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Helga König im Gespräch mit #Prof_Dr_Michael_Bordt zu seinem Buch "Die Kunst sich selbst zu verstehen- Der Weg ins eigene Leben finden- Ein philosophisches Plädoyer" Elisabeth_Sandmann_Verlag

Lieber Herr Prof. Dr.  #Michael_Bordt, dieser Tage  habe ich auf "Buch, Kultur und  Lifestyle" ihr neues Buch "Die Kunst sich selbst zu verstehen-  Der Weg ins eigene Leben  finden- Ein philosophisches Plädoyer" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen nun einige Fragen stellen.


Helga König:  Weshalb haben die Menschen im Hier und Jetzt trotz der vielen psychologischen Ratgeber so große Schwierigkeiten,  sich selbst zu verstehen und wie unterscheiden sich überhaupt - im Hinblick auf ein gelungenes Leben-  philosophische von psychologischen Überlegungen? 

 Prof_Dr_Michael_Bordt
Foto: Privat 
Prof. Dr. Michael Bordt:  Einer der großen Erleichterungen unseres Lebens ist die Erfindung von GPS-Systemen wenn wir Auto fahren. Früher musste man umständlich Karten lesen, heute stellt man das Gerät ein und es führt uns zuverlässig, wohin wir fahren wollen. Aber etwas geht dabei auch verloren: Der Blick auf das Ganze. 

Wenn ich früher einen Straßenatlas benutzt habe, dann wusste ich auch, wo ich mich innerhalb von Bayern oder innerhalb von Deutschland befinde. Aber wir können uns auch mit unserem Display des GSP-Systems weit rauszoomen und es so einstellen, dass wir nicht auf Sicht fahren, sondern sehen, wo wir uns innerhalb von Deutschland oder sogar von Europa befinden – bis hin zur ganzen Welt, denken Sie an Google Earth. 

Die Philosophie betrachtet unsere Leben in diesem ganz weiten Horizont, die Psychologie und die Ratgeber die schauen sich Details unseres Lebens an. Die Frage, worüber wir nachdenken müssen, wenn wir uns selbst verstehen wollen, oder auch die Frage, wie man das eigentlich macht, das ist eine Frage in einem großen, weiten Horizont. Die nimmt das ganze Leben in den Blick. Klar: Wenn wir einmal diesen weiten, großen Blick haben, dann kann man von dieser Perspektive aus auch auf Details unseres Lebens schauen. Und aus der gesamten Perspektive her sehen wir dann, dass sich manche pychologischen Fragen ganz von selbst beantworten. Insofern setzen psychologische Überlegungen eigentlich philosophische voraus. 

 Helga König
Helga König: Was hat es mit dem Modell zu Beginn Ihres Buches auf sich?

Prof. Dr. Michael  Bordt:  Ich entwickele zu Beginn des Buches ein Modell des Menschen. Das klingt komplizierter als es ist, aber ich brauche ein Modell, damit wir eine Ausgangsbasis dafür haben, über uns nachdenken zu können. Das Modell ist zunächst sehr einfach: Wir führen unser Leben, wir füllen irgendwie die 24 Stunden, die wir jeden Tag zu füllen haben, aber wir sind auch auf unser Leben bezogen: Wir denken über unser Leben nach, wir bewerten, was in unserem Leben passiert, wir haben Ziele, Wünsche an unser Leben, und das, was uns widerfährt, ruft Gefühle ins uns wach. 

Wenn wir eine gute Freundin wiedersehen, dann freuen wir uns, wenn wir eine schlechte Nachricht vom Arzt bekommen, dann sind wir in Sorge. Das ist der erste Schritt des Modells. Der zweite ist eigentlich der wichtige: Wir können als Menschen noch einmal zu unseren Gedanken und Gefühlen Stellung nehmen. Wir können unsere Wünsche zurückstellen, wir können uns Gedanken darüber machen, ob ein Gefühl wie Eifersucht oder Neid eigentlich gerechtfertigt ist. Hier unterscheidet sich der Mensch von Tieren. Auch andere höherstufige Säugetiere können nachdenken und haben wohl auch Emotionen, aber sie können sich nicht zu sich selbst verhalten. Unser Dackel kann ja nicht denken: "Mensch, wie blöde von mir, dass ich mich dermaßen freue, dass mein Herrchen zurückgekommen ist, das ist ja eine alberne Reaktion von mir, denn eigentlich müsste ich ja langsam wissen, dass er, wenn er mich auch jeden Morgen verlässt, am Abend doch zurückkommt". 

