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Helga König im Gespräch mit #Dr. Wolfgang Hess, Leiter des #ZEN_Klosters in #Schloss_Eickhof, #Liebenau

Lieber Dr. Wolfgang Hess, Sie leiten das ZEN-Kloster in Schloss Eickhof, Liebenau, von daher möchte ich Ihnen einige Fragen zum Kloster und Ihrem Wirken dort stellen.

Helga König: Damit die Leser eine Vorstellung davon erhalten, was man unter dem Begriff ZEN zu verstehen hat, bitte ich Sie diesen kurz zu erläutern.

 Dr. Wolfgang Hess
Leiter des ZEN-Klosters
in Schloss Eickhof, Liebenau 
Dr. Wolfgang Hess: #ZEN übte einen bedeutenden Einfluß aus auf die Kultur Japans, seine Kunst und seine Lebenshaltung. Der #ZEN-Buddhismus in Japan wurzelt wie der Buddhismus in Indien auf den Lehren Buddhas. Jedoch wird er in gänzlich verschiedener Form praktiziert. In Kurzform geschildert, soll Buddhas Lehre  den Menschen vom Leid befreien und in das Nirwana führen, indem der Mensch nach strengen vorgeschriebenen Regeln lebt, die in den Grundlagen den zehn Geboten des Christentums ähneln, damit er als besserer Mensch in den zukünftigen Leben nach seinen Wiedergeburten ein immer besseres Lebewesen wird, bis er am Ende die Erleuchtung erlangt und den endlosen Kreislauf des schmerzlichen Samsaras (des weltlichen Lebens) verlassen und ins Nirwana (das ewige Dasein ohne Leid) eingehen kann.

Die Erleuchtung oder das Erkennen des innersten Seins erlangte Buddha nicht nach langjährigen asketischen Übungen, wie sie damals wie heute noch in Indien geübt werden, sondern nach acht Tagen in tiefster inniger Meditation. Diese Tatsache nutzt ZEN, und konzentriert sich in seiner Praxis auf Versenkung in tiefste gedankliche Leere. ZEN kürzt mit seiner Meditationstechnik, dem #ZAZEN, was ZEN im Sitzen bedeutet, den langwierigen Weg zur Erleuchtung ab, durch die Möglichkeit des Erlangens der direkten "spontanen" Erleuchtung in diesem Leben.

ZEN-Kloster in Schloss Eickhof,  Liebenau
Wer einmal versucht hat, diese tiefe gedankliche Leere durch Meditation zu erreichen, weiß wie schwer das ist. Deshalb werden dabei Hilfen angeboten, die diesen Werdegang erleichtern oder unterstützen. Jedenfalls Erkenntnis, also eigentlich eine geistige Leistung, ist der Schlüssel zur Erleuchtung. Und so widersprüchlich und paradox ZEN eben ist, eine solche Erkenntnis kann man nur erlangen, wenn man sich völlig loslöst von Gedanken.

Für uns Europäer scheint es wohl unmöglich, eine Erleuchtung über diesen Weg zu erlangen, jedoch erreicht man, auch wenn nicht gerade die Erleuchtung, durch die Übungen des ZEN, Meditation und andere Konzentrationsübungen, die eigene Konzentrationsfähigkeit erheblich zu steigern.

In Japan ist es eine Voraussetzung für Menschen, die nach höheren Positionen im Betriebsmanagement von Großunternehmen streben, mindestens ein Jahr in einem Zenkloster verbringen müssen. Ein bedeutender Nebeneffekt ergibt sich durch die Übungen des ZEN, daß Toleranz gefördert und Dualismus verringert wird.

Helga König: Seit wann befassen Sie sich mit ZEN und auf welche Weise hat dies Ihr Leben verändert?

Dr. Wolfgang Hess: Durch mein Interesse an der japanischen Gartenkunst, bin ich 1996 in Japan auf die Gärten in Zenklöstern gestoßen. In Zenklöstern fand ich die eindrucksvollsten Gartenanlagen und deshalb wurde mir bald klar, daß eindrucksvolle Gartengestaltung mit ZEN zusammenhängt. So verbrachte ich von 1996 bis 1999 viele Monate in Kyoto in der #ZEN-Schule (Zenjuku) des Myoshin-ji, dem Hauptkloster der Rinsai-Linie, der größten Gruppe des Zen-Buddhismus. Dort lernte ich alles über ZEN und sehr viel über japanische Gartengestaltung. Während dieser Zeit gab ich alle meine beruflichen und geschäftlichen Aktivitäten auf und widmete mich nur noch der Gestaltung japanischer Gärten.

