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Helga König im Gespräch mit Hanne Müntinga und Michael Niessen

Liebe Frau Müntinga, lieber Herr  Niessen, vor geraumer Zeit habe ich Ihr Buch "Hausbooturlaub  Frankreich" rezensiert und möchte Ihnen heute dazu einige Fragen stellen.

Helga König: Sie beschreiben in Ihrem Reiseführer vier Hausbootreviere in Frankreich. Wie oft muss man in diesen Regionen unterwegs gewesen sein, um ein solch kenntnisreiches Buch verfassen zu können? 

Michael Niessen
Michael Niessen: Um mich mit dem Hausbootvirus anzustecken reichte eine einzige Reise in den 90er Jahren aus, der weitere Hausboottouren in verschiedenen Revieren folgten. Das Geheimnis des Buches steckt in der Vorbereitung. Bevor Hanne und ich in den Jahren 2010 und 2011 knapp 7 Wochen Frankreich bereisten und mehrere tausend Fotos entstanden und die Geschichte zu Papier gebracht wurde, haben wir das Buch und die Reisen monatelang geplant. Jeder Ort an den Kanälen und auf der Hin- und Rückstrecke wurde genau unter die Lupe genommen. Was gibt es hier zu sehen? Wo gibt es gastronomisch empfehlenswerte Restaurants und Einkaufmöglichkeiten? Welche Hotels entsprechen unseren Kriterien? Das Ergebnis waren sehr viele Informationen, die in unsere Tagesplanung in Frankreich eingeflossen sind und vor Ort ergänzt wurden.

Helga König:  Waren Sie sich von Anfang an über die Schwerpunkte im Buch einig und wenn ja, um welche handelt es sich hierbei? 

Michael Niessen: Grundsätzlich standen die Schwerpunkte fest. Die Idee, einen solchen Reiseführer zu schreiben, entstand bereits im Jahre 2006, als ich eine Woche mit einem Hausboot in Aquitanien unterwegs war. Die Hin- und Rückfahrt mit dem Auto glich einer Rundreise durch Frankreich, bei der ich mich auch einige Tage im Bordeaux, in der Charente und an der Loire aufhielt. Da ich die sehr gute französische Küche und die Hotels in historischen Gebäuden sehr schätze, hatte ich einen Restaurantführer, einen Hotel-Guide, einen Reiseführer und die unverzichtbaren Kanalkarten dabei. Also eine halbe Bibliothek. Zurück in Deutschland habe ich ein grobes Konzept für einen Reiseführer entwickelt, der nur empfehlenswerte Restaurants, authentische Hotels in historischen Gemäuern und einige herausragende Sehenswürdigkeiten enthalten soll und einem Hausbooturlauber ermöglicht, ein interessantes Rahmenprogramm zu gestalten, das den Hausbooturlaub zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Das ist das zentrale Anliegen des Buches. Leider fehlte mir damals die Zeit, um diesen Reiseführer zu realisieren.

Hanne Müntinga

Hanne Müntinga: Das änderte sich jedoch Anfang 2010 und Michael fragte mich, ob ich mir als Grafikdesignerin und Fotografin vorstellen kann, dieses Projekt gemeinsam mit ihm zu realisieren. Dass ich dazu nicht nein sagen konnte, versteht sich von selbst. Danach haben wir das Konzept gemeinsam verfeinert und schließlich in die Tat umgesetzt.

Helga König: Welches technische Wissen sollte man haben, wenn man sich auf eine solche Reise begibt? 

Hanne Müntinga: Technisch sind die Boote überhaupt nicht kompliziert. Was man aber in jedem Fall wissen sollte ist, wie man ein Boot im Hafen richtig festmacht und wie man ein Boot in Schleusen mit der Leine sichert. Zur Bordausrüstung gehört das Bordbuch und ein Kartenheft der Editions du Breil, in dem auch gezeigt wird, wie man Knoten macht. Auch werden Warnhinweise gegeben, dass man ein Boot in einer Schleuse niemals fest verknoten darf, da sich das Boot sonst beim Talwärts schleusen aufhängt und erhebliche Schäden entstehen können. Auch werden die diversen Verkehrsschilder in diesen beiden Heften erklärt. Mehr muss man nicht wissen. Wir geben in unserem Buch noch ein paar Tipps zum Steuervorgang, die leicht umzusetzen sind. 

Michael Niessen: Wenn man Autofahren kann, ist das eine gute Voraussetzung, um auch schnell zu lernen, sicher mit einem Boot umzugehen. Um die elektrischen Schleusen bedienen zu können, reicht es aus zu wissen, wie man einen Fernseher oder eine Kaffeemaschine einschaltet. Ergo, man muss kein technisches Genie sein, um Spaß am Hausbootfahren zu haben. 

