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Helga König im Gespräch mit Dr. #Gabi_Pörner über ihr Buch "Der Weg zur #Gelassenheit"- #Allegria

Liebe #Gabi_Pörner,  heute habe ich  Ihr Buch "Der Weg zur Gelassenheit"  rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen einige Fragen stellen.

Hier der Link zur Rezension:  "Der Weg zur Gelassenheit".

Helga König: Chronischer Stress ist ein Auslöser vieler Krankheiten. Weshalb wurde dieses Thema in vergangenen Jahrzehnten nicht intensiver von Allgemeinmedizinern thematisiert, wo doch der Urvater der Stressforschung Dr. Hans Selye bereits in den 1930er Jahren davon sprach?

 Dr.Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner: Wir leben in einer äußerst komplexen, widersprüchlichen und unübersichtlichen Welt mit rasantem technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel, der zunehmend auf Hochgeschwindigkeit und Hochleistung ausgerichtet ist. Da ist es zunächst doch kein Wunder, dass viele Menschen chronisch im Stress sind. Alles, was nicht unmittelbar verwertbar ist, verschwindet aus dem Blickfeld. Mein Eindruck ist, dass in den letzten Jahren zunehmend Artikel über den Zusammenhang von Stress, Krankheit und Gesundheit geschrieben werden, und Unternehmen bieten zunehmend Seminare zum Thema "Stress und innere Stärke" als Burnout-Prophylaxe an. 

 Helga König
Helga König: Könnte die Gesundheit der Bevölkerung unseres Landes maßgeblich verbessert werden, wenn man das Augenmerk auf Verminderung von lang andauerndem Distresses legen würde? 

Dr. Gabi Pörner: Gesundheit beginnt beim einzelnen Menschen. Wenn er dem eigenen Stress und Druck auf die Spur kommen will, ist es wichtig, bewusst innezuhalten und das eigene Denken, Fühlen, Spüren und Handeln genauer zu erkunden. Durch aufmerksames Wahrnehmen ist es möglich, erst einmal genau zu erkennen, in welchen Situationen man in Stress gerät und welche – bislang unbewussten Gedanken dabei eine Hauptrolle spielen. In aller Regel erzeuge ich Stress und Druck durch meine eigenen, unbewussten inneren Normen, wobei die äußeren Situationen als permanente Einladungen und Aufforderungen dienen. 

Helga König: Weshalb ist es so wichtig, dass man sich nicht fremdbestimmen lässt und ist dies in jedem Fall tatsächlich auch möglich?

Dr. Gabi Pörner: Wer sich fremdbestimmen lässt, der fühlt sich als Opfer, ist oft unzufrieden, ärgerlich oder fühlt sich benachteiligt und gibt meist anderen die Schuld dafür, dass es ihm so schlecht geht. Er hat dadurch keine Wahl seines Denkens und Verhaltens, bleibt in unbewussten Automatismen stecken und erwartet, dass andere oder die äußeren Rahmenbedingungen sich für ihn verändern. 

Er kann daher nicht erkennen, dass er seine Selbstverantwortung und Wahlfreiheit seines Denkens und Verhaltens abgegeben hat. Je bewusster ich bin, desto mehr erkenne ich meine Wahlmöglichkeiten und kann diese nutzen. 

Ich habe doch immer 3 Wahlmöglichkeiten – wenn ich was ändern kann, dann ändere ich es. Wenn ich was ändern könnte, mir aber der Preis dafür zu hoch ist, dann lass ich es. Und manche Situationen, wie z.B. eine schwere Krankheit, wollen auf einer tiefen Ebene angenommen werden. Das ist ein Prozess, der länger dauert. 

Helga König: Was sollte man verstehen, erlernen und akzeptieren, wenn man gelassener werden möchte? 

Dr. Gabi Pörner: Wichtig ist zu wissen, wofür man gelassener werden will, z.B. um sich selbst wohl zu fühlen, bei sich zu bleiben, inneren Abstand zu gewinnen und sich nicht vor jeden Karren spannen zu lassen, präsent zu sein, den Überblick zu behalten und souverän zu handeln, wenn’s "heiß" wird. Es geht darum zu verstehen, dass wir durch unsere Sozialisation gelernt haben, bestimmte Gefühle wegzudrücken, wie z.B. Angst, Wut, Traurigkeit, Neid, Ohnmacht oder Schmerz, aber auch Gedanken wie z.B. Meinungen, Vorurteile, Uneindeutigkeiten, Widersprüche. Jetzt – im Erwachsenenleben – können wir dies nach und nach wieder zulassen, können Selbstmitgefühl entwickeln und spüren, wie alte Spannungen schmelzen. 

