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Helga König im Gespräch mit SKH Luitpold Prinz von Bayern und Andreas E. Mach, Herausgeber des Buches "Tradition und Innovation", Callwey-Verlag

Liebe Königliche Hoheit Luitpold Prinz von Bayern, lieber Andreas E. Mach, Sie sind die Herausgeber des Buches "Tradition und Innovation". Dieses informationsreiche Werk habe ich vor einigen Tagen auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert und möchte Ihnen nun einige Fragen dazu stellen

Hier der Link zur Rezension: http://helga-koenig-gpw.blogspot.de/2015/07/rezension-tradition-und-innovation.html

Helga König: Hat es wirtschaftsgeschichtliche Gründe, weshalb Bayern für Familienunternehmen attraktiver ist als andere Bundesländer oder ist Eigenständigkeit ein besonderes Mentalitätsmerkmal der Bayern überhaupt?

 SKH Luitpold Prinz von Bayern
SKH Luitpold Prinz von Bayern: Bayern hat sich über lange Zeit Standortvorteile erarbeitet: Ein sehr hochwertiges, kulturelles Angebot, gute Infrastruktur, gute Ausbildung/Forschung und einen hohen Freizeitwert. Eigenständigkeit und Stolz auf Tradition und Land, sind die Folge. Damit ist es, besonders für qualifizierte Mitarbeiter, attraktiv in Bayern zu arbeiten. 

Andreas E. Mach: Bayern ist ein attraktiver Standort für Arbeitskräfte und Manager. Eine hohe kulturelle Bindung der Bevölkerung an ihre Heimat hält die Menschen hier und sie verlassen nicht selten ihren Wohnort und Arbeitsplatz ein ganzes Leben lang nicht. Es gibt Familienunternehmen in Bayern, im Allgäu beispielsweise oder in Oberbayern, wo Mitarbeiter über Generationen im selben Unternehmen arbeiten, eben bei den "hidden champion", die in ihren Regionen in hohem Masse Verantwortung für die Menschen und ihre Heimat übernehmen auf vielfältige Weise. Andererseits ist die Industriestruktur sehr heterogen, es gibt Medien, Hochtechnologie, Luft-und Raumfahrt und Dienstleistungsunternehmen, die international Arbeitnehmer anziehen, die gerne nach Bayern ziehen, nicht nur wegen des qualifizierten Arbeitsplatzes und der Aufstiegschancen sondern auch wegen des hohen Freizeitwertes der schönen Seen, Berge und Wälder in Bayern. 

 Helga König
Helga König: Inwieweit spielt die Nähe zum Glauben eine Rolle für eine intensivere Verbundenheit in der Familie, die Basis für ein gutes generationenübergreifendes Arbeiten in Familienbetrieben ist?

SKH Luitpold Prinz von Bayern: Die christliche Lehre, als ein Grundelement europäischer Kultur, hat einen moralischen Rahmen gesetzt, der zur sozialen Mitverantwortung, im Sinne der sozialen Marktwirtschaft geführt hat. Verantwortung und Rücksichtnahme sind in einem Familienunternehmen leichter umsetzbar als in einem rein gewinnorientierten Unternehmen mit shareholder value als Richtwert. 

Helga König: Können Sie den Lesern kurz erläutern, was man unter dem "Alphazirkel" zu verstehen hat und welche Vorteile sich die Mitglieder davon erhoffen dürfen?

 Andreas E. Mach
Andreas E. Mach: Der ALPHAZIRKEL wurde vor zehn Jahren als Arbeitsgemeinschaft von wirtschaftsberatenden Berufen und Familienunternehmern gegründet um einen geschützten Ort des Erfahrungs- und Meinungsaustausches mit moderierten Unternehmerdiskussionen zu haben über den Generationswechsel und die Zukunftssicherung von Familienunternehmen über Generationen. Heute ist der ALPHAZIRKEL ein internationales Familienunternehmernetzwerk, das Unternehmer in Bayern, in Deutschland, und über die Grenzen hinaus zum Beispiel in die Schweiz, Österreich, Südtirol, aber auch in die neuen Märkte der Türkei, des Nahen Ostens und Indien untereinander und miteinander vernetzt für den Austausch von Erfahrungen und für die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle in neuen Märkten.

