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Helga König im Gespräch mit Nikolaus Brandstätter

Lieber Herr Brandstätter, im Laufe der vergangenen Jahre habe ich zahlreiche Bücher Ihres Unternehmens, Christian Brandstätter Verlag GmbH gelesen und rezensiert. Deshalb auch möchte ich Ihnen heute einige Fragen zu Ihrer Firma stellen.


Helga König: Ihr Verlag ist 30 Jahre alt. Grund also, um zu feiern. Können Sie den Lesern ein wenig zur Verlagsgeschichte berichten?


 Nikolaus Brandstätter
Nikolaus Brandstätter: Als mein Vater 1982 mit seinem neuen Verlag antrat, um bebilderte Bücher zu revolutionieren, hatte er bereits zahlreiche preisgekrönte Werke herausgegeben. Mit seiner kleinen, aber feinen Bücherwerkstatt in Wien erregte er schnell internationales Aufsehen. Das Erfolgsgeheimnis ist bis heute unverändert: die Verbindung von innovativen Themen mit außergewöhnlichem Design. Im Vorwort des ersten Verlagsprogramms formulierte er schon damals mutig in Richtung der großen Verlagskonzerne: Alle reden von nicht austauschbaren Büchern, wir machen sie. In den letzten 30 Jahren haben wir fast 2.000 Bücher von renommierten Autoren und Persönlichkeiten wie André Heller, Senta Berger, Christoph Ransmayr, Gerhard Roth, Ewald Plachutta, Eckart Witzigmann u.v.a. verlegt.

Helga König: Sie sind nun in die Fußstapfen Ihres Vaters getreten. Wird dies für den Verlag Veränderungen im Verlagsprogramm bedeuten?


Nikolaus Brandstätter: Unsere Unternehmensphilosophie ist das Verlegen von unverwechselbaren und innovativen Büchern. Wir werden weiterhin Impulse auf allen Gebieten setzen, die das Leben bereichern und Freude schenken – von Kochen & Genießen bis Kunst & Kultur. Als eines der letzten wirklich unabhängigen Verlagshäuser können wir dieses Ziel konsequent verfolgen, ohne Kompromisse einzugehen.

Helga König: Ihr Verlag ist in Österreich ansässig. Haben Autoren Ihres Landes Vorrang vor Autoren anderer deutschsprachiger Länder, wenn es ums Verlegen von Büchern geht? Welche Referenzen müssen junge Autoren vorweisen, um Gehör in Ihrem Lektorat zu finden?


Nikolaus Brandstätter: Durch unseren Verlagsstandort Wien ergeben sich natürlich gewissen regionale Bindungen und Netzwerke, aber wir haben Autoren aus dem ganzen deutschen Sprachraum im Programm. Im übrigen haben wir seit 2007 auch ein Büro in München, wo ich mich sehr oft aufhalte. Früher war es die Regel, dass Autoren mit Projektvorschlägen auf uns zugekommen sind. Inzwischen hat sich das etwas verändert. Ein Großteil der Buchthemen wird bei uns im Haus entwickelt und wir suchen uns dann besten Autoren für die Umsetzung. Aber es kommt natürlich auch immer wieder vor, dass uns ein Autor mit einem innovativen Konzept überzeugt.

Helga König: Ihr Starautor im Bereich "Kochen und Genießen" scheint der Sternekoch Plachutta zu sein. Ist "Der goldene Plachutta" sein Geschenk an Ihren Verlag zum 30 jährigen Bestehen? Vermuten Sie in diesem Kochbuch Ihren Haupt-Bestseller im Herbst? Was sagen die Marktanalysen?


Nikolaus Brandstätter: Wir haben mit Ewald Plachutta schon vier Bücher gemacht, die sich insgesamt über einen Million Mal verkauft haben, und gehen natürlich davon aus, dass auch sein neuestes Werk die Bestseller-Listen stürmen wird. Denn es ist das Lebenswerk eines der erfolgreichsten Kochbuchautoren im deutschsprachigen Raum – mit allen Rezepten, verpackt in einen edlen Gold-Leineneinband. Große Erwartungen haben wir auch an das wunderschöne Weihnachtsbuch von Johann Lafer und Desirée Treichl. 


Helga König: Neugierig bin ich auf das Buch "Gartenparadiese Meisterwerke der Gartenarchitektur." Können Sie den Lesern dazu kurz etwas berichten?


Nikolaus Brandstätter: Auf dieses Buch sind wir besonders stolz. Es ist das Ergebnis einer mehr als 15 Jahre langen fotografischen Weltreise. Johann Kräftner gibt auf über 400 Seiten atemberaubende Einblicke in geheime Privatgärten und Meisterwerke der Gartenarchitektur.

Helga König: Weshalb sollten sich kunstinteressierte Wien-Reisende das Buch "Die Kunstkammer- Die Schätze der Habsburger" in diesem Jahr vom Christkind wünschen?


Nikolaus Brandstätter: Die Kunstkammer in Wien, wo die sagenhaften Schätze der Habsburger aufbewahrt werden, ist seit 10 Jahren wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Unser Prachtband erscheint vier Monate vor der offiziellen Eröffnung und gibt exklusive Einblicke in die Welt der Dynastie, die fast 1.000 Jahre die Geschicke Europas bestimmt hat.

Helga König: Können Sie den Lesern etwas zu Ihrer Serie"Die besten Bildbiografien der großen europäischen Metropolen" berichten?


Nikolaus Brandstätter: Wir haben die Reihe vor einigen Jahren mit Wien um 1900 gestartet. Inzwischen sind Bände zu Berlin, Paris, London, München und Moskau erschienen. Es geht immer um die "Belle Époque", also jene goldene Zeit, wo eine Stadt in den Fokus der Welt gerückt ist und ihr kreativer Motor war. Der inhaltliche Bogen spannt sich von Kunst über Architektur bis zum Film.

Helga König: Ich weiß es zu schätzen, dass Ihr Verlag in diesem Herbst ein Buch mit dem Titel "Jüdisches Wien" veröffentlichen wird. Können Sie den Lesern zu diesem Buch kurz etwas mitteilen?


Nikolaus Brandstätter: Joachim Riedl, der Wiener Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, lässt mit zahlreichen Bilddokumenten und begleitenden Essays Glanz und Tragödie der Juden in Wien wiederaufstehen. Einst beherbergte Wien eine der größten jüdischen Gemeinden Europas. Jüdischen Künstler, Schriftsteller, Intellektuelle sind aus dem Geistesleben der Stadt nicht wegzudenken. Und sie haben auch wesentlich dazu beigetragen, dass Wien um 1900 zum Kristallisationspunkt der Moderne wurde. 

Helga König: Was versprechen Sie sich von dem Saison-Buch „Fröhliche Weihnachten“, ist es ein Standardwerk, das man alle Jahre wieder benutzen kann?


Nikolaus Brandstätter: Bei der Konzeption schwebte uns das ultimative Hausbuch für eine unvergessliche Advent- und Weihnachtszeit vor: mit Rezepten, Geschichten und Dekoideen. Und wir sind sehr stolz, dass wir Starkoch Johann Lafer für den kulinarischen Teil gewinnen konnten. Dieses Buch ist ein stimmungsvolles Plädoyer für entspanntes und besinnliches Feiern, zeitgemäß und voll gelebter Tradition.

Lieber Herr Brandstätter, ich danke Ihnen herzlich für dieses erhellende Interview.

Helga König

Link zum Christian Brandstätter Verlag GmbH: www.cbv.at

Kostenfreies Foto aus dem Bestand von Nikolaus Brandstätter- der Fotograf ist mir nicht bekannt.

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