Ab 2001 ist daraus mein neuer Beruf, aus Berufung, geworden und ich gestalte seither diese Gärten weltweit für private Interessenten dieser Gartenkunst oder auch für Unternehmen gegen Honorar. Momentan bin ich gerade dabei, drei Bücher über die Geheimnisse der japanischen Gartenkunst, über Zengärten und über Zen-Buddhismus zu schreiben.

Helga König: Was darf man sich unter einem ZEN-Kloster konkret vorstellen, gibt es Überschneidungen im Klosterleben beispielsweise zu Benediktinerklöstern?

 Dr. Wolfgang Hess
Dr. Wolfgang Hess:  Ein Zenkloster ist ein Ort der weltlichen Abgeschiedenheit, an dem man sich den Übungen des Zen (Meditation und meditative Tätigkeit im Garten) in Ruhe und Stille widmen kann. Ähnlich wie in christlichen Klöstern teilt sich der Tagesablauf in Phasen ein. Wie beim Prinzip der christlichen Einteilung "ora et labora" wechseln im Zenkloster auch die Tages-Perioden ab, nur nennt man das hier Meditation (ZAZEN) und Gartenarbeit (SAMU)

In unserem Zenkloster streben wir nicht nach Erleuchtung, sondern nach geistiger und körperlicher Stärkung, um uns und unsere Mitübenden für das alltägliche Leben draußen mit neuem Selbstbewußtsein und innerer Kraft aufzubauen. Wir haben von Geburt an unseren Geist in Richtung #Dualismus ausgebildet und geprägt. Dualismus bedeute: ich hier, alles andere dort. Religionen, wie Christentum oder Islam, unterstützen diese Geisteshaltung.

Da gibt es irgendwo da oben einen Gott und wir kleinen Erdenmenschen versuchen, diesem Gott nahezukommen. Wir suchen nach diesem Gott, können ihn aber mit dualistischer Denkweise nicht finden. Der Geist muß umgeschult und in Bahnen gelenkt werden, daß er da, wo es etwas zu erkennen gibt, dieses auch erkennen kann. Man lernt sich durch Meditation zu versenken, seinen Geist zu leeren und dabei wachsam zu werden. Wird man wachsamer, erkennt man mehr. Erkennt man mehr, versteht man besser. Wenn man besser versteht, kommt man den Dingen und Wesen, so auch der Natur näher.
Kommt man den Dingen und der Natur näher, verliert man seine dualistische Geisteshaltung, also hier ich, dort der Garten. Man verschmilzt geistig mit dem Garten. Man wird zum Garten und wird eins mit der Natur. Danach betrachtet man die Natur nicht mehr, sondern spürt ihr Wesen.

Helga König:  Können Sie den Lesern kurz erläutern, was sich in dem Klostergebäude in Liebenau ursprünglich befand und wo sich der Ort Liebenau genau befindet?

ZEN-Garten
Angelegt von  Dr. Wolfgang Hess
Dr. Wolfgang Hess: Das Zenkloster Liebenau ist in das Schlossgebäude von Schloss Eickhof in Liebenau integriert. Liebenau liegt genau zwischen Hannover und Bremen in der Nähe von Nienburg an der Weser. Erbaut wurde das Schloss 1880 durch Freiherr von Kalm, dem Forst- und Jagt- Verwalter des Herzog von Braunschweig. Freiherr von Kalm kehrte damals von einem 10 Jährigen Aufenthalt im Süden Englands, aus Cornwall, zurück. Was er aus Cornwall mitbrachte, war der Baustil des Tudor, in dem er Schloss Eickhof auf seinen verbliebenen Grundmauern wieder erbaute und die Leidenschaft der Garten- und Parkgestaltung, die er in Cornwall für sich entdeckt und lieben gelernt hatte. So entstand schon 1880 ein wunderschönes Schlossgebäude im Stil eines Tudor Manors und der das Gebäude umrundende Park, der bald wegen seiner besonderen Gestaltung und dem Einsatz seltener Bäume weit über die Grenzen der Region bekannt wurde.

