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Helga und Peter J. König im Gespräch mit Frank Dietrich, Geschäftsführer von Winzerkeller Sommerach eG

Lieber Herr Dietrich, nachdem wir dieser Tage drei  Weine Ihres Hauses verkostet und diese nun auf  "Buch, Kultur und  Lifestyle" auch vorgestellt habe, möchten wir heute einige Fragen an Sie  zu Ihrem Hause und Ihren Weinen stellen.

Hier die Links zu den Weinbesprechungen:  2011 Sommeracher Katzenkopf Silvaner trocken, FRIZZANTE VALENTIN weiss, 2009 Sommeracher Katzenkopf, Spätburgunder trocken.

Peter J. König: Können Sie unseren Lesern bitte berichten, wie es zu dem Zusammenschluss der Winzer, zu dem Winzerkeller Sommerach gekommen ist und dies schon vor weit mehr als über 100 Jahren?

 Frank Dietrich
Foto: Colette Hoechs
Frank Dietrich: Im Jahre 1901 gründeten 15 Sommeracher Winzerfamilien aus der Not und fehlender Zukunftsperspektive heraus den Winzerkeller. Seitdem gilt im Winzerkeller Sommerach der gleiche Grundsatz: Einigkeit macht stark. Eine gemeinsame Vision bestimmt unseren Weg.

Helga König:  Bitte beschreiben Sie doch einmal, wo die Winzergemeinde Sommerach in Franken zu finden ist und warum gedeihen gerade hier solch exzellente Weine?

Frank Dietrich: Sommerach liegt an der malerischen Mainschleife in der Nähe von Volkach. „Der Ort an der Sonnenseite des Flusses“ - so lautet die freie Übersetzung Sommerachs. Von den Lagen der Maininsel hat man nicht nur einen phantastischen Ausblick auf das Tal des Altmains und den schönen Weinort Sommerach, hier bildet sich auch der Ursprung für außergewöhnliche, feinfruchtige und elegante Weine. Der leicht erwärmbare Muschelkalkboden und die nach Süd-West ausgerichtete Lage bieten dafür optimale Voraussetzungen.

Peter J. König:  Alles ist bei einem Wein von der Bodenbeschaffenheit, dem Klima und der Kellerwirtschaft abhängig, wie kommen bei Ihnen diese Elemente zu einem besonders respektablen Ergebnis zusammen?

Frank Dietrich:   Qualität wächst im Weinberg – das ist Gesetz, doch gilt es diese im Keller zu erhalten. Die Trauben unserer Winzerfamilien werden getrennt nach Rebsorten, Weinbergslagen und Reifegrad schonend vinifiziert. In manchen Fällen werden einzelne Weinberge sogar in mehreren Selektionen geerntet und getrennt ausgebaut. Die Grundlage für große Weine sind hochreife und aromatische Trauben, die nur durch eine kompromisslose, an der Qualität orientierten Weinbergsbewirtschaftung gelesen werden können. Jede einzelne Parzelle wird individuell nach dem optimalen Reifestand geerntet. Nicht die Masse sondern die Güte steht für jede Winzerfamilie des Winzerkellers an erster Stelle. Die andere wichtige Komponente ist das Mikroklima und der besondere Boden. Der Katzenkopf gilt seit Jahrhunderten als herausragendes Terroir.

Helga König: Welche Traubensorten werden in den Weinbergen Ihrer Winzer angebaut, welche Weine werden daraus erzeugt und zu welchen Mengenverhältnissen werden sie angeboten?

Frank Dietrich: Wir bauen die Rebsorten Silvaner, Müller-Thurgau, Bacchus, Riesling, Kerner, Scheurebe, Rieslaner, Traminer, Domina, Regent, Spätburgunder und Schwarzriesling an. Unser Angebot reicht von Begleitern des Alltags bis zu trockenen Spitzengewächsen die Stammplätze auf internationalen Bestenlisten haben über grandiose Rotweine bis hin zu sinnlichen Süßweinen.

Peter J. König:  Bei welchen Weinsorten liegen Ihre Stärken und warum?

Frank Dietrich:  Beim Silvaner und bei den Rotweinen. Der Silvaner findet beste Bedingungen in Sommerach und die Rotweine sind Leidenschaft vom Weinberg bis in den Keller.

Helga König: Da Sie schon so lange Erfahrung mit dem gemeinsamen Winzerkeller Sommerach haben, wie muss man sich dabei die Entscheidungen des Weinmachens vorstellen?

Frank Dietrich:  Alle Entscheidungen richten sich nach dem Idealbild das wir von einem späteren Wein haben. Schon beim Rebschnitt haben unserer Winzer eine Vision im Kopf wie der Wein aus diesem Weinberg schmecken soll.