Tausende von Familienunternehmern nehmen dieses Angebot auf unterschiedliche Weise an, indem sie unsere Unternehmerabende, Workshops, Familientage und Branchen Boardroom Meetings besuchen und damit auch unser anspruchsvolles Programm von Unternehmern für Unternehmer finanzieren.

Die Teilnahme ist nur auf persönliche Einladung möglich oder durch Registrierung auf unserer website, damit sich die Unternehmer auf Augenhöhe begegnen können, ohne irgendwelche Verpflichtungen eingehen zu müssen. Viele ALPHAZIRKEL Gäste bringen auch ihre potentiellen oder bereits ausgewählten Nachfolger mit, für die wir ein eigenes Angebot haben. Im Kern ist der ALPHAZIRKEL eine non-profit Organisation, weil wir alle Einnahmen wieder in Veranstaltungen, Publikationen und Studien investieren.

Helga König: Gibt es Analysen, weshalb es weltweit Drei Viertel aller Familienunternehmen nicht in die vierte Generation schaffen und gibt es zudem überzeugende Strategien diese Hürde erfolgreich zu überspringen?

SKH Luitpold Prinz von Bayern: Wie alt werden nicht familiengeführte Unternehmen im Vergleich? Was geschieht mit Familienunternehmen wenn Sie aus der Familie entgleiten? Meistens gehen sie ja weiter. Hierzu wären Fakten hilfreich! 

Andreas E. Mach: Tatsächlich gibt es in fast allen Kulturen ein Sprichwort über die dritte Generation im Familienunternehmen, und statistisch gesehen ist es so, dass lediglich etwa 20 % aller Unternehmen es in die vierte Generation schaffen. 

Deutschland:    "Der Grossvater erbauts, der Vater erhälts, beim Enkel zerfällts" 

Brazil. "Pai rico, filho nobre, neto pobre" (Reicher Vater, vornehmer Sohn, armer Enkel")

China:  "Fu bu guo san dai" (Reichtum überlebt keine drei Generationen).

Mexico: "Padre bodeguero, hijo caballero, nieto pordioser". (Vater Unternehmer, Sohn Playboy, Enkel Bettler) 

Italy: "Dalle stalle alle stelle alle stalle". "Vom Stall zu den Sternen zurück in den Stall."

Das zeigt einerseits, dass das Familienunternehmen als die vorherrschende Unternehmensform in allen Kulturen besteht, andererseits dass der Generationswechsel überall dieselben Herausforderungen hat. Mit der Globalisierung und dem raschen Technologiewandel, denken Sie ans Internet, sind diese Herausforderungen noch grösser geworden. Wenn wir zum Beispiel in der Türkei oder im Nahen Osten Familienunternehmen beraten, dann sehen wir die große Bewunderung für die Langlebigkeit der deutschen Familienunternehmen, die es besonders gut schaffen, Unternehmen über viele Generationen zu erhalten. Ich denke es hat etwas mit der Fokussierung und der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Familienunternehmer zu tun. 

Wenn die Firma im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und nicht das Wohlleben, das man sich durch großzügige Ausschüttungen, vielleicht eine Weile lang leisten kann, dann mache ich das Unternehmen stark und widerstandsfähig. Und wenn die Familiennachfolger die bestmögliche Ausbildung haben und diese Werte fortführen, dann haben sie gute Chancen, ihre Unternehmen erfolgreich weiterzuführen. Am Ende ist es eine Frage der Haltung. 

Wenn die Jugend schon mit 18 Jahren Ferrari fährt und First Class um die Welt jettet, ist sicher kein Platz, um die Demut vor dem Kunden, den Mitarbeitern, dem Management zu entwickeln, die es zweifelsohne braucht, um ein Unternehmen erfolgreich in der Familie zu halten. 

Nachdem Familien über die Generationen ja wachsen und mit ihnen die Anzahl der Gesellschafter müssen die Unternehmerfamilien häufig auch eine Entscheidung treffen, wie viel Familie gut ist fürs Unternehmen, und da spielt dann die Trennung von Kapital und Management eine große Rolle und die Fähigkeit kompetentes Managen ins Unternehmen zu holen und der Familie die Gesellschafterrolle zu geben, die auch gelernt sein muss. 

Helga König: Um ein Unternehmen über Generationen hinweg in wirtschaftlicher Blüte zu halten bedarf es immerwährender Innovation. Wie gestaltet sich diese im Hier und Jetzt in Ihrer Porzellanmanufaktur Nymphenburg?

