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Helga König im Gespräch mit Rotraud Pöllmann, Leiterin des Büchnerhauses in Riedstadt/Goddelau

Sehr geehrte Frau Pöllmann, Sie sind Leiterin des Büchnerhauses in Riedstadt und die Verfasserin des Begleitwortes zu dem wunderbaren Roman Udo Weinbörners "Georg Büchner – Das Herz so rot" aus dem dieser kürzlich im Nebengebäude des Büchnerhauses gelesen hat.

Helga König: Können Sie unseren Lesern etwas zur Geschichte des Büchnerhauses berichten?

Rotraud Pöllmann

Rotraud Pöllmann: Der älteste Holznachweis dieses Fachwerkhauses stammt aus dem Jahre 1665. Bis 1808 wurde das Gebäude erweitert bis auf die heute noch erhaltene Größe. Georg Büchners Vater ernannte man 1812 zum Chirurgen im heutigen Philippshospital. Sein Sohn Georg wurde am 17. Oktober 1813 im sogenannten Büchnerhaus geboren und in der evangelischen Kirche am 28.Oktober 1813 in Goddelau getauft. 1815 dann erfolgte der Umzug der Familie in die Hospitalstraße 22. Das Büchnerhaus, es ist der letzte Originalschauplatz der an Büchner erinnert, ist heute im Besitz der Stadt Riedstadt. Träger des 1997 sanierten und denkmalgeschützten Hauses ist der Förderverein Büchnerhaus e.V. In diesem Haus wird seither die Dauerausstellung „Von Goddelau zur Weltbühne“ gezeigt, die Büchners Leben und sein Werk beschreibt. Die Bibliothek führt Literatur über den Dichter, Erstausgaben seiner Werke sowie Sonderausgaben. In den Nebengebäuden und im Hof finden auch Lesungen, Vorträge und andere kulturelle Veranstaltungen statt.

Helga König: Welche Aufgabe obliegt Ihnen, liebe Frau Pöllmann, im Büchnerhaus? 

Rotraud Pöllmann: Ich bin in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführerin des Fördervereins für die Termine, Besuchsbetreuung, organisatorische Fragen, Programmgestaltung und Vereinsverwaltung verantwortlich. Zudem beantworte ich schriftlich und telefonisch Fragen, stelle erbetene Materialien zusammen, bringe sie zum Versand und bin überwiegend für die Besucherbetreuung zu den regelmäßigen Öffnungszeiten zuständig, ferner auch für Sondertermine bei Veranstaltungen des Fördervereins und des Kulturbüros und treffe u.a. Absprachen mit den ehrenamtlichen Kollegen und Kolleginnen. Ich vertrete den Förderverein bei Tagungen und Arbeitstreffen, nicht zuletzt beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und beim Museumsverband. Hinzu kommen Gespräche mit vielen Büchnerfreunden und Vertretern anderer Büchner relevanter Einrichtungen sowie diverse Aufgaben mehr. Diese alle aufzuführen, sprengt den Rahmen des Interviews.

Helga König: Berichten Sie doch bitte etwas zum Förderverein Büchnerhaus e.V.

Büchnerhaus
Rotraud Pöllmann: Der Verein hat die Renovierung für das unter Denkmalschutz stehende Geburtshaus Georg Büchners in Riedstadt-Goddelau, Weidstraße 9 von 1995- 1997 eigenständig durchgeführt. Zudem hat er die Aufgabe an der Museumskonzeption mitzuwirken. Dazu verfolgt er ausschließlich gemeinnützige Zwecke auf den Gebieten der Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur und des Denkmalschutzes. Der Satzungszweck wurde insbesondere durch die Sanierung des Geburtshauses verwirklicht, sowie der bestehenden Nebengebäude, die Einrichtung einer Dauerausstellung und als Ort für Lesungen, Vorträge und anderer Veranstaltunge, sowie die Sammlung von Materialien und Büchern, die die Kenntnisse über Georg Büchner und sein Leben erweitern und verbreiten. Dabei ist der Verein selbstlos tätig und verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. 

Helga König: Wodurch zeichnet sich die Bibliothek des Büchnerhauses aus? 

Rotraud Pöllmann: Die Bücher verdanken wir zahlreichen Stiftern. Die Bibliothek ergänzt in idealer Weise die kompakten Informationen in der Ausstellung und kann jederzeit zur Beantwortung von Fragen oder als Grundlage für die Erarbeitung von Referaten genutzt werden. 

Helga König: Welche Veranstaltungen finden auf dem Gelände des Büchnerhauses statt? 

Rotraud Pöllmann: Die geringe Raumkapazität erlaubt lediglich Lesungen, Vorträge und kleinere musikalische Veranstaltungen. Da die Erlöse des Fördervereins Büchnerhaus e.V. zur Bedienung der Hypothek (die seit Beendigung der Renovierung auf dem Anwesen liegt) verwendet werden müssen, können Referenten/Interpreten kein Honorar erhalten (daher Benifizveranstaltung). Das Gewinnen der Referenten für Benefizveranstaltungen erfolgt in der Regel durch Vorschläge der Mitglieder oder auch Besucher, bzw. durch Angebote. Für Ausstellungen in der Galerie melden sich mehr Künstler als wir berücksichtigen können. Die Programmgestaltung wird mit dem Vorstand des Fördervereins Büchnerhaus e.V. besprochen. Das Kulturbüro der Stadt Riedstadt bietet ebenfalls Veranstaltungen am Büchnerhaus an. 

Helga König: Alljährlich wird der Büchnerpreis in Darmstadt verliehen. Welchen Einfluss hat hier der Förderverein Büchnerhaus e.V.? 

Rotraud Pöllmann: Der Preis wird von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt verliehen. Die Büchnerpreisträger werden zu Lesungen am Büchnerhaus eingeladen.

Helga König: Sie haben das Begleitwort zu Udo Weinbörners Roman „Georg Büchner- Das Herz so rot“ verfasst. Warum sollte man den Roman lesen? 

Rotraud Pöllmann: Der Roman erzählt aus Büchners Perspektive im historischen Rückblick ein spannendes und bewegendes Leben. Der Autor ist seinem Protagonisten ganz nah, weicht ihm in keinem Kapitel von der Seite. So entsteht ein Spannungsbogen, der weit über den Revolutionär Büchner ins Private hineinreicht, ein Epos von Leben und Überleben, ein historischer Roman, der Hoffnungen und Enttäuschungen, der Liebe und des Verrats. Weinbörners Roman ist eine literarische Liebeserklärung mit tragischem Ende. Den Revolutionär und Schriftsteller Georg Büchner kennt man- man kennt ihn nicht zuletzt, weil der wichtigste Literaturpreis Deutschlands seinen Namen trägt- dem Menschen Georg Büchner, den großen Liebenden, den Suchenden und tragisch Scheiternden hingegen, kommt der Roman auf wunderbare Weise näher. Auch wenn ein Roman kein Sachbuch über Büchner zu ersetzen vermag. Dieses Buch ist für mich ein Glücksfall und es war längst überfällig. 

Liebe Frau Pöllmann, danke für die Beantwortung der Fragen, Ihre Helga König


Öffnungszeiten des Büchnerhauses:  DO: 14-18 Uhr und So: 14- 18 Uhr.

Spendenkonto des Fördervereins: Kreissparkasse  Groß Gerau  BLZ 508 525 53
Konto- Nr.  7095862,  Groß-Gerauer Volksbank eG- BLZ 508  925  00, Konto.Nr. 760  495 05



Spendenquittungen werden ausgestellt.

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