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Helga König im Gespräch mit Stéphane Etrillard zum Thema persönliche Souveränität

Lieber Herr Etrillard, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Prinzip Souveränität" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen.

Vorbemerkung:
Im Interview berichtet Stéphane Etrillard, gefragter Coach, Experte für persönliche Souveränität und mehrfacher Buchautor, warum der persönliche Kommunikationsstil und ein souveränes Auftreten die Basis für den Erfolg von Führungskräften bilden. Darüber hinaus gibt es uns einen Einblick in seine Arbeit als Trainer und Coach. 

Helga König: Herr Etrillard, Sie gelten als Europas führender Experte für Souveränität. Was hat Sie dazu bewogen, sich dieser Thematik so intensiv zu widmen?

Stéphane Etrillard 
© Sylke Gall Berlin | Köln
Stéphane Etrillard: Inzwischen arbeite ich seit bald zwanzig Jahren als Trainer und Coach. Und es ist schon eine ganze Weile her, dass mir die Teilnehmer meiner Seminare davon berichteten, dass sie gern souveräner auftreten und handeln würden. Was sie denn da genau machen könnten. An der Kommunikation zu arbeiten, war schon einmal ein guter Ansatz, doch war das eben nicht alles. Also durchforstete ich die Fachliteratur. Meine ersten Recherchen waren allerdings ernüchternd – es gab einfach so gut wie nichts zu diesem Thema. 

Das war der ausschlaggebende Punkt und ich begann, mich intensiver und gezielter damit zu befassen. In den vergangenen fünfzehn Jahren habe ich mich dann immer stärker auf dieses wichtige Thema und seine verschiedenen Aspekte konzentriert. 

Helga König: Sie bezeichnen persönliche Souveränität als eine zuverlässige Konstante in einer komplexen Welt. Was macht ein souveränes Auftreten gerade heute so wichtig? 

Stéphane Etrillard: Die Zusammenhänge in der Welt und auch die Geflechte in Unternehmen werden immer komplexer. Als Reaktion darauf sind insbesondere Führungskräfte fachlich immer besser ausgebildet und verfügen daher über ein enormes Fachwissen. Vergessen wird dabei jedoch, dass die eigene Persönlichkeit die stabilste Basis für jede Art von Erfolg ist. Deshalb ist es von großer Bedeutung, die persönlichen Kompetenzen auszubauen und zu stärken. 

In einer komplexen Welt bildet das eigene Selbst die verlässlichste Konstante für das eigene Entscheiden und Handeln und ermöglicht so ein souveränes Auftreten. Das haben auch die Unternehmen erkannt: Viele Unternehmen wollen und können es sich schlichtweg nicht mehr leisten, dass Mitarbeiter durch persönliche Defizite zur Belastung werden. Die Ansprüche, die an die Persönlichkeit der Mitarbeiter und insbesondere der Führungskräfte gestellt werden, steigen also zusehends, und über das berufliche Vorwärtskommen entscheiden heute längst nicht mehr nur die fachlichen Fähigkeiten und Qualifikationen. 

Helga König: Gilt das auch für junge Menschen oder ist Souveränität eher ein Thema für erfahrene Führungskräfte und Manager? 

Stéphane Etrillard: Das ist letztlich keine Frage des Alters. Die Praxis zeigt jedoch, dass viele Menschen sich nie oder eben erst dann mit dem Thema befassen, wenn sie bereits zu spüren bekommen haben, dass der Faktor Persönlichkeit im Beruf und damit auch für die Karriere eine wesentliche Rolle spielt. Und gerade die Nachwuchskräfte fokussieren sich in der Regel auf das reine Fachwissen, weniger auf die Wirkung ihrer Persönlichkeit, was sich dann später schnell als Manko erweist. Meine Empfehlung ist daher, sich schon frühzeitig mit dem eigenen Auftreten und der persönlichen Wirkung zu befassen. 

Helga König:  Psychologie und Philosophie spielen bei der Persönlichkeitsentwicklung gewiss eine Rolle. Wie reagieren Betriebswirte Ihrer Erfahrung nach auf diese Themenfelder? 

Stéphane Etrillard: Führungskräfte haben in der Regel eine ganze Menge um die Ohren, stehen unter Erfolgsdruck und haben auch selbst hohe Erwartungen an sich. In Coachings geht es ihnen meist in erster Linie darum, was sie ganz konkret in der Praxis machen können, um in Gesprächen mit Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden oder in wichtigen Verhandlungen souveräner aufzutreten. Die theoretischen Hintergründe sind für sie nicht so bedeutend. 

Meine Aufgabe ich es daher, das theoretischen Wissen so aufzuarbeiten und zu vermitteln, dass sich daraus ein ganz praktische Nutzen ziehen lässt, der möglichst rasch in die eigene Berufspraxis integriert werden kann. 

Helga König: Was hindert Ihrer Meinung nach die Menschen daran, sich gezielt ihren individuellen Begabungen zu widmen? 

