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Helga und Peter J. König im Gespräch mit Familie Zilliken, Weingut Forstmeister Geltz Zilliken

Liebe Familie Zilliken, dieser Tage haben wir auf "Buch, Kultur und Lifestyle" drei Ihrer Weine präsentiert. Heute nun möchten wir Sie und Ihr Weingut auf "Buch, Kultur und Lifestyle" näher vorstellen. 

Hier die Links zu den Weinen: 

Helga König:  Können Sie unseren Lesern schildern, wo Ihr Weingut genau zu finden ist und seit wann Ihre Familie Weinbau betreibt?

 Familie Zilliken,
Weingut Forstmeister Geltz Zilliken
Hans Joachim Zilliken: Unsere Familie betreibt bereits seit über 270 Jahren Weinbau. Ursprünglich war unser Gutsgebäude im Stadtteil Beurig lokalisiert. Am 25.Dezember 1944 fiel es jedoch einem Bombenangriff zum Opfer. Nachdem unser Vater bzw. Großvater aus russischer Gefangenschaft heimkehrte, konnte er den unvollendeten Kellerbau eines Weinhändlers erwerben. Auf diesem Gewölbekeller baute die Familie das Gut Schritt für Schritt wieder auf. 2009 wurde mit dem Bau des modernen, lichtdurchfluteten Probenraumes und eines neuen, funktionalen Kelterhauses, der Wiederaufbau unseres Weingutes und Wohnhauses abgerundet.

Saarburg, die pittoreske mittelalterliche Stadt, liegt am Unterlauf der Saar und gehört zum Weinbaugebiet Mosel. Sie finden uns nahe dem Stadtzentrum, in der Heckingstraße, zwischen Gymnasium und Schwimmbad. 

Peter J. König: Daran anschließend, welche klimatischen Bedingungen zeichnen Ihre Lagen an der Saar aus und welche Beschaffenheit hat das Terroir? 

Ruth Zilliken: Unsere Reben stehen auf einer Höhe von 150-300 m über NN. Die Südsteillage Saarburger Rausch ist offen, den ganzen Tag von der Sonne beschienen, dem Wind ausgesetzt, und durch die Bebauung am Fuße der Lage vor Frösten geschützt. Feinblättriger Devonschiefer und das vulkanische Eruptionsgestein Diabas sind die vorherrschenden Gesteinsarten. 

Helga König: Riesling ist die einzige Traube, die von Ihnen kultiviert wird, weshalb ist dies so und haben Sie es auch bereits mit anderen Rebsorten probiert? 

Dorothee Zilliken: Durch kleine Experimente mit anderen Rebsorten in den 60er und 70er Jahren hat sich bei uns die Überzeugung gefestigt, dass die Steillagen Saarburger Rausch und Ockfener Bockstein die idealen Voraussetzungen für den Anbau von Spitzenriesling bieten. Durch die Rebsorte Riesling kommt das gesamte Potential dieser Lagen zum Tragen und hierbei speziell auch das außergewöhnliche Lagerungspotential unserer Saar-Rieslinge. Das Spektrum des Rieslings reicht vom trockenen, über den feinherben und fruchtigen bis hin zum edelsüßen Wein. Man findet leichte Weine, kraftvolle Beispiele, bis hin zu Weinen von höchster Konzentration. Sie bereiten sowohl als Jungwein, wie auch als feingereifter Riesling große Freunde. Für uns ist es sehr wichtig, dass unsere Weine bei aller Kraft und Ausdrucksstärke stets elegant und finessenreich bleiben, und somit die Typizität und Stärke der Saar widerspiegeln. 

Peter J. König: Was können Sie speziell zu Ihren Lagen "Saarburger Rausch" und "Ockfener Bockstein" sagen? 

Hans Joachim Zilliken: Beide Lagen sind vom VDP als VDP.GROSSE LAGE® klassifiziert und haben über viele Jahrhunderte große Wein hervorgebracht. Der Name "Rausch" kommt vom steinigen, kargen Boden. Im altdeutschen nennt man eine Geröllhalde "Rausch". Schiefer und Diabas bilden die Grundlage der prägnanten Mineralität unserer Weine, die anfangs oft verhalten wirken, aber ein gewaltiges Lagerpotential besitzen und somit lange Freude bereiten. Im Ockfener Bockstein finden wir einen härteren Schiefer und Quarzeinsprengungen. Insgesamt ist der Boden tiefgründiger. Die Weine zeigen sich im Vergleich zu denen aus dem Rausch, anfangs offener und leichter zugänglich. 

Helga König: Ihr Weingut hat ein großes Renommee und Ihre Weine werden weltweit getrunken, hat dies etwas mit Ihrer besonderen Philosophie zu tun? 

Ruth Zilliken: Vertrauen und Sicherheit ist ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Wir sind über viele Jahrzehnte unserem Weinstil treu geblieben. Somit lassen sich Weine aus anderen Dekaden mit den heutigen Jungweinen vergleichen und bieten folglich den Weinfreunden die gesuchte Verlässlichkeit. Durch kleinere Erträge und noch präzisere, strengere Selektionen in der Traubenlese können wir unsere Spitzenposition weiter ausbauen. 

Peter J. König: Ihre Familie hat bereits vor der Gründung des VDP Mosel-Saar-Ruwer zu den Mitbegründern des "Vereins der Naturweinversteigerer großer Ring" gezählt, was hat es damit auf sich?