Er kann sich zu seiner Angst oder seiner Freude nicht verhalten. Wenn wir über uns Menschen nachdenken wollen, dann müssen wir vor allem über diese zweite Stufe nachdenken, darüber, dass wir unsere Gedanken und Gefühle nicht einfach als gegeben hinnehmen müssen, sondern uns zu ihnen verhalten können. 

Helga König:  Sie schreiben, dass das Ideal unseres Lebens ein Teil unserer menschlichen Existenz sei. Was bedeutet dies für unseren eigenen Weg? 

Prof. Dr. Michael  Bordt: Jeder Mensch hat eine Vorstellung davon, wer er gerne wäre, wie er gerne leben würde, was das Ideal seines Lebens ist. Das Ideal unseres Leben bündelt also unsere Vorstellung davon, wer wir sein wollen, wie wir leben wollen. Nach ihm richten wir uns aus. Nun kann es natürlich sein, dass uns das Ideal, das innere Bild von uns selbst, ständig unter Druck setzt und eigentlich gar nicht zu uns passt. Dass das Ideal dazu führt, dass wir ständig mit uns unzufrieden sind, weil wir diesem Ideal nicht entsprechen. Deswegen müssen wir uns kritisch mit diesem Ideal auseinandersetzen – passt das Ideal eigentlich wirklich zu uns oder müssen wir nicht auch an unserem Ideal etwas ändern? 

Helga König: Wovon sind unsere Werte abhängig und inwieweit spielen sie für ein geglücktes Leben eine Rolle? 

Prof. Dr. Michael  Bordt:  Ein Wert ist das, was uns im Leben wichtig ist, worum ich mich sorge, was ich gern habe, was ich liebe, was ich erreichen möchte oder auch, was ich schon lebe und worüber ich mich freue. Ein Wert ist das, woran mein Herz hängt. Und natürlich bedeutet das, dass unsere Werte auch abhängig sind von der Kultur und der Gesellschaft, in der wir leben. Wir erfinden unsere Werte nicht einfach, sondern finden sie in uns vor. Wir bestimmen nicht am Reißbrett, was wir für uns wichtig finden, sondern finden eben ganz bestimmte Menschen, Projekte oder andere Dinge in unserem Leben wichtig. Nun gibt es aber eine ganz enge Verbindung zwischen den Werten, also dem, was uns wichtig ist, und dem geglückten Leben: Wir denken, wenn wir unsere Werte leben können, dann werden wir glücklich. Das stimmt auch. Der Haken bei der Sache ist nur, dass wir manchen Dingen einen viel zu hohen Wert beimessen und denken, wenn wir diese Dinge erreichen oder leben können, dass wir dann glücklich werden. 

Helga König: Können Sie den Lesern kurz erläutern, weshalb an der Spitze der Wertehierachie das gute, glückliche, sinnvolle und gelungene Leben stehen sollte und ist dieser Wert für jedermann erreichbar? 

Prof. Dr. Michael  Bordt:  Nunja, wenn wir uns überlegen, was wir im Leben eigentlich wollen in all den Dingen, die wir tun und die uns wichtig sind, dann wollen wir vor allem eines: Wir wollen glücklich oder zufrieden werden, oder wir wollen ein sinnvolles, erfülltes, gelungenes Leben führen. Ich kenne keinen, der sagt, dass er das nicht will. Nur ist auch klar, dass das gar nicht so leicht zu erreichen ist. Eine Garantie zum Glück gibt es nicht. Gerade deswegen lohnt es sich ja auch, sich Gedanken darüber zu machen, was man denn da eigentlich sucht, worin das Glück oder der Sinn besteht. Wir müssen das Ziel ja kennen, damit wir es nicht verfehlen und tatsächlich dann auch glücklich werden oder ein sinnvolles, erfülltes Leben führen. 

Helga König: Ist es nur reifen Menschen möglich, Emotionen mit Abstand zu betrachten, um sich auf diese Weise von ihnen nicht überfluten zu lassen? 