 SKH Luitpold Prinz von Bayern
SKH Luitpold Prinz von Bayern: Die Porzellanmanufaktur ist und bleibt ein rein handwerklicher Betrieb auf höchstem Niveau. Innovation findet hier vor allem in Design und Kunst statt. Über Jahrhunderte wurden immer die besten stilbildenden Designer der jeweiligen Zeit eingesetzt, dies gilt auch heute noch. Die Aufgabe ist, den prägenden Stil des 21. Jahrhunderts zu formen. 

 Helga König
Helga König: Was macht die im Buch vorgestellten Familienbetriebe so besonders attraktiv, um sie gewissermaßen als Musterbeispiele dafür zu präsentieren, wie man es klugerweise machen sollte?

Andreas E. Mach:  In unserem Buch Tradition und Innovation ist uns eine gute Auswahl ganz unterschiedlicher Familienunternehmen gelungen, große, kleine, industrielle und handwerkliche. Was sie gemeinsam haben, ist die Fähigkeit, dass sie sich in ihrer Geschichte immer auf die sich verändernden Märkte und Zeiten haben einstellen und neu-erfinden können und so die Tradition bewahren, sie aber neu und innovativ interpretieren. Es gibt keinen Königsweg für das erfolgreiche Familienunternehmen über Generationen, denn so unterschiedlich wie die Unternehmen sind, so unterschiedlich sind auch die Familien, die sie besitzen. Gerade deshalb ist es so wichtig, die Geschichten der erfolgreichen Familienunternehmer aufzuschreiben und zu publizieren, damit Unternehmer und andere Leser herausfinden können, welche der Erfolgsfaktoren sie auch in ihren Familien ein-und umsetzen können. Mit viel Feingefühl und Können erzählt der Autor Christian Thiele die Geschichten der Unternehmerfamilien mit hervorragender photographischer Begleitung und Illustration durch Eng Kapitza. Wir sind beiden dankbar, dass sie damit das Buch als gebundenen Schatz an Werten und Erfolgsgeschichten für eine breitere Öffentlichkeit ermöglicht haben. 

Helga König: Sollten Familienunternehmer vom Adel Strategien übernehmen, die sich positive auf die Nachhaltigkeit ihrer Unternehmen auszuwirken vermögen und wenn ja welche?

Andreas E. Mach
Andreas E. Mach: Tradition und Werte, Zusammenhalt der Familie und die Primogenitur, also das Vermögen immer an den ältesten Nachfolger zu vererben (wenn er sich dafür als geeignet erweist) sind Vorbilder der europäischen Aristokratie, von denen man sicherlich etwas lernen kann. Die Primogenitur ist übrigens nicht ungerecht, denn der Erbe übernimmt dann auch Verantwortung für seine Geschwister. Generell muss man sagen, dass viele Gesellschafter, die im Unternehmen arbeiten, seltener funktionieren als das Unternehmen einem fähigen Nachfolger zu geben und die anderen Kinder auszuzahlen oder ihnen andere Vermögenswerte zu übertragen. Bereits in der Industrialisierung war es nicht unüblich, dass Unternehmer ihre Unternehmensgruppen so aufgebaut haben, dass jedes Kind ein eigenes Unternehmen erben kann, eine recht altmodische aber sehr praktikable Lösung für die Unternehmensnachfolge. 

Helga König: Der Bayerische Hof wird nun in der vierten Generation von einer Frau geführt. Hätten viele untergegangene Familienunternehmen eventuell überleben können, wenn man Frauen die Führung problemloser anvertraut hätte, sofern sie sich als Nachkommen als fähiger gezeigt haben oder spielen Vorbehalte gegenüber Töchtern keine Rolle?

SHK Luitpold Prinz von Bayern: Ich glaube,  die Vorbehalte gehen in aller Regel nicht gegen die Töchter,  sondern subjektiv eher gegen die möglichen Schwiegersöhne, die während der erziehungsbedingten Pausen geneigt sind, die Führung zu übernehmen und damit in eine "andere" Familie zu übertragen. Objektiv kann dies sicher oft eine Fehlentscheidung sein. 