Peter J. König: Mit welchen Konzepten bringen Sie Ihre Weine den Weinliebhabern nahe und wie sprechen Sie die jüngeren Generationen an?

Frank Dietrich: Weinreich heißt erleben & genießen, eintauchen in unsere Philosophie, so z. B. die Sommerbar! Das bedeutet Feierabend, Füße hoch und bei entspannter Musik, leckerem Wein und kleinen Köstlichkeiten der Region in die Sonne blinzeln. Die Sommerbar ergänzt das bisherige Konzept, das immer auch das besondere Lebensgefühl im Ort an der Sonnenseite des Flusses ausdrückt. Täglich bei schönem Wetter und den ganzen Sommer lang – für alle, die die warme Jahreszeit im Freien genau so lieben wie die Winzer Sommerach. Wer Weinwissen erleben will ist richtig in der Weinschule des Weinreichs, hier kann man ausgiebig seine Sinne trainieren und viel Neues rund um den Wein lernen. In dieser Schule ist Weingenuss ausdrücklich Pflicht! In Zusammenarbeit mit Markus Grein und seinem Team veranstalten wir acht Mal im Jahr unseren Weinreich Kochkurs. Zu verschieden Themen legen Sie selbst Hand an und kochen unter fachkundiger Anleitung Schritt für Schritt Ihr eigenes Gourmetmenü. Egal ob Anfänger oder Hobbykoch, hier können Sie Ihr Basiswissen durch ausgesuchtes Fachwissen bereichern und von den kreativen Künsten eines Profikochs faszinieren. Markus Grein lüftet seine Küchengeheimnisse und wir füllen ihr Glas mit Geschmackserlebnissen. Am Ende gibt es alle Rezepte zum Nachkochen für zuhause. – Ein tolles Erlebnis, nicht nur für die jüngere Generation.

Helga König:  Sie werden ja nicht nur für Ihre wunderbaren Silvaner gerühmt, neben dem Riesling ist es der Spätburgunder, der immer wieder hervorragende Ergebnisse liefert. Was unterscheidet Ihren Spätburgunder z.B. von einem solchen Gewächs vom Kaiserstuhl oder gar aus Burgund?

Frank Dietrich:  Die Nähe zu Burgund ist nicht zu verleugnen. Mit den Muschelkalkböden und dem eher trockenen, gemäßigten Klima haben wir fast ähnliche Voraussetzungen. Burgund gilt für uns auch als geschmackliches Vorbild. Baden dagegen andere Böden und Voraussetzungen.

Peter J König:  Wie sieht es mit dem Export der Sommeracher Weine aus und werden diese Topfen auch außerhalb Frankens gerne getrunken? 

Frank Dietrich: Ja, das werden Sie. Der Winzerkeller exportiert seine Weine in mittlerweile 13 verschiedene Länder. Gerade Südostasien ist sehr an fränkischen Süßweinen interessiert.

Helga König: Wir sind ja auf der Frankfurter Buchmesse bei der Vorstellung von Pater Anselms Buch“ Wein- Geschenk des Himmels und der Erde“ bei dem Ausschank von Weinen des Sommeracher Winzerkellers auf Sie gestoßen, wie fügt es sich, dass gerade Sie die Fürsprache dieses großen Gottesmannes erlangen konnten?

Frank Dietrich:  Schon im frühen Mittelalter unterhielten die Benediktiner der Abtei Münsterschwarzach und der direkt in Sichtweite liegende Weinbauort Sommerach eine innige Verbindung. Waren es doch die Klöster und die Mönche, die den Wein in unser Frankenland brachten. „Ora et labora“; wurde auch zum Wahlspruch des Winzers, der mit der Natur arbeitet. Allein der in den 1950er Jahren bei dem Mainkanalausbau entdeckte Geheimgang zwischen dem Sommeracher Zehnthof und der Abtei Münsterschwarzach spricht eine deutliche Sprache. So war es auch in Kriegszeiten immer möglich, Zugriff auf die wehrhaft befestigten Sommeracher Weinkeller zu haben. Der alte Flurname „Kösterei“ geht auf diese Zeit zurück und zeigt dadurch die Verbindung zwischen dem Klerus und dem Sommeracher Wein. Für uns Winzer ist der spirituelle Blickwinkel auf unsere Weine faszinierend und auch eine neue Erfahrung.

Lieber Herr Dietrich, für das aufschlussreiche Interview danken wir Ihnen  herzlich.

Helga  und Peter J. König:

Hier der Link zu WINZER  SOMMERACH  DER WINZERKELLER: www.winzer-sommerach.de
 

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