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Helga König im Gespräch mit Veit Lindau über sein neues Buch "LIEBE RADIKAL"

Lieber Veit Lindau, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Liebe Radikal" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen nun einige Fragen stellen. 

Helga König:  Was hat Sie bewogen, dieses wunderbar erkenntnisreiche Buch zu schreiben? 

Veit Lindau
 Oberle Fotoart

Veit Lindau: Mein Weg in glückliche, lebendige Beziehungen hinein war nicht gerade, sondern krumm, oft schmerzhaft. Geprägt von vielen Missverständnissen. Ich habe es mir und meinen Mitmenschen nicht leicht gemacht. Doch in den zwanzig Jahren, die ich nun zu diesem Thema forsche, habe ich bei mir und meinen Klienten immer wieder erlebt,
 • dass doch immer wesentlich mehr geht, 
 • dass sich Menschen wirklich in einem positiven Sinne verändern können, 
 • dass es möglich ist, selbst scheinbar völlig verkorkste Beziehungen neu zu gestalten, 
 • kurzum, dass Lebendige Beziehungen kein Glückstreffer, sondern eine Kunst sind, die wir erlernen können. Diese gute Botschaft wollte und musste ich teilen. In zwei Jahrzehnten haben sich sehr viele einfache und gleichzeitig wirkungsvolle praktische Ansätze angesammelt – die wollte ich nun konzentriert weitergeben. Und ganz in der Tiefe empfinde ich es als Auftrag. Wenn unserer Welt etwas fehlt, dann ist es bewusste Liebe. 

Helga König: Ist es hauptsächlich das überbordende Ego, das für Menschen eine große Barriere darstellt, sich wirklich auf einen anderen liebend einzulassen? 

Veit Lindau: Nein. Das Ego ist nicht schuld. Es verrichtet einfach nur seinen von der Evolution vorgesehenen Dienst. Wenn es überhaupt einen "Schuldigen" gibt, dann ist es Ignoranz. Unsere Unkenntnis über uns selbst, wie wir ticken, was wir brauchen, wie erfolgreiche Kommunikation funktioniert, gibt dem Ego zu viel selbstzerstörerischen Raum. Begegnen wir ihm mit Bewusstheit und Humor, verliert es seine Macht. Meine Vision: Lebendige Beziehungen als Schulfach. Das würde uns sehr, sehr viel Ärger ersparen.

Helga König: Was hat Sie veranlasst, Ihre Leser aufzufordern, radikal zu lieben? 

Veit Lindau:  Ich mag das Wort. Es stammt von radix, der Wurzel. Viele der gängigen Beziehungsprobleme entspringen (meiner Meinung nach) einer zu oberflächlichen Herangehensweise an diesen essentiellen Bereich unseres Lebens. Ich möchte den Leser einladen, tiefer zu gehen, an die Wurzel. Die Wurzel seiner Sehnsucht, aber auch seiner Liebesfähigkeit. 

Helga König:  Haben Frauen und Männer gleichermaßen Schwierigkeiten, sich vollständig auf das Du einzulassen und woran kann ein Außenstehender die Lebendigkeit einer Beziehung erkennen? 

Veit Lindau:  Heißes Eisen, die erste Frage. ;-) Ich weiß, dass es in Beziehungen oft so aussieht, als gäbe es einen, der mehr verantwortlich ist für das, was nicht läuft. Doch ich glaube, diese Welt ist ein Spiegelkabinett. Männer und Frauen haben ihre Herausforderungen mit dem Thema. Und oft projizieren wir den von uns nicht gelebten Anteil auf unser Gegenüber. Ich plädiere dafür, sich voll und ganz auf die eigene Baustelle zu konzentrieren. Dann finden sich auch die passenden Spielpartner. Woran man eine wirklich lebendige Beziehung erkennt? Das ist ganz einfach. Wenn man an sie denkt, empfindet man Freude. Denn man verknüpft die Begegnung mit diesem Menschen mit der Erfahrung des Erblühens, des Inspirierens, des Vertrauens. 

Helga König: Sie zeigen in Ihrem Buch den Weg auf, um am Ende sich sozusagen frei zu lieben. Gefallen hat mir, dass Sie zahlreiche Beispiele geben, wie man den Weg praktisch umsetzt. Haben Sie an Testpersonen die erfolgreiche Umsetzung überprüft? 