Andreas E. Mach: Es gibt sehr viele Unternehmen, die von Töchtern geführt werden, sehr erfolgreich. Ich glaube nicht, dass Töchter grundsätzlich in der Nachfolge benachteiligt sind, weil sie denselben Zugang zu Bildung und Erfahrung haben,  wie ihre Brüder. Manchmal gibt es gar keine männlichen Nachfolgen, wie bei den Volkhardts, manchmal hängt es davon ab, wer sich mehr für das Unternehmen interessiert. 

Bei Frauen in Führungspositionen ist die Diskussion übrigens eine andere, Töchter tun sich in der Nachfolge auf jeden Fall leichter als Frauen, die ins Top Management wollen. 

Helga König
Helga König: Begeistert hat mich der Innovationsgeist von Robert Freiherr von Süsskind und seiner Frau auf Schloss Dennelohe. Was können Familienunternehmer von ihm lernen, die Bedenken haben, dass die"Neue Zeit" für sie das Aus bedeutet?

Andreas E. Mach: Manche Unternehmen oder Vermögen können nur erhalten und weitergegeben werden, wenn eine Generation den Mut zum Bruch hat. Mut ist ein wichtiger Bestandteil von Unternehmertum, das haben die Süsskinds auf jeden Fall bewiesen. 

Helga König: Weshalb sind Netzwerke in heutiger Zeit bei aller Eigenständigkeit unumgänglich?

 SKH Luitpold Prinz von Bayern
SKH Luitpold Prinz von Bayern: Netzwerke waren in der Geschichte der Menschheit immer der Schlüssel zum Erfolg, denn ohne Netzwerk kein Informationsaustausch, keine Durchschlagskraft und sicherer Untergang in Krisensituationen. 

Andreas E. Mach: Netzwerke stiften Identität, geben die Möglichkeit sich auszutauschen, Menschen kennenzulernen, die dieselben Fragen und Herausforderungen haben. Es gibt viele langjährige Freunde und Gäste des ALPHAZIRKEL, die aus den Diskussionen und Begegnungen praktische Hilfestellungen für ihr eigenes Unternehmen und ihre Nachfolge oder Internationalisierung mitgenommen haben. Nicht wenige haben uns gesagt, dass sie ohne den ALPHAZIRKEL die Rolle des Nachfolgers, die sie heute erfolgreich ausfüllen, nicht hätten wahrnehmen können. 


Liebe Königliche Hoheit Luitpold Prinz von Bayern, lieber Andreas E. Mach, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  Callwey-Verlag und können das Buch bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.callwey-shop.de/tradition-und-innovation.html

Bitte klicken Sie hier  zu: http://www.alphazirkel.de/

Helga König im Gespräch mit #Susanne_Oswald, Autorin des Buches "Ein #Garten für die #Seele", Callwey-Verlag

Liebe Frau Oswald vor geraumer Zeit habe ich Ihr sehr schönes Buch "Ein Garten für die Seele" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen. 


Helga König: Sie leben am Fuße des Schwarzwaldes, arbeiten dort nicht nur als Autorin, sondern auch als Heilpraktikerin und lieben die Natur sowie deren Heilkräfte. Insofern verwundert es nicht, dass Sie im Untertitel Ihres traumhaften Gartenbuches "Ein Garten für die Seele" bereits darauf hinweisen, dass Ihre Gartenideen für Körper & Geist gedacht sind. Was möchten Sie in diesem Zusammenhang mit dem Satz "Ein Garten ist mehr als die Summe seiner Pflanzen" sagen?

 Susanne Oswald
Susanne Oswald: Jede einzelne Pflanze hat eine besondere Kraft. Sie kann die Augen erfreuen, die Nase umschmeicheln, Heilwirkung bereit halten, eine besondere Symbolkraft in sich tragen oder wohlschmeckend sein – im besten Falle schafft sie mehrere dieser Faktoren gleichzeitig. Wenn nun in einem Garten die Kräfte vieler Pflanzen gebündelt werden, entsteht unabhängig von der Besonderheit jeder einzelnen Pflanze, noch eine weitere sehr kraftvolle Ebene. 

Der Garten bekommt eine individuelle Energie, die sich aus dem Zusammenspiel der einzelnen Pflanzen ergibt. So kann ein Garten wahre Zauberkräfte entwickeln, er kann die Seele berühren, Zufluchtsort werden und den Besucher mit seiner Energie schützend in die Arme nehmen. Je nach Wirken des Gärtners und Pflanzenauswahl finden wir in einem Garten Ruhe, Kraft, Geborgenheit, Aktivierung der Lebensfreude, Gaumenspaß oder Klärung des Geistes – oder auch noch einiges mehr. Die Wirkung von Gärten oder Gartenbereichen ist so vielfältig wie die Gärtner, die den Garten hegen.

