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Helga König im Gespräch mit Martina Kolle und Dr. Ingrid Gardill, Kreatorinnen des Buches "Internationale Kunst Heute 2014"

Liebe Martina Kolle, liebe Dr. Ingrid Gardill, vor einigen Tagen habe ich Ihr Buch "Internationale Kunst Heute 2014" auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt. Jetzt  möchte  hierzu einige Fragen an Sie richten.

Helga König: Wie definieren Sie Kunst und welchen Zugang haben Sie dazu? 

 Martina Kolle
     http://www.martinakolle.de/
Martina Kolle: Kunst ist in meinen Augen das, was den Betrachter berührt, also ein sehr emotionaler Aspekt. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch bei der Betrachtung von Kunst spontan für sich selbst sagen kann, ob ihm ein Werk gefällt oder nicht, ganz unabhängig davon, ob er es auch besitzen möchte und auch völlig unabhängig von kunstwissenschaftlichen Aspekten. Und Kunst hat eine große Wirkung! Da ich als Künstlerin das Privileg habe, meine eigenen Räume immer wieder mit anderen Bildern bestücken zu können, kann ich davon berichten, welch unglaublich unterschiedliche Wirkungen einzelne Bilder auf den gleichen Raum haben können, ihn und die Menschen darin verändern. Um nur ein Beispiel zu nennen: ein Bild in Blau-Tönen hat eine völlig andere Wirkung auf den ganzen Raum als eines in Rot-Tönen, ganz unabhängig vom Sujet. Somit hat jeder Mensch die freie Wahl, sich die Stimmung in sein Zuhause zu holen, die ihm guttut und gefällt. Ich fände es schön, wenn noch viel mehr Menschen sich Originale von vielleicht (noch) unbekannteren Künstlern in ihre vier Wände holen, anstelle von Reproduktionen bekannter Meister.

Helga König: Wie definieren Sie Kunst und welchen Anspruch haben Sie an die Kunst von heute? 

Dr. Ingrid Gardill
http://www.ingrid-gardill.de/
Dr. Ingrid Gardill:  Für mich ganz persönlich setzt Kunst einen starken Akzent im Alltag – ein Hinschauen, Überraschtwerden und im besten Fall Überwältigtsein. Manchmal passiert es mir sogar, dass mich ein Werk über einen längeren Zeitraum nicht mehr loslässt. Egal, ob im Straßenraum, in privaten oder institutionellen Innenräumen wie Museen: Kunst bedeutet immer eine Bereicherung. Du bist für einen kurzen oder langen Moment außerhalb deines geordneten Alltags, kommst mit anderen Ebenen in Berührung, lässt Erinnerungen in dir wach werden oder bist einfach fasziniert von der Technik, der Setzung im Raum oder verstört von einer Provokation. Wie auch immer. Die Kunst ist (für mich) ein Lebenselixier. 

Als Kunsthistorikerin gehe ich selbstverständlich noch einen Schritt über die persönliche Betroffenheit hinaus in die Analyse, Zuordnung, letztlich auch in die Bewertung, die zumeist nicht umgangen werden kann. Wenn ich zu viel Epigonenhaftes bemerke, oder eine gewisse Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit dem gestellten Thema, dem Umgang mit dem Raum oder der Materialität vermisse, dann kommt auch keine Inspiration beim Betrachter auf. Das Werk teilt sich nicht mit. Dann können wir die Künstler vorläufig leider nicht in unser Buch aufnehmen. Das heißt aber nicht, dass sie sich im Folgejahr nicht mit anderen Werken wieder bewerben dürfen.

Helga König: Ganz offensichtlich sind Sie frei von krankhaftem Konkurrenzgebaren, denn Sie bringen im Buch nicht nur sich, sondern anteilsgleich auch viele andere Künstler ins Gespräch. Welcher Gedanke trieb Sie um als Sie dieses wunderbare Projekt auf den Weg brachten? 

Martina Kolle: Mein Grundgedanke war und ist, gute zeitgenössische Kunst in die Öffentlichkeit zu bringen und dies aus drei Gründen: Künstlerförderung, Verbreitung von guter zeitgenössischer Kunst und Motivation. Ich bin der Meinung, dass jegliche menschliche Begabung ein Geschenk ist, welches wir - woher auch immer – erhalten und damit ist auch die Verpflichtung verbunden, aus dieser Begabung etwas zu machen, sie in die Welt zu bringen. Dies ist natürlich meistens nur möglich, wenn auch Käufer für die Kunst, die die Begabung nach sich zieht, gefunden werden können, so dass der materielle Aspekt (Materialbeschaffung etc.) nicht zu einem Problem wird. 

