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Helga König im Gespräch mit Prof. Dr. Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen und der Künstlerin Doris Zeidlewitz

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Cichutek, Sie sind Präsident des Paul-Ehrlich-Institutes. Dort werden derzeit Bilder der renommierten Künstlerin Doris Zeidlewitz  ausgestellt. Ich freue mich, dass Sie Zeit gefunden haben, gemeinsam mit der Künstlerin  ein Interview auf "Buch, Kultur und Lifestyle" über das gelungene Ausstellungsprojekt zu geben.

Liebe Doris Zeidlewitz, als Liebhaberin Ihrer Werke freue ich mich, erneut mit Ihnen über ihr Schaffen plaudern zu können.

Helga König: Sie sind der Präsident des Paul-Ehrlich- Institutes. Können Sie unseren Lesern kurz skizzieren, womit sich Ihr Institut befasst?

Prof. Dr. Cichutek
Foto: Paul-Ehrlich-Institut 
Prof. Dr. Cichutek: Das Paul-Ehrlich-Institut erforscht, bewertet und lässt biomedizinische Human-Arzneimittel und Veterinär-Impfstoffe zu. Unverzichtbare Basis für die vielseitigen Aufgaben ist eine eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften. Diese einmalige Kombination von Forschung und Arzneimittelregulation ermöglicht es, vielversprechende Therapieansätze gegen schwere Erkrankungen wie Krebs oder Arzneimittel zu Bekämpfung neuer Erreger wie Impfstoffe gegen Ebola vom Antrag, über die klinische Prüfung bis zur Zulassung zu begleiten. Das PEI ist wichtiger Akteur im Netzwerk europäischer und internationaler Institutionen des Gesundheitssystems. 

Helga König (l); Doris Zeidlewitz (r)
Helga König: Sie sind akademisch ausgebildete Künstlerin. Können Sie unseren Lesern ebenfalls kurz skizzieren, womit Sie sich künstlerisch befassen?

Doris Zeidlewitz: Wenn ich male, dann verbinde ich das Innen mit dem Außen. Ich lasse Unsichtbares sichtbar werden. So erschaffe ich aufregende neue Welten. Die Themen, mit denen ich mich in meinen Bildern auseinandersetze, sind vielschichtig;- Themen, die aus dem Unbewußten aufsteigen, Bilder, die mir in Träumen begegnen, Bildthemen aus Märchen und Mythen oder manchmal auch die Umsetzung von ganz Alltäglichem. Kunst ist für mich etwas Großes, Numinoses, Ewiges. Meine Bilder sind ein Appell an unser Herz, an unsere Träume und Sehnsüchte. Sie sollen die Menschen daran erinnern, das zu tun, wozu sie ihre Seele auffordert. Wenn wir tief in uns berührt sind, wenn Verstand und Herz sich gleichermaßen angesprochen fühlen,- dann haben meine Bilder ihre Erfüllung gefunden. 

Helga König: Ihr Institut zählt zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Ist es der Gedanke, etwas für das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter und Ihrer Gäste zu tun, der Sie veranlasst, der Kunst in Ihren heiligen Hallen durch die Ausstellung von Werken von Frau Zeidlewitz Raum zu schenken?

 Prof. Dr. Cichutek
Foto: Paul-Ehrlich-Institut 
Prof. Dr. Cichutek: Die Gemälde von Frau Zeidlewitz füllen das Gebäude mit Farbe. Das ist für unsere Mitarbeiter und für Gäste sicher ein positiver Aspekt und trägt dazu bei, die Räume noch einmal anders zu sehen und sich daran zu freuen. Die 21 zum Teil großformatigen Bilder in Foyer, Flure und Hörsaal schaffen eine lebendige und anregende Umgebung. Das passt gut zum Paul-Ehrlich-Institut, denn auch Wissenschaft lebt von Kreativität und Leidenschaft. 

Helga König:  Frage an Doris Zeidlewitz: Was hat Sie motiviert, Ihre lebensbejahenden Bilder im "Paul-Ehrlich-Institut" auszustellen?