Auch den Mikrokosmos entwickelt der Garten erst durch Vielfalt, durch das Zusammenkommen einzelner Pflanzen, seine ganze Kraft. Schmetterlinge, Bienen, Igel, Vögel – sie alle haben Bedürfnisse. Nicht eine einzelne Pflanze – möge sie auch noch so kraftvoll und besonders sein – schafft das Paradies, sondern der bunte Reigen der unterschiedlichsten Blumen, Kräuter und sonstigen Gewächse. Und dann besteht ein Garten ja nicht nur aus Pflanzen, sondern auf Wegen, Beeten, unterschiedlichen Materialien und Gestaltungselementen. Das kommt alles zu der Summe der Pflanzen dazu und prägt den Garten sehr individuell. 

Helga König: Sie beginnen den Reigen der Gartenpräsentationen mit einem "Kräutergarten" und fügen diesem Rezepte bei, die vermutlich Ihren Heilpraktikerinnen-Kenntnissen geschuldet sind. Was hat Sie dazu veranlasst, drei ganz bestimmte Kräuter in den Fokus zu bringen?

Susanne Oswald:  Das war unglaublich schwierig, weil es so viele wunderbare Pflanzen gibt und ich gerne noch viel mehr vorgestellt hätte. Aber ich musste mich entscheiden und habe das – wie immer, wenn Entscheidungen anstehen – mit einer Mischung aus Herz und Verstand gemacht. Ich habe meist eine sehr gute Intuition, und habe versucht, den Zeitgeist zu erfassen. So kam es zu der Entscheidung für den Basilikum, der ja wortwörtlich in den letzten Jahren in aller Munde ist – und das aus gutem Grund. Mit der Kamille habe ich mich für eine Pflanze entschieden, die wir alle von Kindheit an kennen. Damit verneige ich mich vor dem Kräuterwissen unserer Ahnen, denn schon unsere Großmütter und sicherlich auch deren Mütter wussten um die Kraft der Kamille. Doch auch heute noch hat die Pflanze nichts von ihrer Wichtigkeit verloren. So war das, glaube ich, eine sehr gute Wahl. Mit dem Lavendel konnte ich das unterstützen, woran ich als Heilpraktikerin und als Mensch seit Jahren arbeite: Ruhe und Gelassenheit stärken. Unsere Welt wird immer hektischer, die Ansprüche an uns immer höher. Da braucht es ein Seelenkraut, das Entspannung schenkt und den seelischen Ausgleich unterstützt. 

Helga König: Was macht einen Wildkräuterkarten für Sie besonders attraktiv und weshalb haben Sie gerade in der Betrachtung eines solchen Gartens die Sentenz "Die Natur hat tausend Freuden für den, der sie sucht und mit warmem Herzen in ihren Tempel eintritt" von der Berliner Salondame Rahel Varnhagen von Ense eingebunden? 

Susanne Oswald:  Wildkräuter haben eine besondere Kraft, sie sind nicht durch Menschenhand in eine Richtung getrieben, sondern präsentieren sich so, wie die Natur und die natürliche Entwicklung es vorgesehen haben. Das ist für mich ein besonderer Reiz, weil es ein Stück Unberührtheit ist, das wir uns bewahren sollten. Wenn wir uns Wildkräuter in den eigenen Garten holen, dürfen wir nicht versuchen, sie zu sehr zu zähmen. Wenn wir sie nach unseren Vorgaben ziehen wollen, verlieren sie einen Teil ihrer Kraft. Das ist der besondere Reiz für mich und der Grund für das Zitat. Es ist nicht das Aneignen einer Pflanze, das Ziehen und in eine Struktur zwingen, sondern das liebevolle Annehmen. Wir sind der Gast, wir sollten das annehmen, was die Natur uns mit den Wildkräutern schenkt und nicht unsere Vorstellungen von einem gepflegten Garten drüber stülpen. Jeder der sich einem Teil dieser Wildheit öffnet, wird das, was die Natur ihm zurückgibt, als Geschenk erleben.

Helga König: Sie haben für die Leser aus dem "Wildgarten", den Sie vorstellen, einen Löwenzahnhonig kreiert. Worin besteht der gesundheitliche Nutzen dieser Kreation? 

