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Helga König im Gespräch mit Günter von Lonski

Lieber Herr von Lonski, dieser Tage habe ich Ihren Hannover-Krimi "Eis!" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen. 

Helga König: Was hat Sie in Ihrem neuen Krimi dazu veranlasst, sich gerade mit dieser Thematik zu befassen? 

Günter von Lonski
Günter von Lonski:  Über allem steht für mich der Begriff “Hilflosigkeit“. Eltern sind machtlos, betroffene Mädchen können sich kaum wehren und die Polizei sieht keine Möglichkeit einzugreifen. In jungen Jahren der ‘ersten Liebe‘ aufgesessen, folgen für die jungen Mädchen Jahre, Jahrzehnte, oft ein Leben in Abhängigkeit und Ausbeutung. 

Helga König: Dass junge Mädchen verliebt sind, ist nichts Neues, doch seit wann wird dieses zarte Gefühl kriminell seitens junger Männer ausgenutzt? 

Günter von Lonski:  Frauen werden durch Drogen, Gewalt, auch durch Zuneigung hörig gemacht, damit sie funktionieren. Dass aber junge Männer systematisch nach Schulmädchen suchen, um sie zu Huren heranzuziehen, ist ein bisher unbekanntes Phänomen, das Eltern, Lehrer und Polizei überfordert. 

Helga König: Haben Sie bei der Recherche zu Ihrem Buch tiefer schürfende Erkenntnisse erlangt? 

Günter von Lonski:  Da maße ich mir nichts an. Ich bin kein Philosoph, ich habe nur einen Krimi geschrieben. Und zünde jeden Abend eine Kerze an: Heiliger St. Florian, verschon‘ mein Haus

Helga König: Meinen Sie, dass diese kriminellen Erscheinungsformen der westlichen Dekadenz zuzuschreiben sind? 

Günter von Lonski: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dekadenz auf den Westen beschränkt ist. Prag, St. Petersburg, Bukarest – gehört das auch alles schon zur westlichen Dekadenz? Ob westlich oder östlich, ob Dekadenz oder nicht, es ist einfach eine unmenschliche Sauerei, wie die Gesellschaft mit sich selber umgeht.

Helga König: Sehen Sie Ihre Protagonisten lieber im strahlenden Glanz oder folgen Sie ihnen lieber in die Abgründe des menschlichen Seins? 

Günter von Lonski: Mich faszinieren beide Seite, weil sie so dicht beieinander liegen – die Leichtigkeit des Seins und die Brutalität des Ists. 

Helga König: Werden Sie weiterhin in ähnlicher Thematik schriftstellerisch unterwegs sein, d.h., werden Sie sich mit anderen Verbrechen an Kindern befassen, z.B. Säuglingsmord oder Körperverletzung durch Eltern? 

Günter von Lonski:  Die aufgezeigten Themen erschrecken mich. Aber ich werde mich vor keinem Thema drücken können, wenn sie mich ‘anfassen‘, und ich mich ihnen gewachsen fühle. Aber im Augenblick erhole ich mich gerade bei einem neuen „Wesemann“ und das Thema des nächsten Hannover-Krimis um Marike Kalenberger werden betrügerische professionelle Betreuungen sein.

Helga König: Welche Resonanz erhalten Sie von Ihren Lesern, wenn Sie sich derartiger Themen annehmen?  

Günter von Lonski: ‚Eis!‘ ist gerade erst auf dem Markt, aber ich weiß bereits von einer Lehrerin, dass sie das Thema ‘Loverboys‘ anhand des Buches im Unterricht besprechen wird.

Helga König: Lieber Herr von Lonski, denken Sie auch mal an einen erotischen Roman, der nicht im Vorfeld der sexuellen Aktivität beendet ist, wie Sie es Marike Kalenberger im vorliegenden Krimi erleben ließen?

Günter von Lonski:  Schon merkwürdig: Ein Hauptthema des Krimis ‘Eis!‘ ist Sex und dann kommen fast keine sexuellen Aktivitäten vor. Das Thema verträgt einfach keine voyeuristischen Blick. Aber wenn es zu einem Thema passt, kann es auch mal richtig zur Sache gehen – siehe ‘Mord auf dem Schützenfest‘.

Helga König: Skizzieren Sie doch bitte einmal, wie Sie ein Buch angehen, damit der Leser eine Vorstellung bekommt, wie sehr ein Autor sich quälen muss. 

Günter von Lonski:  Hoffentlich hat kein Leser jemals den Eindruck, dass ich mich ‘quälen‘ musste. Ein halbes Jahr schreibe ich fast jeden Tag an einem neuen Buch – also eher an einer neuen Geschichte. Ich konzentriere mich zwar aufs Schreiben, kann aber nicht verhindern, durch Nachrichten, Ereignisse, Gespräche auch andere Themen interessant zu finden. Und wenn sich dann eins dieser Themen festsetzt, mich verfolgt und immer wieder einholt, habe ich das Thema für den nächsten Krimi gefunden. 

Helga König: Wo bleibt Wesemann. Ist er vielleicht gestorben oder spürt er erneut ein Verbrechen auf?

Günter von Lonski:  Wesemann kann es nicht lassen. Will eigentlich ein wenig kürzer treten, sich intensiver seinem chaotischen Privatleben widmen. Aber dann gibt es da diese Knochenfunde in der Kleingartenanlage am Töneböns-Teich. Menschenknochen, sagt Heinrich Lange und der hat bei einem Bestatter gearbeitet. Doch so überraschend die Knochen auftauchen, verschwinden sie auch wieder. Ohne Beweismittel kann HK Bertram da nicht eingreifen. Und dann bricht plötzlich in einigen Parzellen ungewöhnlicher Wohlstand aus. Niemand scheint misstrauisch zu werden, nur die etwas ungewöhnliche Grete Stepphan will Licht in die dunklen Laubengänge bringen und zieht Hubert Wesemann immer tiefer hinein in einen verwinkelten und verwickelten Fall. Wesemann muss zu Spaten, Harke und Gießkanne greifen, um undercover zu ermitteln und wird fündig …

Lieber Herr von Lonski, herzlichen Dank für das wieder einmal  aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

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