Stéphane Etrillard: Viele Menschen sind es gewohnt, von Kindheit an einen bereits vorgezeichneten Weg einzuschlagen. Da ist der Spielraum für selbstständige und vielleicht auch einmal unorthodoxe Entscheidungen begrenzt. Tatsächlich gibt es zahlreiche Menschen, die in ihren Beruf eher hineingeraten sind und nur selten bewusst darüber nachdenken, was sie wirklich wollen oder am besten können. Das sicherheitsorientierte Denken spielt da eine große Rolle. Doch letztlich ist jeder Mensch völlig frei darin, sich für oder gegen etwas zu entscheiden – nur wird diese Entscheidungsfreiheit vielfach nicht genutzt. 

Helga König: An den Themen Rhetorik und Kommunikation kommt niemand vorbei, der souveräner auftreten möchte. Ist es für den Beruf wichtig, sich diesbezüglich weiterzubilden, und was geschieht während eines Seminars zum Thema? 

Stéphane Etrillard: Der Faktor Kommunikation ist für den Beruf von essenzieller Bedeutung. Schließlich macht die Art unserer persönlichen Kommunikation einen großen Teil unserer Außenwirkung aus, sie entscheidet sogar darüber, ob uns andere für intelligent halten. Das eigene Kommunikationsverhalten zu schulen, ist daher tatsächlich immer ein gute Idee. 

In den Seminaren geht es zuerst einmal darum, überhaupt ein Bewusstsein für den eigenen Kommunikationsstil zu schaffen, typische Situation aus der Praxis sowie das eigene Verhalten zu reflektieren und Alternativen aufzuzeigen. Schon daraus kann man sehr viel lernen. –

Kürzlich fragte mich eine etwa 55-jährige Führungskraft, ob sie denn morgen nach dem Seminar fit in allen Bereichen der Kommunikation sein werde. Nun, ich sagte, dass sie sicher in der Lage sein werde, bewusster und damit erfolgreicher zu kommunizieren. Ein Tages- oder Zweitagesseminar reicht jedoch natürlich nicht aus, um jahrzehntelange Gewohnheiten einfach abzulegen. Ich erzählte dem Teilnehmer, dass ich begeisterter Klavierschüler und Klavierfan sei und am Klavier noch ungeheuer viel zu lernen habe. Gäbe es ein Seminar, das mich in drei Tagen zum Konzertpianisten machen könnte – ich würde es sofort besuchen. Nur leider brauchen manche Dinge doch ein wenig mehr Zeit und Ausdauer. Dann verstand der Manager, was ich gemeint hatte und schmunzelte. 

Helga König: Was läuft in der alltäglichen Kommunikation gerade auch in Unternehmen schief? 


Stéphane Etrillard: Es beginnt damit, dass vielen Führungskräften nicht bewusst ist, dass Führungsarbeit zu achtzig Prozent aus Kommunikation besteht. Schließlich ist es ihre Aufgabe, Beziehungen innerhalb des Unternehmens und zu Geschäftspartnern zu managen. Defizite bei der Kommunikation wirken sich unmittelbar auf die Qualität der Arbeit und auch auf die Produktivität aus. Das beginnt damit, dass Teammitglieder aneinander vorbei reden und Anweisungen falsch verstanden werden. 

Tatsächlich sind es ganz einfach Verständigungsprobleme, die zu weiteren Schwierigkeiten führen. Vor allem dann, wenn Emotionen im Spiel sind. Hier kann ein Missverständnis unnötig Spannungen oder auch ernsthafte Konflikte auslösen, die sich bei fortgesetzter falscher Kommunikation bedrohlich aufschaukeln können. Das schadet dem Unternehmen, den Führungskräften und allen Mitarbeitern. In schlimmen Fällen geht das so weit, dass sich eine allgemeine Unzufriedenheit in einem ganzen Team und darüber hinaus ausbreitet. 

Oft ist es auch die fehlende gegenseitige Wertschätzung, die Konflikte heraufbeschwört. Die richtigen Worte im entscheidenden Augenblick zu finden, kann sehr deeskalierend wirken und nachhaltig motivieren – die falschen Worte oder auch der falsche Tonfall können das Fass jedoch zum Überlaufen bringen. 

Führungsarbeit und ganz generell eine gelungene Kommunikation erfordert viel Fingerspitzengefühl, das in der alltäglichen Arbeit leicht verloren geht. 

Helga König: Führungskräften wird allerorts unterstellt, dass sie hochgradig narzisstische Verhaltensmuster an den Tag legen. Wie passt das zur gewünschten Souveränität, die für die Firmenkultur und den Firmenerfolg so überaus wichtig ist? 

Stéphane Etrillard: Dieses Verhaltensmuster kann ich so nicht bestätigen. Für einzelne Personen mag das stimmen, nur fälle ich ungern Pauschalurteile. Ich habe eher die umgekehrte Erfahrung gemacht, dass viele Führungskräfte sehr unsicher auftreten. Sie sind nicht geschult darin, ihre Außenwirkung bewusst zu steuern, und wissen vielfach gar nicht, wie sie bei ihren Mitarbeitern persönlich ankommen. Die rein fachliche Qualifikation ist meist sehr gut, dennoch sind viele Führungskräfte im direkten Kontakt mit ihren Mitarbeitern und bei Auftritten vor größeren Gruppen erstaunlich unsicher. Vielen ist auch nicht bewusst, dass sich ein souveränes Auftreten gut trainieren lässt. 