Doris Zeidlewitz
"Konvergenzen"
Mischtechnik auf Leinwand
 200cm x 200cm
Doris Zeidlewitz: Eine Ausstellung in einem Institut, in dem es um Wissenschaft, um Forschung geht, habe ich zuvor noch nicht durchgeführt. Ich betrete gerne Neuland und bin neugierig auf alles, was ich noch nicht kenne. Ich habe mich mit den Inhalten des PEI auseinandergesetzt und viel im Netz recherchiert. Die Welt der Mikroorganismen hat mich fasziniert. Ihre Form und Farbigkeit,- selbst kleinste Kunstwerke. Das Gebäude selber eine Herausforderung für mich. Die Aufgabe, die ich mir gestellt habe war, den Menschen, die dort Arbeiten die "Farbe" zu schenken, die Kraft und die Schönheit mittels der Kunst.

Helga König: Mich hat Ihr an die Antike erinnertes Foyer begeistert, das durch das Gemälde "Konvergenzen" nun besonders formvollendet wirkt. Was macht ein Empfangsraum wie dieser nach Ihren Beobachtungen mit den Menschen, die sich dort aufhalten?

Prof. Dr. Cichutek
Foto: Paul-Ehrlich-Institut  
Prof. Dr.Cichutek: Das Foyer heißt Besucher willkommen und ist die Visitenkarte des PEI. Der Intarsienboden aus farbigem Marmor zeigt eine abstrahierte DNA-Doppelhelix und die aus diesem genial einfachen Code entstehenden Pflanzen- und Tierwelt. Diese Fülle des Lebens gilt es zu erforschen. Das Bild "Konvergenzen" von Frau Zeidlewitz, eine beeindruckende Farbexplosion, ergänzt den in gedämpften Farben gehalten Raum und wertet ihn auf. Ich bin mir sicher, unsere Mitarbeiter und die nationalen und internationalen Gäste wissen dies zu schätzen. 

 Helga König (l); Doris Zeidlewitz (r)
Helga König: Können Sie unseren Lesern etwas zu dem Bild "Konvergenzen mitteilen?"

Doris Zeidlewitz: Das Gemälde "Konvergenzen habe ich explizit für das Foyer des PEI gemalt. Ich glaube an ein weibliches Prinzip, das sich kohärent auf Ausgewogenheit hin bewegt, insbesondere mit dem Männlichen. Ich glaube an Menschen, die nicht aus dem Mangel, aus dem eigenen Schatten heraus agieren, sondern aus ihrer Fülle, Kompetenz und Liebe. Das ist für mich ein wesentlicher Aspekt in einem Rahmen, wo Menschen zusammenkommen und wo Forschung geschieht. Ich habe versucht in diesem Gemälde Kraft und Bewegung wie in einem ewigen Rhythmus aufeinander zu-und wegfließen zu lassen und habe die Farbe benutzt um Schönheit, Lebensenergie und Lebensfreude zum Betrachter hin zu transportieren. 

Helga König: Welche Veranstaltungen finden bei Ihnen im Hörsaal 1 (3 OG) statt?

 Prof. Dr. Cichutek
Foto: Paul-Ehrlich-Institut 
Prof. Dr. Chichutek: Im Hörsaal finden wissenschaftliche Kolloquien und Veranstaltungen statt, aber er bietet auch Raum für interne Veranstaltungen. Er ist ein zentrales Forum des PEI, in dem Wissen weitergegeben und diskutiert wird. Er wurde 2012 mit modernster Technik ausgestattet und bewusst einfach, aber hochwertig gestaltet. Seine Klarheit passt zu einem wissenschaftlichen Institut und die schwarz-weiße Einrichtung mit dem rötlichbraunen Parkett bietet einen flexiblen Rahmen für vielfältige Zwecke – so auch für die farbenfrohen Bilder von Frau Zeidlewitz. 

 Helga König (l); Doris Zeidlewitz (r)
Helga König: Können Sie etwas zu Ihren 10 Bildern in besagtem Hörsaal sagen?