Helga König:  Was macht den grundsätzlichen Reiz solcher Kanal- Fahrten aus? 

Hanne Müntinga: Für mich ist es die geringe Geschwindigkeit und die Möglichkeit, sofern es nicht ausnahmsweise mal regnet, den ganzen Tag an der frischen Luft zu verbringen und sich dabei auf den Nachmittag und Abend an einem neuen Ort zu freuen. 

Michael Niessen: Wenn man mit dem Auto reist, hat der Fahrer sehr wenig von der Landschaft, weil er sich auf den Straßenverkehr konzentrieren muss. Der jeweilige Steuermann hat dagegen die Möglichkeit auch die Landschaft in vollen Zügen zu genießen. Außerdem macht es sehr viel Spaß, die Orte bei denen man anlegt, zu erkunden und an fast jedem Tag ein gutes Restaurant kennen zu lernen. 

Helga König: Mit wie vielen Personen sollte man maximal unterwegs sein und sollten bestimmte Verhaltensmuster während der Reise im Vorfeld abgeklärt werden?

Michael Niessen: Das ist sicherlich Typabhängig und hängt natürlich auch von der Bootsgröße ab. Wir empfehlen im Reiseführer darauf zu achten, dass für jedes Crewmitglied eine Kajüte vorhanden ist und der Wohnraum nicht jeden Tag umständlich zum Schlafplatz umgebaut werden muss, was in den meisten Booten aber möglich ist. Ich assoziiere Bootfahren mit Freiheit. Das heißt, jeder sollte seinen Freiraum haben, einfach mal nur faul an Deck zu liegen oder sofern möglich, die Füße im Wasser baumeln zu lassen. Wenn sich eine Crew bei den anstehenden Arbeiten abwechselt, gibt es meiner Ansicht nach nur wenig Raum für Stress. 

Helga König:  Was waren die absoluten Highlights Ihren Reisen? 

Hanne Müntinga: Ich fand die Küstenregion der Charente besonders reizvoll. In Marennes direkt am Meer in der Sonne zu sitzen und köstliche Austern zu genießen, hört sich unspektakulär an, ist aber ein schönes Stück Lebensqualität. Für mich als Gourmet empfand ich es als permanentes Highlight, an einem Reiseführer mitzuarbeiten, bei dem das tägliche Testen von französischen Restaurants zum „Arbeitsprogramm“ gehörte. Wo ich in jedem Fall nochmal einige Tage verbringen möchte, ist das Land der Katharer, das sich südlich des Canal du Midi bis in die Pyrenäen erstreckt. Landschaftlich ein absolutes Highlight. 

Michael Niessen: Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil es auf den Reisen sehr viele außergewöhnlich schöne Erlebnisse gab. Ich erinnere mich immer gerne an den Abend in Auxerre, im Burgund zurück. Wir saßen mit unseren Freunden, die uns auf dieser Bootsreise begleiteten, noch lange an Deck und haben den Anblick der beleuchteten Altstadt und der beiden großen Hauptkirchen genossen, die sich im langsam vorbeiziehenden Fluss spiegelten. Diese Atmosphäre lässt sich nur schwer beschreiben, man muss so etwas selbst erlebt haben. In Aquitanien waren es für mich die Abteien Flaran und Moissac und das Abendessen im Restaurant Mariottat in Agen. Die Städte Rennes und Dinan in der Bretagne haben mich wegen der fantastischen Altstädte sehr begeistert. Am Canal du Midi hatten wir das Glück, die spanische Woche in Carcassonne mitzuerleben und haben einen unvergesslichen Abend im Restaurant Le Parc mit Musik und Tanz bei köstlichen Tapas erlebt. Nicht zuletzt bin ich auch vom Land der Katharer sehr begeistert. 

Helga König:  Können Sie Näheres zu Ihren Etappenplanungen sagen, sollte man sich an diese nach Möglichkeit halten und falls ja, wieso?