Nach verschiedenen Besitzern und Nutzungen während Kriegszeiten und danach haben Marianne und Dr. Wolfgang Hess, diesen Ort 1986 entdeckt. Nach zahlreichen Eskapaden durch die Welten verschiedenster Gesellschafts- und Geschäftsformen haben die beiden sich spontan dazu entschlossen, hier in heilsamer Abgeschiedenheit Ruhe und Heimat zu finden.


Helga König: Welche Bedeutung haben ZEN-Gärten und worin unterscheiden diese sich von mitteleuropäischen Gartenanlagen?

Dr. Wolfgang Hess: Was man in vielen Büchern oft lesen kann "japanische Gärten oder auch Zengärten genannt" ist falsch. Japanische Gärten sind keine Zengärten? Absolut nicht! Japanische Gärten werden von Gartenmeistern gestaltet und stellen immer ein direktes Abbild der Natur dar. #Zengärten werden von #Zenmeistern als dreidimensionales Bild geschaffen, das nicht mehr die Natur selbst darstellt, sondern das Wesen der Natur hervorhebt. Ganz sicher hat ZEN auch die Gestaltung japanischer Gärten beeinflußt, aber dennoch sind japanische Gärten keine Zengärten. Die Gestaltung eines solchen Garten-Bildes soll einem Zen-übenden Mönch dazu verhelfen, durch die Betrachtung in tiefer gedanklicher Leere seine dualistische Denkweise zu verlieren.

Helga König: Sie vermitteln im Kloster im Rahmen von Seminaren u.a. das Wissen über ZEN- Gärten. Wie darf man sich dies vorstellen?

 ZEN-Garten
Angelegt  von Dr. Wolfgang Hess
Dr. Wolfgang Hess: Wir bieten zwei Arten von Seminaren an Von März bis September veranstalten wir immer am letzten Wochenende des jeweiligen Monats von Freitag bis Sonntag ein Schnupperseminar das japanische Wochenende Sie erhalten eine Einführung in ZEN-Buddhismus, üben täglich ZAZEN mit den ZEN-Schülern im ZEN-Kloster von Liebenau, lernen viel über japanische Gartengestaltung und Gestaltung und Pflege von Bonsai, und lernen asiatisch bzw. japanisch Kochen. verbunden mit einer Einführung in ZEN-Buddhismus, während unserer Seminare, zeigen wir Ihnen, was ZEN überhaupt ist. Verlieren Sie die Scheu vor dem "Unbekannten" und lernen Sie, wie ZEN Ihnen in Ihrem "normalen" Alltag sehr von Nutzen sein kann.

 ZEN- Koiteich
Angelegt von Dr. Wolfgang Hess
Seminare über japanische Gartengestaltung

Während mehrerer Aufenthalte im Zenkloster Myoshin-ji in Kyoto, in den Jahren 1996 bis 1999, bildete sich Dr. Wolfgang Hess in der Kunst der japanischen Gartengestaltung aus. Sein umfangreiches und kompetentes Wissen über japanische Gärten und Zengärten wird auch Sie im Seminar über japanische Gartengestaltung bereichern.

Theoretisch und praktisch werden folgende Themen unterrichtet:

Ästhetik und Harmonie im japanischen Garten 

Gestaltung von Teichufern 

Gestaltung von Bachläufen

Gestaltung von Wasserfällen 

Gestaltung von Garten-Wegen

Gestaltung von Gartenbonsai 

Gestaltung von Büschen 

Gestaltung von Miniatur-Landschaften 

Gestaltung von Kiesflächen Bodendecker - Moos - Vermehrung und Pflege 

Steinsetzungen – Auswahl und harmonische Aufteilung 

Technik in Teichen und in der Landschaft. Berieselungsanlagen, Beleuchtungen 

Erleben Sie die verblüffende und beeindruckende Wirkung bei und nach der Umgestaltung einer "normalen" Rasenfläche in einen ZEN-Garten. Lernen Sie nebenbei jeweils in den Mittagspausen die Zubereitung eines japanischen Menus kennen, an der Sie selbst aktiv teilnehmen und erfahren Sie dabei Interessantes und Wissenswertes über japanische Koch- und Ess- Kultur. 

