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Helga König im Gespräch mit Prof. Dr. med. Bernd Krönig - Forum Wein& Gesundheit e.V.

Lieber Prof. Dr. med. Bernd Krönig, dieser Tage habe ich das Buch "Gesund genießen mit Wein" rezensiert, das vom Forum Wein & Gesundheit herausgegeben worden ist. 


Da Sie u.a. wissenschaftlicher Beirat der Deutschen Weinakademie und seit 2005 Vorsitzender des Forum Wein & Gesundheit sind und zudem Beiträge im Buch "Gesund genießen mit Wein" verfasst haben, möchte ich heute einige Fragen an Sie richten. 

Helga König: Das "Forum Wein und Gesundheit" feiert in diesem Jahr sein 20 jähriges Bestehen. Was war Anlass diesen Verein zu gründen, wer waren die Gründungsmitglieder und worin sehen die Mitglieder seitdem Ihre Hauptaufgaben?

  Prof. Dr.  med.  Bernd Krönig
Prof. Dr. med Bernd Krönig: Das Forum Wein & Gesundheit wurde 1995 als gemeinnütziger Verein gegründet. Ziel des Vereins ist die Förderung wissenschaftlicher Forschung über die Auswirkung eines moderaten Weinkonsums auf den menschlichen Organismus sowie die Information des Verbrauchers über neuste Erkenntnisse der internationalen wissenschaftlichen Forschung. 

Um diese Ziele zu erreichen, unterstützt das Forum Wein & Gesundheit wissenschaftliche Forschungsprojekte mit Spendenmitteln und leistet Öffentlichkeitsarbeit als Verbraucherinformation. Das Forum Wein & Gesundheit setzt sich ein für den Erhalt einer Genusskultur mit Wein und will gleichzeitig einen Beitrag leisten zu einem verantwortlichen Umgang mit alkoholhaltigen Getränken und somit zur Suchtprävention. 

Gründungsmitglieder waren: 
Dr. Hans Ambrosi 
Weinfachmann und Autor 

Prof. Dr. Gustav Belz 
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und klinische Pharmakologie 

Rainer Brüderle 
Staatsminister in Rheinland Pfalz, FDP-Präsidiumsmitglied

Prof. Dr. Monika Christmann 
Leiterin des Instituts für Kellerwirtschaft an der Forschungsanstalt für Wein in Geisenheim  

Peter E. Eckes 
Aufsichtsrat der Eckes AG Nieder-Olm, Weinfachmann 

Gerhard Gartner 
deutscher Spitzenkoch, 

Weingut Reichsgraf von Kesselstatt, Trier 

Prof. Dr. Klaus Jung 
Hochschullehrer Uni Mainz, Arzt für Innere Medizin, Sportmedizin und Naturheilverfahren 

Klaus Lambert
Präsident des Genossenschaftsverbandes Hessen/Rheinland - Pfalz/Thüringen 

Dr. Heinz von Opel 
Geschäftsführender Gesellschafter der Vereinigten Kapselfabriken Nackenheim

Michael Prinz Salm zu Salm-Salm
Präsident des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter, Weingutsbesitzer 

Dr. Dieter Thomae MdB, FDP 
Vorsitzender Bundestagsausschuss für Gesundheit 

Dr. Renate Willkomm 
Ärztin und Weingutsbesitzerin 

Heinz-Gert Woschek 
Verleger und Herausgeber der Zeitschrift “Alles über Wein”

Helga König: Wie finanziert sich der Verein? 

Prof. Dr. med Bernd Krönig: Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden, sowie durch den Verkauf unserer Faltblätter und unseres Buches  "Gesund genießen mit Wein" 

Helga König: Welche Arbeiten werden durch den nach Dr. Heinz von Opel benannten Preis alle zwei Jahre ausgezeichnet?

Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Prämiert werden Leistungen im Zusammenhang mit Kultur, Genuss und Gesundheit, z.B. experimentelle, klinische und oenologische Arbeiten, repräsentative Veröffentlichungen zur Weinkultur aber auch Konzepte aus den Bereichen Tourismus oder Wellness, sofern sie mit Wein zu tun und insgesamt zu nachvollziehbaren Ergebnissen geführt haben. Bei den Arbeiten sollen die Auswirkungen des moderaten Weinkonsums auf den menschlichen Organismus im speziellen, aber auch der Weingenuss in seiner gesamt-gesellschaftlichen Relevanz im Mittelpunkt stehen. Entsprechend können auch publizistische Arbeiten ausgezeichnet werden. 

Helga König: Prof. Dr. Klaus Jung hat in einem Flyer aufgelistet wie der menschliche Körper auf moderaten Weinkonsum reagiert. Dort liest man auch, dass besagter Weinkonsum körperlich und geistig aktiv hält und das Leben verlängert. Weshalb wird, wenn man dies statistisch nachweisen kann, selbst der moderate Genuss von Wein nach wie vor mit Skepsis beäugt? 

Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Die zitierte Antwort von Prof. Jung ist so in Ordnung. Die vermeintliche Skepsis gegen einen regelmäßigen moderaten Weingenuss ist angesichts der positiven gesundheitlichen Wirkungen kaum zu begründen – freilich muss immer wieder auf das "moderat" Bezug genommen werden und jeder muss sich über seine individuellen Risikofaktoren bewusst sein, die einen Alkoholkonsum ggf. einschränken.