Michael Niessen: Sich an unserer Etappenplanung zu orientieren macht schon Sinn. Die beschriebenen Kanäle und Flüsse durchqueren überwiegend ländliche Regionen, was einer der Gründe ist, weshalb sie für uns die schönsten Strecken Frankreichs sind. Das bedeutet man kann die Landschaft und viel Natur genießen und kommt nur gelegentlich an einem kleineren oder größeren Ort vorbei. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit der Boote liegt je nach Gebiet zwischen 6 und 12 Stundenkilometern. Selbst die Fahrradfahrer sind schneller. Darüber hinaus wird die Strecke von Schleusen unterbrochen, die nur beschränkte Öffnungszeiten haben. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist und in einen Ort kommt, der einem dann doch nicht so gefällt, fährt man einfach weiter zum nächsten Ort. Das ist bei einem Boot aufgrund der geringen Geschwindigkeit und der Schleusen anders. Wenn man die Etappe nicht gründlich genug plant, kann man schon mal an einem Ort „hängen“ bleiben, der einem nicht gefällt oder in dem es nichts zu sehen gibt und der keine Lebensmittelgeschäfte hat, von einem gastronomischen Restaurant ganz zu schweigen. Unsere Etappenplanung haben wir daher so ausgearbeitet, dass sie aus dem jeweiligen Hausbootrevier aus unserer Sicht, sehr viel Erholung, Erlebnis und Genuss herausholt. 

Helga König:  Wie reagiert die Bevölkerung auf die Hausbooturlauber.  Welche Erfahrung haben Sie sammeln können? 

Hanne Müntinga: Generell lässt sich die Reaktion der Bevölkerung nicht einordnen. Das Sprichwort sagt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Es hängt daher meiner Ansicht nach vom Verhalten des einzelnen Urlaubers ab, wie er behandelt wird. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es von den Franzosen freundlich honoriert wird, wenn man sich wie ein Gast verhält und in das Gefühl und den Rhythmus des Landes eintaucht.

Michael Niessen: Während der Fahrt trifft man meistens auf andere Bootscrews, Fahrradfahrer und viele Angler, die meist freundlich zurückwinken und einen Grüßen. Auf die Angler sollte man besondere Rücksicht nehmen. Man sollte die Geschwindigkeit des Bootes drosseln und darauf achten, die Leinen nicht zu überfahren. Wenn man sich an diese kleine Regel hält, wird das freundlich aufgenommen. In den Restaurants, die wir getestet haben, waren wir inkognito unterwegs, das heißt wir haben uns nicht als Autoren zu erkennen gegeben. Die Restaurants mit einem unfreundlichen Service, überteuerter Speisekarte oder gar schlechter Küche, haben es gar nicht erst in unseren Reiseführer geschafft

Helga König:  Zum Ende Ihres Buches haben Sie die einzelnen Touren nach bestimmten Gesichtspunkten bewertet. Können Sie den Lesern hierzu etwas mitteilen und vielleicht auch, wer die erste Präferenz bei den beschrieben Touren für Sie beide hat? 

Michael Niessen: Bereits bei der Planung des Buches stand für uns fest, dass wir die vier Hausbootreviere vorstellen wollen, die aus unserer Sicht die schönsten sind. Das heißt, wir haben diverse Kanäle genau untersucht. Wir haben Gespräche mit den einzelnen Bootsvermietern über die beliebtesten Kanäle geführt und Dutzende von Reiseberichten gelesen und tagelang in Büchern und im Internet recherchiert, bevor wir die Auswahl für den Reiseführer festgelegt haben. Ergo verhält sich das ähnlich wie bei Restaurants, die von einem Restaurant-Guide bewertet werden. Ist ein Restaurant mit 17,5 von 20 möglichen Punkten schlechter als eines mit 18,0 von 20 Punkten? Die Antwort ist ein klares nein. Es sind nur Nuancen auf einem ohnehin sehr hohen Niveau. Vor diesem Hintergrund wäre eine Präferenz nur das subjektive Bekenntnis zu einer Vorliebe und kein objektives Statement. Es ist und bleibt halt Geschmackssache. 

Helga König:  Können Sie schon etwas zu neuen Projekten sagen? 

Hanne Müntinga: Außer einem weiteren Hausbootreiseführer mit anderen Revieren, planen wir auch eigene Projekte. Ich werde in gut einem Jahr mit einem britischen Autor für mehrere Monate nach Südostasien reisen, um dort an einem Reisebericht zu arbeiten. Zurzeit suchen wir noch nach einem englischsprachigen Verlag für dieses Projekt. 

Michael Niessen: Ich arbeite seit April an einem Konzept für einen Genussreiseführer „Neu England“, mit dem landschaftlichen Schwerpunkt „Indian Summer“. In den USA hat sich einiges für Feinschmecker getan und die Hotels in authentischen Gebäuden sind sehr reizvoll. Die wesentlichen Adressen und die Reiseroute stehen bereits fest. Was jetzt noch fehlt ist der Verlag, da dieses Projekt weniger bei einem Wassersportverlag wie der Edition Maritim ins Programm passt. 

Liebe Frau Müntinga, lieber Herr Niessen, herzlichen Dan für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Kontaktadressen zu den Autoren:
h.muentinga@gmx.de;
michaelniessen@t-online.de

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