 Susanne Oswald
Susanne Oswald:  Löwenzahn wirkt stoffwechselanregend, Leber und Galle stärkend. Natürlich kann man – besonders im Frühjahr – eine Löwenzahnkur (evtl. in Kombination mit Brennnesseln) machen. Das tut dem Körper sicher gut, aber eben nur für den Zeitraum der Kur. Mit Produkten wie dem Löwenzahnhonig haben wir die Möglichkeit, den Löwenzahn in den täglichen Speiseplan zu integrieren. Damit schenken wir unserem Körper über das ganze Jahr verteilt den positiven Impuls, den die Pflanze für den Stoffwechsel bringt. 

Helga König: Sie erwähnen in Ihrem "Gemüsegarten" gute und weniger gute Beet-Partnerschaften. Nicht in allen Gartenbüchern nimmt man darauf Bezug. Haben Sie diesbezüglich in Ihrem eignen Garten Erfahrungen sammeln können, die allgemeines Wissen ergänzen? 

Susanne Oswald:  Zur Zeit bin ich umzugsbedingt leider ohne Garten, aber schon wieder auf der Suche. Vorher hatte ich viele Jahre einen Garten und habe dort sehr viel ausprobiert. Vor allem aber bin ich immer im Gespräch mit Gärtnern und tausche Erfahrungen aus. Für mich war das Thema Beetpartner von Anfang an wichtig, weil ich durch die bewusste Nachbarschaftswahl Krankheiten vorbeugen und Wachstum fördern konnte. Ich wollte nie zu Gift greifen müssen und konnte die Wirkung natürlicher Spritzmittel durch die richtige Platzwahl unterstützen. Besonders in Büchern zu biologischem Anbau findet man Listen und Tabellen zu Partnerpflanzen, von daher möchte ich mir nicht anmaßen, zu sagen, dass ich das breite Wissen ergänzen kann. Aber ich kann es auf jeden Fall bestätigen. Hervorheben möchte ich die Kombination von Möhren und Zwiebeln, die sich über Jahre hinweg immer wieder bewährt hat. 

Helga König: Die Auswahl der drei Gemüse hat mir sehr gut gefallen, speziell, dass sie Chili hervorheben. Weshalb war Ihnen das besonders wichtig?

Susanne Oswald:  Ich selbst liebe Chili und ich fand es wichtig, zu zeigen, wie wertvoll diese Pflanze ist. Ich sehe mit Bedauern, wie durch sinnfreie Aktionen wie Schärfewettessen diese kostbare Pflanze zu einem Klamaukgewürz verkommt. Das ist für mich respektlos und unwürdig. Mit meiner Wahl wollte ich der Chili helfen, wieder als Gesundheitsschatz in das Bewusstsein der Menschen zu kommen. 

Helga König: Welche Bedeutung hat für Sie ein "Rosengarten" im Hinblick auf die Seele? 

Susanne Oswald: Die Rose hat eine starke Symbolkraft – wer kennt nicht die Rose als Zeichen der Liebe. Und Liebe greift viel weiter, es ist nicht nur die Liebe zwischen zwei Partnern. Liebe – und damit die Rose als ihr Botschafter - ist die Nahrung für unsere Seele, sie ist unser täglicher Antrieb. Wer glücklich ist, den trägt die Liebe – zum Beruf, zur Natur, zu den Menschen ... zum Leben. Da wo Liebe fehlt, fehlt auch das Glück, die Zufriedenheit und der Seelenfrieden. In einem Rosengarten können wir auftanken, der Seele neue Nahrung geben und sie liebkosen lassen vom Anblick und Duft der Gartenkönigin. Rosen können Seelen heilen. 

Helga König: Sie beschreiben u.a. auch einen "Garten der essbaren Blüten". Kostet es Überwindung, eine Blütenbutter herzustellen, wenn man den Pflanzen Seele zuspricht? 

 Susanne Oswald
Susanne Oswald:  Für mich ist Dankbarkeit und Respekt ein wichtiges Thema. Ich nehme Nahrung nicht als Selbstverständlichkeit, es ist immer ein Geschenk, wenn die Natur mir ermöglicht, ein Essen zuzubereiten und zu genießen. Und dann ist es egal, ob das eine Kartoffel ist oder ein Gänseblümchen. Die Seele der Nahrung ist wichtig und wertvoll. Nicht umsonst heißt es: Du bist, was du isst. 

