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Helga König im Gespräch mit Prof. Dr. Schmid

Sehr geehrter Prof. Dr. Schmid, vor einigen Tagen habe ich Ihr Buch »Die Liebe neu erfinden« rezensensiert. Heute möchte ich Ihnen hierzu einige Fragen stellen.

Helga König:  Ist die Sehnsucht nach Liebe im Grunde nur zu befriedigen, indem man mit dem körperlich ideal zu einem passenden Partner beischläft, nach dem Motto endlich sind wir wieder eine Kugel?:-))


Prof Dr. Schmid

Prof Dr. Schmid: Körperlich ist sehr vieles möglich, das muss nicht ideal sein, aber erfahrungsgemäß muss sehr viel Gefühl dabei sein, um eine Verschmelzung empfinden zu können.


Helga König: Ergänzen oder widersprechen sich die Werte Liebe und Freiheit?

Prof. Dr. Schmid: Gäbe es keine Angst um die Liebe und keine Eifersucht, müssten Liebe und Freiheit keine Widersprüche sein. Aber die Abwesenheit von Angst und Eifersucht kennen nur wenige.


Helga König: Ist der Liebesbegriff dem Wandel unterworfen oder ist sein Inhalt immer gleich?

Prof. Dr. Schmid: Liebe ist in jeder Epoche etwas Anderes, nicht etwas völlig Anderes, aber doch spürbar anders im Vergleich zur vorherigen Epoche. Erinnert sich noch jemand an die freie Liebe der 70er Jahre im vergangenen Jahrhundert? An die erzwungene Liebe noch früherer Zeiten?


Helga König
Helga König: Ist die Liebe per se in uns und entzündet sich an einem Objekt, um dann hell zu erglühen oder verhält es sich anders?

Prof. Dr. Schmid: Liebe ist eine Ausdrucksform von Energie, und da Menschen von Energie belebt werden, ist sie wohl per se in uns. Wenn die Liebe geht, geht sie nur zurück zum Gesamtpotenzial der Energie, aus dem heraus eine neue Liebe entsteht.


Helga König: Ist Liebe ohne Hingabe überhaupt möglich?

Prof. Dr. Schmid: Kommt darauf an, was unter Liebe verstanden wird (es gibt keine allgemeingültige Definition). Liebe, die sehr viel mit Gefühlen zu tun hat, ist ohne Hingabe nicht möglich, Hingabe wiederum nicht ohne Hinnahme der weniger erfreulichen Seiten von Gefühlen.


Helga König: Was verstehen Sie unter der seelischen Kunst des Liebens?

Prof: Dr. Schmid: Die Empfindung von Gefühlen, die geweckt, gesteigert, aber auch zurückgehalten und verleugnet werden können.


Helga König: Kann es in unserer virtuellen Welt wirkliche Liebesbeziehungen geben oder benötigt die Liebe immer des Blickkontakts?

Prof Dr. Schmid: Liebe kann es auch virtuell geben, nicht nur in der virtuellen Welt des Internet, sondern auch in der Vorstellung und Einbildung von Menschen, ohne jeden Kontakt zu einem wirklichen Menschen.


Helga König: Sie sagen Liebe und Freundschaft erfordern Vertrauen. Haben mißtrauische Menschen eine geringere Chance Liebeserfahrungen zu machen?

Prof. Dr. Schmid: Auch dort, wo viel Vertrauen ist, sollte es nicht absolut werden. Einfach als Vorsichtsmaßnahme, um nicht aus allen Wolken zu fallen und nicht allzu sehr enttäuscht zu sein, wenn es Anlass zum Misstrauen gibt. Vertrauen ist gut, mit ein wenig Misstrauen ist es noch besser. Zuviel Misstrauen ist schlecht für Beziehungen.


Helga König: Sie schreiben in Ihrem Buch: "Lebbar wird die Liebe mit der Atmung zwischen Ekstase und Askese, zwischen willfähriger Lüsternheit und willentlicher Keuschheit, um zwischen den Extremen einer Dominanz des Eros, die jeden Logos auslöscht, und einer Dominanz des Logos, die jeden Eros vernichtet, einen gangbaren Weg zu finden." Was heißt das konkret?

Prof. Dr. Schmid: Sich gelegentlich in Geilheit auflösen und dann wieder dem Grübeln frönen.


Helga König:  Ist ein Mensch nur dann liebesfähig, wenn er in der Lage ist, auch verzeihen zu können und Nachsicht zu üben?


Prof. Dr. Schmid

Prof. Dr. Schmid: Es gibt Dinge, die können nicht mehr verziehen werden. Abgesehen davon, ist jedoch Verzeihen und Nachsicht eine Grundlage der Liebe.



Lieber Prof. Dr. Schmid, ich danke Ihnen herzlich für das erhellende Interview.



Ihre Helga König
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