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Helga König und Peter J. König mit Matthias Baltes, Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G.

Lieber Herr Baltes, nachdem wir  nun  einige Ihrer Weine verkostet und  auf  " Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt haben, möchten  wir heute einige Fragen zur "Winzergenossenschaft Mayschoss -Altenahr eG" und deren Weine  an Sie richten.

Hier die Links zu den Weinvorstellungen: 


Helga König:  Die Winzergenossenschaft Mayschoss Altenahr liegt an der Ahr. Können Sie erläutern, wo genau das Weinanbaugebiet Ahr zu finden ist?


 Matthias Baltes
Assistant Sales Director
Matthias Baltes: Unsere Winzergenossenschaft liegt im wunderschönen Anbaugebiet „Ahr“. Es ist zu finden, wenn man ca. 20 km südlich von unserer ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn die Autobahn an der Abfahrt „Altenahr“ verlässt. Vielen wahrscheinlich eher bekannt als die kleinen Weinbaugemeinden an der Ahr ist die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die als Kurstadt mit Ihrem Heilbad sehr bekannt ist. Von der Kreisstadt aus ist es eine kurzweilige Autofahrt entlang der Ahr von ca. 20 Minuten bis zur Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Wir sind das nördlichste Rotweinanbaugebiet Deutschlands und haben ein ganz besonderes Mikroklima das den Anbau des so populären Spätburgunders erlaubt.

Peter J. König: An der Ahr wird schon seit den Zeiten des Römischen Reiches Wein angebaut. Können Sie uns darüber Näheres berichten?

Matthias Baltes:  An der Ahr wurden viele Hinweise darauf gefunden, dass Weinbau auch schon durch die Römer hier betrieben wurde. Das wohl bekannteste und auch sehenswerteste Objekt ist hierbei die freigelegte „Römervilla“ in der Stadt Ahrweiler. Dort hat man auch Weinamphoren und Weingläser gefunden, die auf Weinbau im Ahrtal schließen lassen. Auch hat man alte, römische Wasserleitungen in Dernau und Walporzheim gefunden, die mit Wurzeln von Weinreben um rankt waren.

Helga König: Weshalb haben die Weinbauern in Mayschoss bereits 1868 eine Winzergenossenschaft gegründet?

Matthias Baltes: Die Winzer von Mayschoß entschlossen sich im Jahr 1868 zu einem Zusammenschluss, da aufgrund der damals herrschenden Wirtschaftskrise nicht jeder einzelne Weinbaubetrieb in der Lage war, seinen Wein gewinnbringend zu vermarkten. Unter dem Dach der Winzergenossenschaft konnten Kosten gespart und Stärken gebündelt werden. Dieses System funktioniert bis heute bestens, da die Mitglieder sehr eng mit der Winzergenossenschaft verbunden sind und mit sehr viel ehrenamtlichen Engagement immer wieder neue Ideen vorantreiben.

Helga König: Können Sie etwas über die Rebsorten sagen, die von den Mitgliedern Ihrer Winzergenossenschaft angebaut werden? 

Matthias Baltes: Wir haben in der Winzergenossenschaft auf 145 ha Rebfläche ein Verhältnis von 22 % weißen Rebsorten und 78 % roten Rebsorten. Die Aufteilung der einzelnen Rebsorten ist ziemlich klassisch für das Anbaugebiet Ahr: 60 % Spätburgunder, 20 % Riesling, je 4 % Frühburgunder und Portugieser, 12% diverse andere Sorten. Gerade im Bereich Spätburgunder besteht eine Spezialisierung, da sowohl unsere Winzer sich bestens mit dem Anbau dieser Rebsorte auskennen und auch weil im Bereich „Weinausbau“ unser Kellermeister Rolf Münster über ein wahnsinnig große Erfahrung verfügt. Außerdem ist der Spätburgunder auch ganz klar die meist nachgefragte Rebsorte im Ahrtal.

Peter  J. König:  Wodurch zeichnet sich das Terroir in den Weinlagen an der Ahr aus?

