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Peter J. König im Gespräch mit Harald Schumann

Lieber Herr Schumann, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Die Hungermacher" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen. 

Peter J. König: "Die Hungermacher" ist ja ursprünglich eine Kampagne von Thilo Bode und seiner Organisation  foodwatch, bei der die Spekulation an den Rohstoffmärkten angeprangert worden ist, warum hat dies alles bei Ihnen ein solches Interesse ausgelöst? 

 Harald Schumann
Foto aus seinem Bestand
Harald Schumann: Ich selbst habe den ursprünglichen Report für foodwatch geschrieben. Das Buch ist nun eine aktualisierte Version. Erst auf dieser Basis hat foodwatch die Kampgne gestartet. Wie das zu Stande kam ist dem Kapitel "Wie dieses Buch entstand" zu entnehmen. 

Peter J. König: Wenn man sich mit dieser Thematik beschäftigt, gibt es dann überhaupt eine Möglichkeit objektives Quellenmaterial zu bekommen? 

Harald Schumann: Ja, es gibt eine große Fülle wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema, außerdem die Berichte und Statistiken der US-Aufsichtsbehörde CFTC und nicht zuletzt umfangreiche Untersuchungen des amerikanischen Kongresses. 

Peter J. König: Nachdem bekannt wurde, dass Sie ein solches Buch schreiben wollten, hat man von Seiten der Banken versucht Einfluss auf Sie zu nehmen? 

Harald Schumann: Nein, so wichtig nehmen die mich nicht. 

Peter J. König:: Warum tut sich die Politik so schwer, den Handel am Rohstoffmarkt vernünftig zu regulieren? 

Harald Schumann: Weil die Finanzlobby sehr großen Einfluss hat, nicht zuletzt über die britische Regierung, die sich vorbehaltlos für die Interessen der Investmentbanken einsetzt. 

Peter J. König: Kann es Anbetracht der unendlichen Summen und der exorbitanten Gewinne der Banken überhaupt gelingen deren Macht und Einfluss einzudämmen?

Harald Schumann: Gewiss, nur müssten sich wesentlich mehr Menschen damit befassen und ihren Willen kundtun, anstatt sich bequem hinter dem Vorwand zu verstecken, das sei ihnen alles zu kompliziert. 

Peter J. König: Wie Ihrem Buch zu entnehmen ist, gehört die Deutsche Bank mit zu den Hauptbetreibern dieser Rohstoffspekulationen, wie werten Sie dementsprechend deren Bemühungen vermeintliche Aufklärung zu betreiben? 

Harald Schumann:  Außer ein paar PR-Tricks haben sie bisher nichts zu bieten und das geht auch gar nicht. Der Missbrauch der Terminbörsen für die Kapitalanlage ist volkswirtschaftlich völliger Unfug und richtet nur Schaden an. 

Peter J. König: Als Autor eines solchen Aufklärungsbuches läuft man dann Gefahr nach der Veröffentlichung diskreditiert zu werden, von wem auch immer? 

Harald Schumann: Nein, es gibt zwar den Versuch eines Professors aus Halle, der dort über "Wirtschaftsethik" doziert und mir "schlampige Arbeit" vorgeworfen hat, aber weil er selbst über keinerlei Expertise in dem Gebiet verfügt, hat er gar nicht erst versucht, mir wirkliche Fehler nachzuweisen und sich mit dem Text ernsthaft auseinanderzusetzen. Darum ist er wenig ernst zu nehmen. 

Peter J. König: Wie groß war die Unterstützung von " foodwatch“ bei Ihren Recherchen und konnten Sie noch auf andere Hilfen bauen? 

Harald Schumann: Foodwatch hat die Arbeit finanziert, weil sie im Redaktionsalltag nicht unterzubringen war, und ich mich dafür ein halbes Jahr habe freistellen lassen. Ich war aber in meiner Bewertung völlig frei. Wenn ich zu dem Schluss gekommen wäre, die Kritik an der Rohstoffspekulation sei falsch oder überzogen, hätte ich das auch so geschrieben. 

Peter J. König: Wie schätzen Sie die Reaktion bei der Durchschnittsbevölkerung auf Ihr Buch ein und können Sie bereits darüber berichten? 

Harald Schumann: Die Durchschnittsbevölkerung liest keine politischen Sachbücher, von daher wird es auch keine Reaktion geben. Beim Thema selbst sind aber viele Menschen sensibel, weil es seit jeher tief in den verbreiteten Wertvorstellungen verankert ist, dass Geschäfte, in deren Folge andere Menschen hungern müssen, verwerflich sind. Diese Norm ist in allen Weltreligionen verankert und heute Teil des kollektiven Unbewussten.

Peter J. König: Hat das erörterte Thema nicht auch mit der seit Menschheitsgedenken existierenden Frage: Arm gegen Reich zu tun und wird letztendlich das Ergebnis nicht wie immer das gleiche sein, die Ärmsten der Armen müssen die Gier der Reichen bezahlen? 

Harald Schumann: Natürlich gibt es da einen Zusammenhang, aber ich würde das nicht so pathetisch ausdrücken. Grundlage für das Geschäft ist die ungeheure Menge an liquidem Kapital, für das es zu wenig Anlagemöglichkeiten in der realen Wirtschaft gibt. 

Lieber Herr Schumann, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch. 

Peter J. König 

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