Wenn der Künstler seine Werke erstellt, verkauft und der Käufer Freude daran hat, ist ein guter Kreislauf geschaffen, der für alle Seiten nur Positives hat. So ist der erste Grund für das Projekt die Unterstützung von Künstlern mit ihren Werken. Der zweite Grund ist, wunderbare Kunst zu verbreiten, so dass sie von vielen Menschen gesehen werden kann, inspiriert und erfreut. In dieser so schwierigen Welt kann Schönheit nur Gutes bewirken und Kunst tut gut – dem Künstler und dem Betrachter. Der dritte Aspekt ist auch Menschen zu motivieren, die nur im Geheimen Kunst produzieren und über die Betrachtung „unserer“ Künstler sich dem künstlerischen Weg noch mehr widmen, sich vielleicht (endlich) der Öffentlichkeit präsentieren.

Helga König: Als Kunsthistorikerin verfügen Sie über Kenntnisse, die es Ihnen einfacher macht, sich in Kunstwerke einzufinden. Was mich, die ich viele Kunstbücher gelesen und rezensiert habe, dazu aber noch beeindruckt, ist Ihre poetische Sprache. Können Sie den Lesern berichten, wie der Prozess der sprachlichen Umsetzung des jeweils Gesehenen abläuft?

Martina Kolle
 "Menschen"  60x 80cm
Dr. Ingrid Gardill:  Zunächst einmal freut es mich, wenn Sie meine Sprache "poetisch" nennen. Es ist tatsächlich so, dass ich mich speziell bei diesem Projekt darauf eingelassen habe, die oftmals schwer lesbare, etwas spröde, akademische Sprache ein Stück weit zu verlassen. Es war einfach, den inneren Kritiker beiseite zu stellen, denn wir hatten ja dank der Jurierung ausschließlich Werke zu bearbeiten, mit denen wir durch und durch einverstanden waren. Dann war es ein Leichtes, sich mit ihnen zu verbinden und zur Essenz vorzudringen. Es war tatsächlich so, dass ich mit jeder Arbeit und jedem Künstler verbunden war und direkt aus dieser schönen Energie heraus zu schreiben begann. Dadurch hat auch jeder der 170 Texte einen ganz eigenen Charakter bekommen. Es war trotz der vielen Arbeit eine ganz wunderbare Erfahrung und hat mich wirklich tief erfüllt. Zwar habe ich mich schon seit jeher darum bemüht, nicht nur für das Fachpublikum, sondern für jeden Kunstinteressierten verständlich zu schreiben, aber hier bin ich noch ein ganzes Stück weiter gegangen, habe die Werke auf mich zukommen und mich direkt von ihnen beschenken lassen. Die durchwegs positive Resonanz von den Künstlern und Lesern zeigt, dass dies offenbar ein guter Weg ist.

Helga König:  Wie sind Sie auf weniger bekannte Künstler aufmerksam geworden?

Martina Kolle:  In meinem eigenen Künstlerleben durfte ich bereits viele großartige Künstler kennenlernen und auch das Internet ist ein wunderbares Medium, in dem man fündig werden kann. Die Suche nach Künstlern ist zwar ein extrem arbeitsreicher Prozess, der aber auch wirklich spannend ist. Zudem hat sich eine großartige Mund-zu-Mund-Propaganda entwickelt, so dass wir sehr viele Bewerbungen erhalten haben und hoffentlich auch für die Folgebände bekommen werden. Wir möchten alle Künstler gerne motivieren, uns ihre Bewerbung per mail zuzusenden, die Kriterien stehen auf unserer Internetseite www.internationalekunstheute.com.

Helga König: Gibt es Farben und Formen, die Sie euphorischer beim Schreiben machen als andere? 

Dr. Ingrid Gardill: Ja, ich springe besonders auf ein bestimmtes Grün an, Martina Kolle wiederum begeistert sich für andere Kombinationen. Sie bevorzugt eher die Abstraktion, ich selber kann der gegenständlichen Malerei durchaus etwas abgewinnen, wenn sie entsprechend hochkarätig ist. Daher ergänzen wir uns sehr gut. Über unsere Vorlieben müssen wir oftmals herzlich lachen, weil wir sie mittlerweile erkennen. Im Grunde aber finden wir beide jegliche Form- und Farbkombination spannend, wenn sie stimmig ist. Sie als Malerin hat hier einen anderen Blick, der wiederum für mich faszinierend ist. Auch darin ist unsere Zusammenarbeit immer wieder bereichernd. 