Veit Lindau:  Ja, klar. Erst einmal habe ich in das Buch natürlich nur Ansätze aufgenommen, die ich selbst als hilfreich erlebt habe. Und ich habe mittlerweile mit mehreren tausend Menschen gearbeitet – Singles, Paare, Familien und Teams. Ihr Feedback bestätigt die Auswahl.

Helga König: Sie sagen, das Geheimnis einer guten Beziehung sei Kommunikation. Wie sollte diese sich gestalten?

Veit Lindau:  Ein Riesenthema. Ein wunderschönes Thema. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich sagen: 99% aller Beziehungsprobleme sind Kommunikationsprobleme – nach innen, mit sich selbst und nach außen, mit dem Partner. Wir haben es einfach nicht gelernt. Hier liegt enorm viel Potenzial für Frieden, Freude und Nähe verborgen. Wer wissen will, was es im Detail braucht und wie man es lernen kann, dem empfehle ich die Lektüre des Buches. Hier in Kurzform: Es bedarf einer klaren Ausrichtung, der Fähigkeit, dem anderen zu lauschen, viel Geduld und doppelt so viel Humor! 

Helga König: Können Sie den Lesern erörtern, wieso "mitfühlen" heilt und "mitleiden" schwächt? 

Veit Lindau: Ich glaube, jeder von uns kennt den Unterschied. Wenn wir einem Freund unser Leid erzählen und er leidet mit, hat das nicht mehr viel mit uns zu tun. Der andere nutzt unser Drama, um in seinem zu versinken. Anstatt ruhig zu schauen, wie er uns helfen kann, versinkt er selbst im Sumpf seines Bedauerns. Nach so einem Gespräch fühlen wir uns in unserem Drama bestätigt, aber nicht befreit. Mitgefühl ist die hohe Kunst, mit dem anderen zu fühlen UND einen ruhigen Geist zu bewahren. Das ist nicht einfach, doch erlernbar. Der andere fühlt sich abgeholt und verstanden, doch wir bleiben innerlich zentriert und still. So können wir am besten schauen, welche Hilfe angemessen ist. Manchmal einfach nur die Klappe halten und da sein. Manchmal ein Ratschlag. Und manchmal ein herzhaftes: "Jetzt reicht es. Hör auf, dir selbst so leid zu tun!" 

Helga König: Wie sollte man Liebe am besten kommunizieren? 

Veit Lindau:  Mit der Frage kann ich nichts anfangen. Denn wenn es die Liebe gibt, dann ist es ganz sicher eine ihrer wichtigsten Lektionen, dass es den "besten" Weg nicht gibt. Ich habe Menschen in Liebe nur noch stammeln sehen und die Botschaft kam an. Ich habe Menschen brillant über die Liebe sprechen hören und es hat mich kalt gelassen. 

Helga König: Was bedeutet für Sie "Erwachen" in einer Liebesbeziehung? 

Veit Lindau:  Definitiv kein singuläres Ereignis, sondern ein Prozess der Bewusstseinserweiterung, in dessen Verlauf (wenn wir nicht einschlafen) wir erkennen dürfen, dass das, was wir gestern für die Endstation der Liebe hielten, sich heute nur als ein weiterer Durchgangsraum herausstellt. Ich habe eine Ahnung und die sagt mir, dass wir alle von einer Kraft durch den Kakao der Evolution gezogen werden und am Ende befreit und ein wenig beschämt lächelnd auf unseren Lebensweg zurückschauen werden, weil wir erkennen, dass wir uns viel zu oft für viel zu klein verraten haben. 

Helga König: Welche essentielle Botschaft möchten Sie liebesbereiten Lesern mit auf den Weg geben?

Veit Lindau:  
1. Folge deiner Sehnsucht. Sie macht Sinn. 
2. Es ist immer noch viel, viel mehr in deinen Beziehungen möglich, als du glaubst. 
3. Bist du bereit, für dein Glück auf dein Rechthaben zu verzichten? 
4. Die Welt deiner Beziehungen ist dein Spiegelkabinett. Was erzählt es dir über dich?
5. Lieben ist ein Verb. Du kannst dich in jedem Augenblick wieder frisch und aktiv dafür entscheiden. Zu Lieben ist eine Wahl, die dir deine Würde schenkt.

Lieber Veit Lindau, ich danke Ihnen  für das aufschlussreiche Interview. 

Herzlichst Helga König

Fotos von Veit Lindau/  Oberle Fotoart

http://veitlindau.com/

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