Helga König: Souverän auftretende Menschen wirken oft sehr charismatisch. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen? 

Stéphane Etrillard: Menschen mit einer starken Ausstrahlung heben sich von anderen ab, denen eine solche Ausstrahlung fehlt. Und es ist ja nicht so, dass eine starke Ausstrahlung einfach aus dem Nichts käme. Sie ist im Gegenteil der Beweis für eine starke und souveräne Persönlichkeit. Das beginnt mit einer positiven Einstellung zu sich selbst. Dazu bedarf es eines gesunden Selbstwertgefühls und eines klaren Selbstbewusstseins. Die Grundlage für beides ist es, sich selbst genau zu kennen und zu akzeptieren und im Einklang mit den eigenen Überzeugungen zu leben.

Im Beruf gehen solche Aspekte schnell unter – und vielleicht ist das mit ein Grund, warum es so wenig charismatische Führungskräfte gibt: Die Aufmerksamkeit wird auf alles Mögliche gerichtet, doch zu wenig auf sich selbst. Wer das ändert, gewinnt dadurch eine positivere Ausstrahlung. Was empfehlen Sie jemandem, der rasch zu einer souveränen Persönlichkeit werden möchte? Zunächst einmal ein wenig Geduld. 

Und dann: einen Anfang machen. Jeder hat die Möglichkeit, seine Ausstrahlung zu verbessern und souveräner aufzutreten. Das erfordert in allen Fällen einen ehrlichen Blick auf die eigene Persönlichkeit, auch auf die vermeintlichen Schattenseiten. Hier geht es insbesondere darum, die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen und Handlungen zu übernehmen. Das ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Schritt auf diesem Weg. 

Unentbehrlich für eine gute Ausstrahlung ist die bereits angesprochene gute Kommunikationsfähigkeit. Wir nehmen die Menschen als besonders souverän wahr, die sich in die Situation ihrer Gesprächspartner einfühlen können – die verstehen, wo die Interessen, Probleme, Wünsche und Erwartungen ihres Gegenübers liegen, und auch aktuelle Stimmungen interpretieren können. – Am Anfang geht es also um die eigene Persönlichkeit. 

Und die Persönlichkeit zeigt sich anderen insbesondere durch den persönlichen Kommunikationsstil. Daher sind das die beiden ersten Ansatzpunkte für ein souveränes Auftreten.

Lieber Stéphane Etrillard, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gepräch

Ihre Helga König 

Foto von Stéphane Etrillard aus seinem Bestand.

Stéphane Etrillard  ist internationaler Keynote Speaker und zählt zu den meistgefragten und besthonorierten Top-Wirtschaftstrainern im deutschsprachigen Raum. Der mehrsprachige Vortragsredner gilt als führender europäischer Experte für "persönliche Souveränität". 

Stéphane Etrillard, Kosmopolit französischen Ursprungs lebt in der Kulturmetropole Berlin. In seiner Freizeit beschäftigt er sich leidenschaftlich mit Philosophie, Literatur und Klaviermusik und lernt mit großer Begeisterung das Klavier spielen. Sein einzigartiges Know-how ist in den letzten 19 Jahren in der Beobachtung und Begleitung von mehreren Tausend Führungs- und Nachwuchskräften aus unterschiedlichsten Branchen entstanden. Zudem wurde er als Ausnahmepersönlichkeit unter die Top 100 Speakers aufgenommen. 

Mit seinen Privatissima im Bereich Rhetorik, Dialektik und Körpersprache sowie Selbst-PR verhilft er seinen Kunden zu mehr Souveränität in allen Lebenslagen. Er steht einigen der angesehensten Familien Europas als Privatcoach mit Rat und Tat zur Seite. 

Zu seinen Klienten zählen Manager aus Top-Unternehmen, mittelständische Unternehmer und Politiker sowie viele Menschen, die sich bei ihm neue Impulse holen, um ihre Kommunikation noch souveräner und ihr Leben erfolgreicher zu gestalten. Er gilt in der Branche und für die Presse als Star unter den Managementtrainern. 2013 wurde sein neuestes Buch „Mit Diplomatie zum Ziel“ im WirtschaftsBlatt in die Top Ten der deutschsprachigen Wirtschaftsbücher aufgenommen. 

Durch zahlreiche Vorträge und Publikationen ist er einem breiten Publikum bekannt geworden. Er ist Autor von über 40 Büchern und Audio-Coaching-Programmen, die zu den Business-Topsellern zählen. Täglich lesen über 30.000 Menschen seine Coaching-Impulse in den sozialen Netzwerken. Weitere Informationen über Stéphane Etrillard: http://www.etrillard.com/

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Midas Mangement Verlag und können das Buch dort bestellen www.midas.ch.  Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler vor Ort ordern.

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