal Physik zu studieren. 

Es hört sich merkwürdig an, ist aber tatsächlich so. Ich habe dann nach dem Abitur mein Studium begonnen und mit dem Diplom abgeschlossen. Mit achtzehn Jahren habe ich begonnen mich für Wein zu interessieren und parallel zum Studium auch mein Weinwissen ausgebaut. So habe ich zum Beispiel einmal während der Semesterferien im Labor der Weinbauschule im Bad Kreuznach gearbeitet und dabei viel über Wein gelernt. 

Heute bin ich hauptberuflich im IT- Sektor tätig, während sich meine Frau Susanne um Familie, Kunden und unsere fast drei Hektar Rebfläche kümmert. Eine klassische Aufgabentrennung gibt es jedoch bei uns nicht wirklich. Wir arbeiten gemeinsam, wobei ich hauptverantwortlich für die Aufgaben im Keller bin. 

Um Ihre Frage nach der Verantwortung für die Erzeugung des Weines zu beantworten, muss man wissen, dass Susanne mit großem Engagement und Arbeitseinsatz sehr viel für die Erzeugung reifer, gesunder Trauben arbeitet. Ich versuche nur im Keller diese Qualität zu erhalten, damit man dies im späteren Wein auch schmeckt. 

 Peter J. König
 Peter J. König: Welche Rebsorten werden kultiviert und in welchem Zusammenhang stehen diese mit dem vorhandenen Terroir? 

Dietmar Mittwich: Die Nahe hat aufgrund seiner bewegten Erdgeschichte eine Vielzahl verschiedener Böden. Auch wir haben Weinberge in verschiedenen Orten. In Roxheim, Wallhausen, Windesheim und natürlich in Gutenberg. Die dort angebauten Rebsorten müssen zum Boden und der Qualität der Lage passen. Der Begriff Terroir darf aus unserer Sicht aber nicht alleine auf den Boden reduziert werden. Wir verstehen darunter den Begriff Herkunft. Dies bedeutet, neben den Böden, auf denen die Reben Wachsen auch die Hand des Winzers, der für die Qualität des Lesegutes und den Ausbau im Keller verantwortlich ist. Wir definieren Terroir als die Gesamtheit der Einflüsse auf den Wein. Dies sind Boden, Wetter und der menschliche Einfluss bei der Erzeugung von Wein aus Trauben. 

 Helga König
Helga König: Gibt es eine bestimmte Philosophie, die das Weingut prägt, etwa bei der Bewirtschaftung der Weinberge oder der Kellerarbeit, deren Ausfluss auch den Weinen zugute kommt?

Dietmar Mittwich:  Wie bereits erwähnt sehen wir viele einzelne Punkte die auf den Wein Einfluss nehmen. Wir pflegen eine Reihe alter bis sehr alter Weinberge und möchten diese, trotz schwieriger Bewirtschaftungsbedingungen auch erhalten. So gehört uns unter anderem der älteste Rieslingweinberg in Gutenberg. Ein Weinberg, der bereist 1935 gepflanzt wurde. Im Weinberg setzen wir auf einen Anschnitt, der geringe Erträge aber hohe Qualität ermöglicht. Pflanzenschutzmaßnahmen werden so wenig wie möglich durchgeführt. Das beobachten von Wetter und natürlichen Einflüssen hilft hier um einen naturnahen Anbau zu gewährleisten. Die Lese wird ausschließlich von Hand durchgeführt. Wir sehen hier die einzige wirkliche Möglichkeit das Lesegut zu selektieren um das Beste aus einem Jahrgang herausholen zu können. Auch in schwierigen Jahrgängen, wie zum Beispiel bei der Blitzlese 2014 sind wir nicht von diesem Prinzip abgewichen. 

Auch wenn wir bei dieser Lese in manchen Weinbergen 2/3 der Trauben auf den Boden geworfen haben. Im Keller nehmen wir so wenig Einfluss wie möglich. Wenn das Lesegut selektiert und gesund in den Keller kommt ist dies auch nicht nötig. Allerdings freuen wir uns auch das ganze Jahr über auf die schönste Arbeit: Die regelmäßige Kontrolle der heranreifenden Weine. 

Mein Vater hat beim Rebschnitt immer gesagt, man müsse schon bei dieser Arbeit im Geiste schmecken, wie der spätere Wein einmal werden soll. Diesen Rat versuchen wir bei all unserer Arbeit zu beherzigen um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Es ist für uns wichtig immer zu überlegen, was man noch verbessern könnte. Dies heißt nicht jedem Modetrend und jeder möglichen Technik hinterher zu laufen. 

Viele Dinge die unsere Vorfahren gemacht haben, sind auch heute noch sinnvoll und sollten bewahrt bleiben. So ist zum Beispiel mein Vater vor über vierzig Jahren nicht dem Trend gefolgt Holzfässer durch Kunststofftanks zu ersetzten. Wir haben daher noch heute sehr alte Fässer die wir zum Ausbau der Weine benutzen. Unser ältestes Fass, das noch jedes Jahr benutzt wird, stammt aus dem Jahr 1905. 

Unsere Rotweine werden in Barriques ausgebaut, wobei der Anteil neuer Fässer je nach Qualität und Jahrgang bis zu 100 % betragen kann. Grundsätzlich belassen wir die Rotweine mindestens 18 Monate in diesen Fässern und lagern die Weine anschließend noch einige Zeit bis wir Sie anbieten. 

Peter J. König:Was sind die typischen Merkmale der Weine vom Weingut Mittwich? 