Helga König: Mir hat gefallen, was Sie als Eingangsworte zu Ihrem präsentierten "Schmetterlingsgarten" zu Papier gebracht haben. "Auf sanften Schwingen tanzen sie von Blüte zu Blüte und lehren uns Leichtigkeit". Ist der Schmetterlingsgarten für den Menschen ein Ort der Erkenntnis und wodurch könnte diese sich offenbaren? 

Susanne Oswald:  Der Schmetterling als Symbol steht für Wandel, Entwicklung und Lebensfreude. Um einen Wandel, eine Entwicklung, vollziehen zu können, müssen wir reflektieren, uns der Dinge bewusst werden und dadurch die Bereitschaft entwickeln, den nächsten Schritt zu tun. Das ist nicht immer einfach, aber aus meiner Sicht unglaublich wichtig, denn Entwicklung ist gesund und gehört zum Leben. In einem Schmetterlingsgarten sind die Energien auf Wandel in Kombination mit Leichtigkeit ausgerichtet. Wenn wir diese Energie aufnehmen, uns in einem Schmetterlingsgarten aufhalten und den Tieren bei ihrem Spiel zusehen, dann öffnet sich die Seele und wir können – mit Geduld und Liebe – neue Einsichten gewinnen und vielleicht erkennen, wohin unser Weg uns führen soll. Es sind meist nicht die großen Hammerschläge, sondern kleine Effekte, Ahnungen, die sich im Laufe der Zeit verifizieren. Der Schmetterlingsgarten gibt uns Kraft und Rückhalt und stärkt das Vertrauen in den eigenen Lebensweg. 

Helga König: Worin besteht für Sie der besondere Reiz für einen ZEN-Garten? 

Susanne Oswald:  Im Zengarten steht die Konzentration auf sich selbst im Mittelpunkt. Er ist ein Ort der Ruhe und der Besinnung. Es gibt kaum Ablenkung. Das ist gerade dann wichtig, wenn das Leben turbulent ist. Für Menschen, die diese innere Einkehr nicht gewohnt sind, ist gerade diese innere und äußere Stille gar nicht so einfach zu ertragen. Oft beginnt der Weg zur Ruhe mit einer wachsenden Unruhe. Das ist völlig in Ordnung, man sollte mit Liebe und Geduld mit sich selbst umgehen und sich von der Unruhe nicht beirren lassen. Ich finde gerade diese Einfachheit der Übung, die sich dann oft unerwartet so schwierig zeigt, reizvoll. Ein zweiter Aspekt ist unsere geistige und seelische Überfüllung. In einem Zengarten können wir Ballast loswerden, unseren Geist und die Seele erleichtern und sind damit nach einer Zeit im Garten wieder bereit, uns dem Leben mit allen Ansprüchen zu stellen, neue Dinge aufzunehmen. 

Helga König: Wann ist ein Garten in Ihren Augen ein Paradies?

Susanne Oswald: Für mich besteht die Vollkommenheit besonders in der Unvollkommenheit. Ein Garten sollte nicht überpflegt sein, die Pflanzen brauchen Raum und Gelegenheit sich zu entwickeln, sich in ihrer Pracht zu präsentieren. Ich bin ein Genussmensch und so sollte ein Garten meine Sinne befriedigen, ich möchte den Duft von Rosen atmen, Kräuter und Gemüse ernten und Blüten naschen. Für mich besteht das Gartenparadies aus allen von mir vorgestellten Themengärten und einem Hauch Wildheit. In meinem Gartenparadies leben Geschichten, wenn ich umgeben vom Rausch der Natur, in meinem persönlichen Garten sitze, dann kribbelt die Energie, meine Fantasie schlägt Purzelbäume und die Geschichten kokettieren vor mir, jede will die nächste sein, die ich wahrnehme und aufschreibe. In meinem Garten (den ich sicher bald wieder haben werde!) bin ich ich. Hier fühle ich mich in meiner Unvollkommenheit vollkommen und in Liebe angenommen.

Liebe Susanne Oswald, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Foto: Susanne Oswald:
© ZERR FOTOGRAFIE || CONTRAPRODUCTIONS.DE

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Anbei der Link zur Website von Susanne Oswald http://www.susanneoswald.de/