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Helga König im Gespräch mit Maria Freifrau von Welser

Sehr verehrte Frau von Welser, vor einigen Tagen habe ich Ihr Buch "Heiter weiter! Vom glücklichen dritten Leben" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen.

Helga König: Weshalb fallen so viele Menschen nach dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben in ein tiefes Loch der Selbstbemitleidung und wieso sind selbst Akademiker davor nicht gefeit? 

 Maria Freifrau von Welser
Foto:Foto : Herlinde Kölbl
Maria Freifrau von Welser: Vielleicht machen sich die Menschen nicht wirklich klar, was dieser Schritt für sie bedeutet. Vor allem Männer organisieren sich nicht. Das halte ich für einen großen Fehler. 

Helga König: Sie sind stellvertretende Vorsitzende von UNICEF Deutschland und schreiben UNICEF kann jeden brauchen. Ist das eine Einladung an Menschen Ihres Alters, die nach einer sinnvollen, neuen Aufgabe suchen? 

Maria Freifrau von Welser: Klar, wir haben zwar 8000 Ehrenamtliche MitarbeiterInnen in 150 Arbeitsgruppen...aber wir können wirklich jeden engagierten Menschen brauchen! 

Helga König: Im Laufe meines bisherigen Lebens sind mir nicht wenige Menschen begegnet, die mit ihrem Alter nicht umgehen konnten, es nicht annahmen und verbittert, oft viel zu früh starben. Hilft älteren Menschen ein vernünftiges Coaching das Alter anzunehmen und wenn ja, weshalb?

Maria Freifrau von Welser:  Weil wir uns ja oft anders sehen, als uns die Umwelt wahrnimmt. Coaching hilft, die eigenen Stärken und Schwächen aufzudecken und zielorientiert dann dieses dritte Leben zu planen. 

Helga König: Im Kapitel über Wohnen schreiben Sie auch über Alters-WGs. Jeder, der in seiner Studentenzeit mit anderen in einer WG gelebt hat, weiß wie zersetzend die Diskussionen dort ablaufen können. Vermuten Sie, dass im fortgeschrittenen Alter die Vernunft für dauerhafte Harmonie in solchen Wohngemeinschaften sorgt? 

Maria Freifrau von Welser: Studenten wechseln da auch wieder schnell. In einer Alterswg sollte man sich länger Zeit lassen, um die Teilnehmer zu suchen und zu finden. Henning Scherf hat für sein mehr-Generationenhaus 10 Jahre gebraucht.

Helga König: Sich um Enkelkinder zu kümmern, falls vorhanden, ist sicher eine sinnvolle Beschäftigung. Sollten stets Absprachen mit den Eltern in Erziehungsfragen getroffen werden und wie sollten diese ausschauen? 

Maria Freifrau von Welser: Großeltern erziehen doch nicht. Das tun Eltern und die Schule. Großeltern sind deshalb so beliebt, weil sie eben nicht erziehen, sondern da sind. Und: natürlich müssen mit den Eltern Absprachen getroffen werden....

Helga König:  Worin sehen Sie den Sinn, im Alter von 70 oder 80 Jahren noch ein Studium zu absolvieren oder gar eine Doktorarbeit zu schreiben? 

Maria Freifrau von Welser: Weil man sich das vielleicht immer gewünscht hat? Nicht dazu gekommen ist? Für einen ganz persönlich, einfach ein tolles Gefühl....und ein Super-Erfolg!

Helga König:  Das Internet halte ich für ältere und sehr alte Menschen für überaus wichtig, weil es Ihnen die Möglichkeit bietet, in ihren Interessengebieten in Foren entsprechend zu kommunizieren. Sollten man die fokussierte Altersgruppe diesbezüglich mehr ermutigen und wenn ja, wer sollte es tun? 

Maria Freifrau von Welser: Unbedingt, ohne das Internet gibt es nicht die nötige Kommunikation zwischen den Generationen. Ich finde, dass man Menschen im dritten Leben noch intensiver mit dem Internet zusammen bringen muss.

Helga König: Wieso sollten ältere Menschen sich vor dem Gedanken hüten, dass früher alles besser war? 

Maria  Freifrau von Welser: Weil das nervt, vor allem die Jüngeren...

Helga König: Weshalb sollte man seinen alten Arbeitsplatz meiden? 

Maria Freifrau von Welser: Weil man stört, nicht mehr dazu gehört. Freunde aus dem Arbeitsumfeld kann man ja draußen treffen..

Helga König: Was können Menschen tun, um geistig und körperlich bis ins hohe Alter fit zu bleiben? 

Maria Freifrau von Welser: Wachsam sein, sich richtig ernähren, Sport und Bewegung hoch halten, und im Kopf immer neue Anregungen suchen und finden...

Liebe Frau von Welser, ich danke Ihnen für das erhellende Interview.
Ihre Helga König.
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