Wir können uns sein-lassen und uns mehr und mehr so akzeptieren, wie wir sind und uns bewusst auf das Leben einlassen in dem Wissen, dass wir selbst für unser Denken und Handeln verantwortlich sind. Dadurch vertiefen sich unser Selbstvertrauen, unser Selbstwertgefühl und unser Selbstbewusstsein. Wir können uns gleich von dem Ideal ewiger Gelassenheit verabschieden und liebevoller, aber auch humorvoller mit uns und anderen Menschen umgehen - kurzfristiger Stress ist normal, er ist das Salz in der Suppe und macht uns etwas wacher, aufmerksamer und handlungsbereit. 

Helga König: Warum ist Achtsamkeit im Hinblick auf eine gelassenere Grundhaltung so wichtig?

Dr. Gabi Pörner: Achtsamkeit ist ein wichtiges Tool zur Selbsterforschung und Selbsterkenntnis, ein Weg zu Selbstakzeptanz und innerer Freiheit. Durch Achtsamkeit verlangsamen wir unser oft reiz-reaktions-getriebenes Denken und Handeln, können unsere Gefühle oder unsere körperlichen Signale spüren, können mehr auf uns selbst achten, unsere Grenzen erkennen und besser für uns sorgen. Wir haben die Chance, unsere Bewertungen, Einstellungen, Glaubenssätze, durch die wir in Stress geraten, zu erkennen und konstruktive Alternativen zu entwickeln, so dass wir gelassener handeln können. 

Wir können uns dadurch zunehmend besser führen und mehr Verständnis für andere Menschen entwickeln. Achtsamkeitsübungen bringen uns ins Hier und Jetzt, wir sind präsent, spüren uns, fühlen uns verbunden und innerlich kraftvoll.

Helga König:  Sie schreiben von verschiedenen Stressreaktionen. Worum geht es da?

Dr. Gabi Pörner:  In aller Kürze und unvollständig: Wenn bei jemandem der Kampfreflex dominiert, geht es um das "Downcoolen",  bei sich zu bleiben und inneren Abstand zu gewinnen Wenn der Fluchtreflex dominiert, geht es darum, das was gegenwärtig ist, wahrzunehmen und "auszuhalten" Wenn der Totstellrefelx dominant ist, ist es wichtig, langsam und sicher wieder Zugang zu Gefühlen zu bekommen und sich wieder mit dem Körper zu verbinden. In jedem Fall ist es wichtig, inneren Ressourcen zu aktivieren, Mikrostress aus dem Körper zu lösen und die Verbindung zum Neocortex zu stärken.

Helga König:  Stressende und dabei tiefsitzende Glaubenssätze zu verändern, scheint mir nicht immer einfach zu sein. Mir hat Ihre Auflistung und auch die Darstellung von Vorteilen, Nachteilen, Folgen und Lernchancen gefallen. Welche Erfahrungen haben Sie damit bei Ihrer Klientel sammeln können? 

Dr. Gabi Pörner:  Erst mal gilt es, die eigenen Glaubenssätze, die wir über uns, andere, die Gesellschaft haben, zu erkennen und zu verstehen. Glaubenssätze sind bislang unbewusste Überzeugungen, Grundannahmen, quasi Gesetze, die wir meist sehr früh gelernt haben und haben entscheidenden Anteil daran, wie gestresst oder zufrieden wir mit unserem Leben sind. Häufig vorkommende Glaubenssätze sind z.B.: "Ich muss schnell sein, ich muss leistungsstark sein, ich muss perfekt sein, ich muss hilfsbereit sein." Alles tolle Qualitäten, doch wenn ich etwas MUSS, dann habe ich ja keine Wahl meines Verhaltens, dann handle ich immer so und gerate in Stress! 