Doris Zeidlewitz: Gelb, violett, orange, grün, rot,- alle Farben sind in den 10 Gemälden präsent und strahlen in den Raum. Der Arzt Dr. Dinsha Ghadali erklärte in seinem Buch "Spectrochrome", dass Unwohlsein beim Menschen u.a. durch das Fehlen von Farben zu erklären sei. Der Hörsaal des PEI wirkte bei der ersten Besichtigung auf mich kalt, steril und distanziert und ich habe mich gefragt, wie es wohl den Menschen gehen mag, die sich in diesem Saal aufhalten, die hier studieren und lehren. Ich habe mich in die Mitte des großen Saales gesetzt und habe mit geschlossenen Augen eine kraftvolle Farbigkeit vor meinem inneren Auge gesehen. Ein strahlendes Gelb, das Offenheit, Leichtigkeit und Lebensfreude vermittelt, oder ein tiefes Rot, das Vitalität, Gesundheit, Dynamik, Leidenschaft transportiert. Und so habe ich mich entschieden, dass genau solche Bilder von mir gemalt werden müssen,- Bilder voller Farben- und Lebensfreude, voller Kraft Schönheit und Lebendigkeit. 

Helga König: Was bedeutet Ihnen Kunst persönlich und was bedeutet Kunst im "Paul- Ehrlich-Institut"?

 Prof. Dr. Cichutek
Foto: Paul-Ehrlich-Institut 
Prof. Dr. Cichutek: Wissenschaft und Kunst sind einander ergänzende Herangehensweisen, sich der Welt zu nähern, Erkenntnisse zu gewinnen und Neues zu schaffen. Kunst war immer schon Teil unseres Selbstverständnisses, aber noch nie haben wir eine Ausstellung dieser Größe in das PEI integriert. Die Ausstellung von Frau Zeidlewitz im Paul-Ehrlich-Institut ist ein Gewinn für beide Seiten. Wir konnten der Künstlerin großzügigen Raum für ihre Kunst bieten und unsere Mitarbeiter und Gäste profitieren von der Lebendigkeit und Farbe der Gemälde. Wussten Sie übrigens, dass der Erfolg Paul Ehrlichs unter anderem darauf beruhte, dass er Gewebe, Zellen und Bakterien färbte und damit sichtbar machte? Er zeigte nicht nur die Funktionsweise, sondern auch die Ästhetik der Mikroorganismen und die faszinierenden Strukturen der Zellen – damals eine neue Welt. Ein Beispiel, wie nah Wissenschaft und Kunst sich sein können. 

 Helga König (l); Doris Zeidlewitz (r)
Helga König:  Frage an Doris Zeidlewitz: Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Künstlerin?

Doris Zeidlewitz: In meiner künstlerischen Arbeit geht es mir darum, immer wieder etwas Neues in die Welt zu setzen. Wenn etwas Neues geboren wird, ist das immer ein ganz heiliger Augenblick. Die Kunst hat die Kraft etwas zu verändern. Wenn ich Menschen durch das, was ich tue begeistern kann, dann kann ich an deren Weiterentwicklung mitwirken. Es ist mir immer wichtig, mich selbst zu fragen, welche Bedeutung meine Arbeit für die Menschen hat. Auf jeden Fall möchte ich meinen Ideenreichtum, meinen Erfahrungsfundus, meine Kreativität und meine Begeisterung mit anderen Menschen teilen,- denn Kunst ist ein Geschenk an die Welt. Sie offenbart uns die höchste Form von Hoffnung. Sie besitzt die Kraft durch Form, Farbe und Inhalt das Gesunde zu stärken und so verbinde ich auch Gesundheit mit einem kreativen, schöpferischen Leben. In all meinen im Paul-Ehrlich-Institut gezeigten Bildern habe ich mich um Harmonie bemüht. Im Altertum, in Atlantis oder aber auch bei den Pharaonen Ägyptens waren Licht und Farben das wichtigste Hilfsmittel um den kranken Menschen wieder in die Mitte, in seine Harmonie zu bringen und ihn gesunden zu lassen. T. Gimbel sagt in einem Aufsatz über "Heilen mit Farben": Das Erleben von Farben ist eines der ganz besonderen Privilegien, die wir auf diesem unseren Planeten genießen können.“ Diesen Genuss den Menschen in dieser Ausstellung hier im Paul-Ehrlich-Institut bereiten zu können sehe ich u.a. als eine meiner Aufgaben als Künstlerin. 

Sehr geehrter Prof. Dr. Chichutek, liebe Doris  Zeidlewitz, ich danke Ihnen beiden herzlich für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König



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