Helga König: Was wünschen Sie sich für Ihre Buchreihe? 

 Martina Kolle
"Unabhängig",  60x 40cm
Martina Kolle:  Ich würde mir zum einen wünschen, dass wir Sponsoren für unsere Buchreihe finden, sowie zum anderen Firmen oder Institutionen, die unsere Bücher zu sehr günstigen Konditionen erwerben und z.B. als Weihnachtsgeschenk an genau die Menschen verschenken, die nicht nur Interesse an Kunst haben, sondern auch den finanziellen Rahmen, diese Kunst selber zu erwerben. Somit wäre die Künstlerförderung perfekt.

Helga König:  Was reizt Sie an Texten zu Werken von Fotografen? 

 Martina Kolle
"Schutz für die Liebe", 70x  100cm
Dr. Ingrid  Gardill: Hier kann ich ganz frei herangehen, ohne allzu viel kunsthistorischen Ballast, der ja auch immer mitschwingt. Zwar schaue ich auch auf die Komposition, die Farbgebung, die Motive, aber in der Fotografie ist die Stimmung das Entscheidende. Hier fangen die Bilder an zu erzählen (auch bei abstrakten Motiven) und es wird spannend. Ein Augenblick ist eingefroren im Foto, und es ist genau dieser und kein anderer, der den Zugang zu einer ganzen Welt eröffnen kann. Das macht dieses Medium so faszinierend. Hier haben wir als Betrachter und ich als Schreiberin die einzigartige Möglichkeit, uns ganz auf einen Moment einzulassen und uns aus diesem heraus neu und überraschend zu orientieren. 

Helga König: Wie Dr. Gardill schreibt, haben Ihre eigenen Bilder durch den tiefen Symbolgehalt und das meisterhaft geführte Farbspiel eine "höchst intensive Wirkung auf den Betrachter". Das kann ich bestätigen. Können Sie uns ausführlicher darlegen, welcher Grundgedanke Ihrem Farbspiel zugrunde liegt und was es mit dem tiefen Symbolgehalt auf sich hat?

Martina Kolle: Wenn ich male, lasse ich mich darauf ein, meine Ratio-Ebene zu verlassen, versuche, mich von meinen Ego-Mustern zu lösen und mich mit Hilfe von Entspannungstechniken zu öffnen für das, was da entstehen möchte. In der Meditation zeigen sich mir das Thema des Bildes, sowie die Farben und Form. Anschließend bin ich eher "Werkzeug", als "Erschaffende", ein Prozess, der mich immer wieder selbst zutiefst erstaunt, berührt und sehr glücklich macht. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit des Ausdrucks. Augenscheinlich wirken meine Bilder jedoch nicht nur auf mich, sondern auch auf die Menschen, die meine Kunst erwerben, die Resonanz meiner Kunden ist immer wieder extrem positiv. 

Helga König: Da Folgebände geplant sind, meine letzte Frage: Was können interessierte Künstler tun, um sich bei Ihnen Gehör zu verschaffen? 

Martina Kolle, Dr. Ingrid Gardill: Wir freuen uns über Bewerbungen von Künstlern, die sich mit einer gewissen Ernsthaftigkeit mit ihrer Kunst auseinandersetzen, die sich Gedanken machen um die Prozesse, anstatt einen „Schnellschuss“ nach dem anderen zu setzen, oder sich über viele Jahre selbst zu reproduzieren. Dies wird bald langweilig, und bietet den Betrachtern
keine Ansatzpunkte. Dabei müssen die Kunstschaffenden keine akademische Ausbildung mitbringen, es gibt auch keine Altersbegrenzungen nach unten oder oben. Uns ist nur wichtig, dass ihre Handschrift durch ihr Werk hindurch erfahrbar wird. Dabei können alle Sparten der Bildenden Kunst zum Zuge kommen. Wir freuen uns ganz besonders, wenn Menschen erstmals den Mut aufbringen, mit ihren Arbeiten in die Öffentlichkeit zu treten. Das ist oftmals ein großer Schritt. Und wir versprechen ihnen, dass wir unser Bestes geben, sie so zu präsentieren, dass sie stolz auf ihre Kunstwerke sein können. 

Liebe Martina Kolle, liebe Dr. Ingrid Gardill, besten Dank für das aufschlussreiche Interview.

Ihre  Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu www.internationalekunstheute.com und können das Buch bestellen. Über die ISBN 978-3-9816595-0-4 erhalten Sie es auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke und bei Onlinehändlern wie Amazon bestellbar

Bilder und Fotos aus dem Bestand von Martina Kolle und Ingrid Gardill

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