Prof. Dr. Michael  Bordt:  Es ist tatsächlich so, dass wir ein bestimmtes Alter erreicht haben müssen, um unsere Emotionen im Moment des Erlebens mit einem Abstand betrachten zu können, uns nicht mit ihnen zu identifizieren. Wir kennen das ja alle noch aus unserer Pubertät – da haben uns Gefühle so im Griff, dass wir ganz in diesen Gefühlswelten leben. Neurologen sagen, dass man ungefähr mit 20 Jahren diese Fähigkeiten entwickelt hat. Noch anspruchsvoller ist es, sich nicht mit seinen Gedanken zu identifizieren. Aber man kann das alles lernen - und mein Buch möchte ja auch dafür eine Hilfestellung sein. 

Helga König: Welche Rolle spielt Dankbarkeit für ein gelungenes Leben? 

Prof. Dr. Michael  Bordt:  Dankbarkeit ist eigentlich nur eine Art Begleitphänomen einer viel wichtigeren Sache, nämlich der Bejahung unseres Lebens. Ich zeige in meinem Buch, dass das, was wir in unserem Leben in allem wollen, nicht einfach nur das Glück oder die Zufriedenheit ist, sondern die Bejahung. Wir wollen unser Leben als Ganzes bejahen können, und die Dankbarkeit kommt dann, wenn es uns diese Bejahung gelingt. Bejahen kann ich auch Zeiten meines Lebens, in denen ich nicht glücklich und zufrieden gewesen bin. 

Helga König: Kann ein Mensch ohne tiefere Bindungen überhaupt zu einem sinnstiftenden Leben gelangen? 

Prof. Dr. Michael  Bordt: Das hängt natürlich ein wenig davon ab, was tiefere Bindungen sind. Aber denken Sie einmal an Menschen, deren Partnerin oder Partner gestorben ist und der vielleicht keine anderen, wirklich tiefen Bindungen hat. Sein Leben muss deswegen nicht sinnlos sein. Er kann in seinem Leben erfahren, dass das, was er tut, für andere wichtig ist, und das ist eine Erfahrung von Sinn. Sein Leben ist nicht umsonst, es hat Bedeutung für andere durch das, was er tut. Und Bedeutung für andere Menschen zu haben, das macht ein sinnvolles Leben aus. 

Helga König: Dass man sich nicht gerne mit dem Tod beschäftigt, kann ich nachvollziehen, aber ist es möglich, die Erfahrung von Krise und Leid tatsächlich aus dem eigenen Leben herauszuhalten, sie gedanklich auszugrenzen? 

Prof. Dr. Michael  Bordt: Ich glaube, das geht nicht. Wir haben sicherlich unterschiedliche Bedürfnisse, darüber mit anderen zu sprechen, und vielen Menschen fehlen wohl auch sprachliche Möglichkeiten, über Leid zu sprechen, aber verdrängen kann man das eigentlich nicht. 

Helga König: Kann man ein Leben als gelungen bezeichnen, wenn man sich dessen spiritueller Ebene verweigert? 

Prof. Dr. Michael  Bordt:  Es gibt Menschen, die haben kein Gespür für Spiritualität. So, wie es auch unmusikalische Menschen gibt. Natürlich können auch diese Menschen ein gelungenes Leben führen. Ich selbst könnte das nicht, und ich kenne viele Leute, die das auch nicht könnten. Für mich ist die spirituelle Dimension des Lebens wie die Luft zum Atmen. Ich schließe mein Buch ja mit Überlegungen zur Spiritualität, aber eher als ein persönlicher Denkanstoß, der vielleicht nicht von jedem nachvollzogen werden kann. 

Lieber  Herr Prof. Dr. Michael  Bordt, ich danke Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Interview.
Ihre Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Elisabeth Sandmann Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.elisabeth-sandmann.de/search?sSearch=+Michael+Bordt


Kontaktdaten:
Prof. Dr. Michael Bordt SJ 
Vorstand des Instituts
für Philosophie und Leadership 
Hochschule für Philosophie 
Kaulbachstr. 31a 80539 
München Tel. +49 89 2386 2181
FAX. +49 89 2386 2301 
www.hfph.de/leadership

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