Dorothee und  Hans- Joachim Zilliken
Dorothee Zilliken: Unser Vorfahre Ferdinand Geltz hat vor etwa 100 Jahren als königlich preußischer Forstmeister viel für den Riesling und die Reputation unseres Weingutes geleistet. Wie bereits oben erwähnt, war er 1908 Mitbegründer des Verein der Naturweinversteiger. Alle Mitglieder dieses Vereins haben sich dem Naturweingedanken verschrieben und somit den Qualitätsweinbau gefördert. Aus Anerkennung seines Werkes erscheint sein Name auch heute noch in der Gutsbezeichnung. 

Helga König: Neben Ihren trockenen Rieslingen sind es speziell die restsüßen Weine, die Ihr Weingut auszeichnet und wodurch Sie berühmt sind. Welche traditionellen Verfahren sind es, die zu dieser besonderen Klasse führen? 

Hans Joachim Zilliken: Es sind viele kleine Faktoren, die unsere Weine so unverwechselbar erscheinen lassen. Unsere Philosophie beginnt bei den Weinbergsarbeiten: wir achten auf die angestrebten, kleinen Erträge und setzten ausschließlich organischen Bodenverbesserer ein. Mit dem vollständigen Ausreifen der Trauben zeigen wir eine hohe Risikobereitschaft: hierbei ist entstehende Botrytis willkommen. Die anschließende Lese erfolgt streng selektiv, teils in mehreren Durchgängen und stets per Hand. Wir kaufen keine Trauben, keinen Most und keinen Wein dazu, damit wir unser hohes Niveau weiterhin halten können. All unsere Weine werden im traditionellen Fuderfass (alte, neutrale 1000-Liter Eichenfässer) vergoren. Der Ausbau im Fass beläuft sich auf ca. sechs Monate. Anschließend wird der gesamte Jahrgang in einer Serie abgefüllt und wird unter optimalen Bedingungen, teilweise über Jahrzehnte, gelagert. 

Peter J. König: Können Sie uns etwas zu letzten Jahrgängen sagen und hat sich die Klimaveränderung auch an der Saar schon bemerkbar gemacht? 

Ruth Zilliken: Wir stellen unstrittig eine Klimaerwärmung fest. Dies zeigt sich durch eine zuvor nie dagewesene Häufung von guten und herausragenden Jahrgängen. Das abwechslungsreiche und kühlere Klima in unserem nördlichen Anbaugebiet ist aber weiterhin Garant für eine lebendige und animierende Struktur in unseren Rieslingen.

Helga König: Solche Spitzenweine wie die ihren werden natürlich überall gerne getrunken. In welchen Regionen der Welt kann man sich in Restaurants ein Flasche Riesling aus dem Weingut Forstmeister Geltz Zilliken bestellen? 

Dorothee Zilliken: Unsere Saar-Weine werden rund um den Globus geschätzt. Schwerpunkte bilden hierbei: USA, Kanada, Großbritannien, Skandinavien, Belgien, Niederlande, Polen, Tschechien, Korea, Taiwan, Japan, Hongkong und China. Es freut uns auch, dass unsere eleganten, alkoholarmen Prädikatsweine sehr beliebt sind. Insbesondere in den Ländern, die selbst Wein produzieren. Hierzu gehören: Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, Schweiz, Australien und Südafrika. 

Peter J. König: Können Sie uns etwas zu Ihren außergewöhnlichen Gewölbekellern berichten und ebenso etwas über Ihre neuen Verkostungsräumlichkeiten. 

Hans- Joachim Zilliken: Mit einer fast 100%igen Luftfeuchtigkeit und annähernd konstanter Temperatur um 10 °C bietet unser tiefer Gewölbekeller ideale Bedingungen, um unsere Rieslinge im Fass zu vergären. Hierbei lassen wir den Weinen viel Zeit, damit sie möglichst viele, langanhaltende Aromen ausbilden können. Die Fässer sind auch von Außen immer feucht und somit gibt es auch keine Verdunstung. Permanent nasses Holz ist dichter, als Holzfässer in einem trockenen Keller. Auf diese Weise können wir mit dem Holz regelrecht reduktiv arbeiten. Nahegelegene Quellen drücken Wasser in die Buntsandsteingewölbe. Der stete Tropfen wäscht Kalk aus und es entstehen Stalaktiten, wie in einer Tropfsteinhöhle. Auch die Schatzkammer profitiert von diesem großartigen Klima. Selbst nach Jahrzehnten ist kein Schwund in den Flaschen zu erkennen. Die Korken bleiben auch nach vielen Jahren noch elastisch und trocknen nicht aus. Um das große Lagerpotential unserer langlebigen Rieslinge zu dokumentieren und zu erleben, werden gezielt Partien in die Schatzkammer für mehrere Jahre oder Jahrzehnte eingelagert. Ein reizvoller Kontrast zu unserem traditionellen Gewölbekeller bietet unser Verkostungsraum. Bei diesem Neubau fokussierten wir uns auf Materialien, die uns als Winzer wichtig sind: die Tische und die Pfosten-Riegelkonstruktionen der großen Fenster sind - als Anlehnung an die Fuderfässer - aus Eichenholz. Der Boden erinnert an den Schiefer unserer Weinberge. Eine regionale Künstlerin widmete sich der Reproduktion unserer steilen Hänge in ihrer Glasmalerei. In diesem lichtdurchfluteten Raum heißen wir unsere Gäste und Weinfreunde herzlich willkommen.

Liebe Familie Zilliken wir danken Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Interview.

 Helga König, Peter J. König.

Klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zur Website  des Weingutes  Forstmeister Geltz Zilliken:


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