Sie sind oft mit unrealistisch hohen Ansprüchen, Erwartungen, Idealvorstellungen verbunden und halten mich in meiner gewohnten Komfortzone. Je stärker ein Glaubenssatz ausgeprägt ist, desto mehr bringt er mich in Stress. Ich arbeite über 20 Jahren im Trainings- und Coachingbereich mit Fürhungskräften und Hochleistungssportlern – mir macht es total Spaß, mit meinen Kunden zusammen deren Glaubenssätze und mentale Stolpersteine zu identifizieren, körperliche Spannungen, die damit verbunden sind, fein dosiert zu lösen und erweiterende Möglichkeiten zu entwickeln und zu integrieren. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sich – oft jahrelang gebundener - Mikrostress löst, wenn dem Körper Zeit gegeben wird. So kann sich derjenige wertschätzend von Vergangenem lösen, gewinnt wieder mehr an Energie, Selbstmotivation, Tatkraft und Lebensfreude.

Helga König: Sie empfehlen u.a. aus inneren Kraftquellen zu schöpfen und nennen hier auch die Kraft der Worte. Wird diese Kraft in allen Bildungsschichten verstanden? 

Dr. Gabi Pörner: Die Frage ist, wer sich für dieses Buch interessiert. Letztlich ist es eine Frage, wie bewusst ich mit den Dingen umgehe. Ich halte es für sehr wichtig, sich mit den inneren Kraftquellen verbinden zu können und diese gezielt zu aktivieren. Sie sind – genau wie Selbstmitgefühl – ein essentielles Gegenmittel zu Stress und erinnern uns daran, was wir an wertvollen Schätzen in uns tragen. Und ja – Worte sind oft mit Emotionen aufgeladen – im Negativen wie im Positiven. Denken Sie nur z.B. an Streit, Ärger, Wut oder Ohnmacht. Was passiert da, wenn Sie achtsam hinspüren, in Ihrem Körper`? Oder erinnern Sie sich an ein schönes Erlebnis im Urlaub, an eine Landschaft, in der Ihnen das Herz aufgeht oder an das Lächeln eines geliebten Menschen. Was passiert da in Ihnen? 

Helga König: Wie könnten allgemeine Gelassenheitsschulungen ausschauen? 

Dr. Gabi Pörner: In den Seminaren für Unternehmen,die wir seit vielen Jahren durchführen, setzen meine Kollegin Carola Frank und ich auf mehreren Ebenen an - Auf der physiologischen Ebene: Wir machen mehrmals täglich kurze Einheiten zur Körperwahrnehmung, führen unterschiedliche Achtsamkeitsübungen zur Schulung der Sinneswahrnehmung durch, machen aktive Meditationen und eine Entspannungsübung am Abend. 

Auf der mentalen Ebene: Wir wecken Verständnis für Stresssituationen und die die physiologischen, mentalen, emotionalen und handlungsbezogenen Stressreaktionen und arbeiten da mit ganz konkreten Stresssituationen aus dem Alltag. Die TrainingsteilnehmerInnen eruieren ihre Glaubenssätze, lockern sie durch verschiedenste Methoden, die z.T. auch sehr lustig sind. Dann entwickeln sie erweiternde Alternativen, die ihnen mehr an Flexibilität eröffnen. Auf der Seinsebene machen wir Übungen zum Hier und Jetzt - zur Stärkung der Gegenwärtigkeit, der Präsenz und der inneren Kraft. 

Helga König: Welche Resonanz haben Sie aufgrund der Fragen und Übungen im Buch erhalten? 

Dr. Gabi Pörner: Obwohl die Interviews, die ich mit Menschen aus Sport, Wirtschaft und dem ganz normalen Alltag zum Thema "Umgang mit Stress und Druck" auf meiner homepage stehen, habe ich mehrfach gehört, dass diejenigen, die sie gelesen haben, mehr Verständnis für sich selbst bekommen haben. Das Buch kommt recht gut an – ein Unternehmer hat es gleich, nachdem er es gelesen hatte, für seine Führungkräfte gekauft, und eine Personalleiterin hat mich angerufen und Seminare für Ihr Unternehmen gebucht. 

Sie meinte: "Das Buch vereint viele unterschiedliche Aspekte, ist ermutigend und ist leicht zu lesen." Das hat mich natürlich sehr gefreut.

Liebe Gabi Pörner,  ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Interview. 

Ihre  Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Ullstein-Verlag und können dort das Buch bestellen:http://www.ullsteinbuchverlage.de/nc/buch/details/der-weg-zur-gelassenheit-9783793422921.html?cHash=ddc7bc5f91a81abe12eea30e9e5e9a2f

Hier die Website von Frau Pörner:http://www.tim-training.de/profil_poerner.html

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