Helga König: Neben dem Buch "Gesund genießen mit Wein" mit vielen erhellenden Aufsätzen gibt das "Forum Wein & Gesundheit e.V." eine Vielzahl von informativen Faltblättern heraus. Welche Botschaften enthalten dieser Flyer?

 Prof. Dr.  med.  Bernd Krönig
Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Unsere Flyer wollen dem Weingenießer nicht nur althergebrachtes Wissen der Erfahrungsheilkunde vermitteln, dass moderater Weingenuss Wohlbefinden und Gesundheit fördern kann. Vielmehr sollen auch aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt und erläutert werden. Die Flyer wenden sich an den weinaffinen Endverbraucher, den Gast in der Gastronomie, auf dem Weingut, im Fachhandel oder im Supermarkt. 

Helga König: Findet man diese Faltblätter in den Verkostungsräumen von Weingütern oder gar in Praxisräumen von aufgeschlosenen Medizinern oder wie gelangen sie an die angedachte Leserschaft? 

Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Unsere Faltblätter stellen wir unseren Mitgliedern vor, präsentieren sie auf Fachmessen. Sie können bei Interesse in unserer Geschäftsstelle käuflich erworben werden. 

Helga König: Wenn, wie man dem Flyer "Fit ins Alter mit gesunder Ernährung ergänzt durch Wein und Sekt" entnehmen kann, moderater Weingenuss eine höhere Knochendichte bedingt, wäre allein dies nicht Grund genug, Wein auf Rezept zu verordnen? 

Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Die moderne Medizin hat viele wirksame Medikamente entwickelt, die bei Krankheiten gezielt eingesetzt werden. Wein ist keine Medizin, aber verantwortlich genossen kann Weinkonsum zu einem gesunden Lebensstil beitragen, wie eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, eine regelmäßige Kontrolle der Risikofaktoren durch den behandelnden Arzt und die Beherrschung von Stress. Allein der Weingenuss macht und erhält nicht gesund. Von einem – sicher nicht ganz ernsthaften – "Rezept für Weinkonsum" aus gesundheitlicher Sicht sollten wir lieber Abstand halten; allerdings werden dem moderaten Genuss – bei gesunder Konstitution 200 ml für Frauen und 300 ml Wein für Männer – positive Aspekte zugesprochen.

 Helga König: Schon Hildegard von Bingen wusste um die Heilkraft des Weines. Ist ihr "Petersilienhonigwein" noch heute ein Geheimtipp und falls ja, weshalb? 

Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Für viele Arten von Beschwerden empfiehlt Hildegard den "Petersilienhonigwein" auch "Herzwein" genannt. Er soll bei allen Herz- und Kreislaufstörungen, Wetterfühligkeit, Bluthochdruck und zu niedrigem Blutdruck, bei Ödemen leichterer Art, Nierenschwäche, Schlaflosigkeit und nervösen Störungen helfen: wir kennen Mitglieder des Vereins, die ihn gerne und erfolgreich anwenden. Den Arztbesuch sollte man aber durch Eigenmedikation nicht lange herauszögern. 

Helga König: Sie haben einen umfangreichen Beitrag mit dem Titel "Wein und Herz" in "Gesund genießen mit Wein" verfasst. Was möchten Sie- in wenigen Worten hier formuliert- dort den Lesern verdeutlichen? 

Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Die wesentlichen gesundheitlich positiven Wirkungen sind in meinem diesbezüglichen Buchkapitel festgehalten – dem Leser soll freilich vermittelt werden, dass bei gesunden Menschen eigentlich nichts gegen einen regelmäßigen moderaten Weingenuss spricht und dass Herz und Blutgefäße eine gewisse schützende Wirkung erfahren. 

Helga König: Weshalb sind die kognitiven Leistungen unter moderaten Weingenießern im Alter in der Regel besser als unter Nichtweintrinkern und wieso gibt es unter mod. Weintrinkern weniger Demenz-Erkrankungen? 

Prof. Dr.  med.  Bernd Krönig 
Prof. Dr. med. Bernd Krönig: Bezüglich unseres Gehirns führt der moderate Weingenuss zu einer Zunahme der Hirndurchblutung und bewirkt eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung und des gesamten Hirnstoffwechsels. Das Wohlfühlhormon Serotonin wird im Gehirn vermehrt, dadurch kann geistige Frische und Leistungskapazität gesteigert und Depressionen vorgebeugt werden. Dies ist eine Erklärungsmöglichkeit,  warum Weintrinker offenbar seltener bzw. später einen altersbedingten Abbau des Gehirns erleiden und sich das Risiko an anderen Formen der Demenz zu erkranken, im günstigen Fall verringert. 

Viele positive Auswirkungen eines moderaten Weingenusses sind durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt, aber es bleibt noch viel Arbeit, die genauen Zusammenhänge zu entschlüsseln. 

Lieber Prof. Dr. med. Bernd Krönig, ich danke Ihnen für dieses überaus aufschlussreiche Interview.

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