Dietmar Mittwich: Unsere Weine sind jung eher verschlossen. Sie benötigen je nach Jahrgang, Rebsorte und Qualität einige Reifezeit. Dafür hat man dann aber lange Freude und ein, wie wir finden, großes Weinerlebnis. Dies beruht auf der Tatsache, dass wir den Weinen im Fass bereits die Zeit lassen bis zur Flaschenreife heran zu reifen. Einen Primeur, das heißt einen Wein schon im Jahr der Ernte in der Flasche, wird es bei uns nicht geben.

Helga König: Gibt es Anzeichen einer Klimaveränderung in der Region, und wenn ja, wie wirkt sich diese auf das Traubengut aus, vielleicht sogar auf die angebauten Rebsorten, hin zu mehr mediterranen Traubensorten? 

Dietmar Mittwich:  Es gibt nicht nur Anzeichen für eine Klimaveränderung. Die Klimaveränderung ist Tatsache. Aus rein naturwissenschaftlicher Sicht, brauche ich mir nur die Reifedaten der letzten Jahrzehnte anzusehen um die Veränderung des Klimas zu beweisen. Bisher ist unser Anbaugebiet ein deutlicher Gewinner des Klimawandels. Allerdings haben wir auch mit neuen Herausforderungen zu kämpfen und müssen uns diesen stellen, um auch zukünftigen Generationen einen hochwertigen Weinbau zu ermöglichen. 

Im Hinblick auf die Auswahl der Rebsorten sehen wir die Konsequenz des Klimawandels nicht in erster Linie dadurch, dass man versuchen sollte mediterrane Traubensorten anzubauen. Wir sehen vielmehr die Herausforderung in der Bewertung der Lagen. Nicht jede, vor hundert Jahren, hoch gelobte Lage ist heute noch so zu bewerten. Nicht umsonst gibt es heute Weltklasse Betriebe in Randlagen von Weinbaugebieten, in denen man vor Jahrzehnten keinen hochwertigen Weinbau betreiben konnte. Wir werden weiterhin auf traditionelle Sorten setzen. Riesling spielt hierbei die führende Rolle. Aus unserer Sicht wird allerdings auch der Spätburgunder weiterhin an Bedeutung gewinnen. Es ist unsere Überzeugung, dass der deutsche Spätburgunder zukünftig in der Weltspitze ein bedeutendes Wort mitsprechen wird. 

Peter J. König: Zu den Weinen selbst: Nach welchen Kriterien werden diese ausgebaut?

Dietmar Mittwich:  Ich habe bereits viel über unsere Art des Wein An- und Ausbaus gesagt. Grundsätzlich möchten wir so wenig wie möglich direkten Einfluss nehmen. D. h. wir lassen den Weinen Zeit sich zu entwickeln. Gewaltsame Eingriffe chemischer oder physikalischer Natur (frühe Filtration) lehnen wir ab. Wir möchten unseren eigenen Wein mit Genuss und gutem Gewissen selbst trinken und Sie können sicher sein, dass wir dies auch tun. 

Helga König: Welche Möglichkeit besteht für unsere Leser, die Weine zu probieren und sie auch zu beziehen?

Susanne Mittwich:  Probieren kann man die Weine am besten direkt im Weingut, oder aber auch bei einer unserer Präsentationen. Am besten sollte man mit uns Kontakt aufnehmen, wir werden eine Möglichkeit finden. Kaufen kann man unsere Weine direkt ab Weingut, oder im Fachhandel. 

Peter J. König: Gibt es Veranstaltungen bei denen die Weine zu verkosten sind? 

Susanne Mittwich: Im Mai und Juni sind wir an verschiedenen Orten in Deutschland anzutreffen und präsentieren den aktuellen Jahrgang und gereifte Weine früherer Jahrgänge. Bei dieser Gelegenheit hat man dann die Möglichkeit sich in ungezwungener Atmosphäre mit den Weinen (25-30) zu beschäftigen. Wir stehen dann im Hintergrund für Fragen zur Verfügung. 


Peter J. König: Wie sind Sie, Herr Dietmar Mittwich überhaupt zum Weinbau gekommen? 

Dietmar Mittwich: Ich habe es bereits am Anfang unseres Gesprächs erwähnt. Es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Heute möchte ich den Weinbau und die Beschäftigung mit Wein insgesamt aber nicht missen. Ich kann mir ein Leben ohne Wein nicht vorstellen. 

Helga König: Welche Zukunftsperspektive sehen Sie für Ihr Weingut bezüglich der Größe der Rebfläche und weiterer Rebsorten?

Susanne Mittwich:  Solange wir den Weinbau im Nebenerwerb betreiben, werden wir uns im Wesentlichen auf die vorhandene Rebfläche beschränken müssen. Mehr ist arbeitstechnisch nicht sinnvoll zu leisten. Im Hinblick auf die Rebsorten werden wir sicher noch etwas umstrukturieren. Allerdings werden hierbei Riesling und Spätburgunder die entscheidenden Rollen spielen. Vielleicht wird ja eines unserer Kinder den Betrieb weiterführen. Es ist allerdings noch zu früh um dies heute schon abschließend beurteilen zu können. Die Zukunft wird es zeigen.

Liebe Susanne Mittwich und  lieber Dietmar Mittwich, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Interview.

Helga und Peter J. König


Wein­gut Mitt­wich 
Im Ban­gert 2
55595 Guten­berg
Tel.: 06706 -96 0613 
Fax.: 06706 - 960614
dietmar.mittwich@weingut-mittwich.de
http://www.weingut-mittwich.de

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