Helga König: Wonach suchen die Menschen, die sich dazu entscheiden, längere Zeit im ZEN-Kloster zu bleiben und was  erwartet die Interessenten, die sich längere Zeit im Kloster Liebenau aufhalten möchten? 

 Dr. Wolfgang Hess
Dr. Wolfgang Hess: Zum ersten möchten Menschen wissen und erfahren, was ZEN ist und wie man ZEN praktiziert. Dafür gibt es das japanische Wochenende Manche Menschen leiden unter Stress und Burne-out. Sie suchen Ruhe, um sich wieder selbst zu finden. Dafür ist ein längerer Aufenthalt im Kloster notwendig. Zen-Übungen helfen dabei in Stille und Ruhe wieder Kraft zu schöpfen. Wir vermitteln und predigen keine Religion, tolerieren aber jegliche. Wir suchen kein Ziel und streben nicht nach Erfolg, aber zeigen den Weg zum Erfolg.

ZEN klingt oft so paradox, aber wirkt konsequent. Hier muß man keine Entscheidungen treffen. Ein geregelter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten bringen Ruhe und Entspannung. Morgens Meditation und #SAMU (meditative Tätigkeit) nachmittags Garten-Arbeit für das Kloster. Abends Gespräche am Feuer oder ZAZEN oder beides nacheinander. 

Nach den ersten Seminaren (Pflicht und kostenpflichtig) ist ein längerer Aufenthalt dann kostenlos.


Helga König: Können Sie uns etwas über Ihr "Tee-Seminar" berichten?

Dr. Wolfgang Hess: Ein reines Teeseminar bieten wir nicht an. Am Sonntag-Morgen, letzter Tag des japanischen Wochenendes wird in unserem Teehaus die Teezeremonie erklärt und die Gäste bekommen einen Macha-Tee geschlagen und serviert. 

Helga König: In welcher Weise verändert ZEN einen mitteleuropäischen Menschen, beispielsweise einen ausgebrannten Manager, der sich ernsthaft in Ihrem Kloster auf ZEN einlässt; kann er nach Monaten in Ihrer Obhut seine ursprüngliche Tätigkeit wieder aufnehmen?

Dr. Wolfgang  Hess: Selbstverständlich kann ein ausgebrannter Manager nach einem längeren Aufenthalt im Kloster seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Vorausgesetzt, er ist nicht ernstlich krank. Ansonsten sicherlich besser als zuvor, da er hier lernt, Dinge und Probleme, die auf ihn zukommen leichter anzunehmen und Wünsche oder besser gesagt, sein Wollen, etwas zurückzustellen. Wenn er sich erst mal an Meditation gewöhnt hat, hilft ihm diese geistige Ruhefindung auch nach seinem Aufenthalt hier im seinem beruflichen und privaten Leben ganz sicher auch weiter. Er wird hier gelernt haben, daß es noch ein anderes Leben gib. Das bringt Selbst-Sicherheit und Abstand zum beruflichen Alltag, was wieder bewirkt, daß der Beruf nicht ganz so streng angesehen werden muß und Erfolg auch dann kommt, wenn man ihn nicht sucht, sondern einfach nur seine Arbeit konsequent und konzentriert erledigt. 

ZEN bringt Konsequenz und Konzentration ins tägliche Leben und Einteilung von Tagesabläufen, so daß auch Zeiten der Ruhe gefunden und angenommen werden. ZEN ist zwar hart, weil man ständig gegen seinen "inneren Schweinehund" kämpfen muß, aber man kann das in einer Gemeinschaft, wie in einem Kloster, lernen. 

 ZEN-Garten
Gestaltet von Dr. Wolfgang Hess
Weitere Informationen über uns und das Kloster finden Sie auf unserer website

Lieber Dr. Wolfgang Hess, ich danke Ihnen herzlich für das erhellende Interview

Ihre Helga  König

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