Matthias Baltes: Das Terroir unserer Weinberge zeichnet sich durch die hier vorherrschenden Bodenverhältnisse besonders aus. Die Schieferverwitterungsböden sorgen bei unseren Weinen, egal ob Rot- oder Weißwein, für eine tolle Mineralität, die unvergleichlich ist. Außerdem sind gerade unsere Spätburgunder durch das kühlerer Klima sehr fruchtig und nicht zu schwer. Aromen von roter Johannisbeere, Cassis oder Walderdbeeren sind sehr typisch für unsere Weine. Der Anbau in fast ausschließlich Steil- und Steilstlagen führt außerdem zu einer besonderen Pflege der Rebanlagen, da die Winzer die Lese zu 100% von Hand vornehmen und dabei jeglich schlechtes Material aussortieren können.

Helga König: Was machen die Besonderheiten Ihrer Spitzenlagen aus und um welche Lagen handelt es sich hierbei?

Matthias Baltes:  Die Spitzenlagen der Ahr, in denen natürlich auch wir über Rebanlagen verfügen sind Altenahrer Eck, Mayschosser Mönchberg, Walporzheimer Kräuterberg und Ahrweiler Daubhaus. Hierbei hat jeder dieser Lagen seine eigene Besonderheit. Für alle Lagen gleich ist die besonders gute Ausreifung des Traubenmaterials. Der Walporzheimer Kräuterberg z.B. bringt ganz eigene Aromenkomponenten hervor, wenn man beim Anbau strikt auf geringere Menge und Qualität setzt. Der Name ist in diesem Fall Programm und so können Sie sehr würzige Aromen in den Weinen dieser Lage erkennen.
Peter J. König: Können Sie dem Leser näher bringen, wie die Arbeitsbedingungen in Ihren Steillagen an der Ahr sind?

Matthias Baltes:  Die Arbeitsbedingungen in den Steillagen der Ahr sind im Gegensatz zu den meisten anderen Anbaugebieten sehr schwer und extrem arbeitsintensiv. Die Arbeitszeit ist ca. 4-5 mal so hoch wie in flachen Weinbergen, die maschinell an Direktzuganlagen angebaut werden können. Außerdem ist die körperliche Anstrengung durch den hohen Anteil der Handarbeit sehr intensiv. Die beste Möglichkeit aber dem Gast diese schwere Arbeit nahe zu bringen ist, sich die Arbeit vor Ort einmal anzusehen. Wer über den bekannten Rotweinwanderweg wandert, trifft eigentlich zu jeder Jahreszeit auf Winzer die im Steilhang arbeiten und kann sehen, wie gearbeitet wird.

Helga König: Schon seit weit über 100 Jahren ist die Ahr und speziell Mayschoss als Ausflugsziel für Weintouristen bekannt. Welchen Einfluss hat der Bekanntheitsgrad Ihrer Winzergenossenschaft auf den Tourismus?

Matthias Baltes: Der Bekanntheitsgrad von Mayschoß als Ausflugsziel von Weintouristen spielt natürlich für unsere Winzergenossenschaft eine große Rolle. Gerade deswegen weil die Winzergenossenschaft in den beiden Orten Mayschoß und Altenahr mit Ihren Weinfesten die Hauptanlaufstellen speziell in der Weinfest-Zeit waren und sind. Viele Gästen kommen seit Jahrzehnten an die Ahr und zu unserer Winzergenossenschaft weil Sie in jungen Jahren hier gefeiert haben. Der Tourismus selbst hat sich in den letzten 20 Jahren allerdings stark verändert. So fokussiert sich der Zulauf der Touristen nicht mehr nur auf die Zeit der Weinfeste, sondern ist über das ganze Jahr präsent. Auch die Wünsche der Gäste haben sich über die Zeit verändert. So sind heute sehr viele Wanderer, Fahrradfahrer oder einfach Weinliebhabern bei uns zu Gast. 

Peter J. König: Inwiefern hat die moderne Weinbautechnik Ihre Weinerzeugung verändert und inwieweit fühlen Sie sich Ihrer jahrhundertealten Tradition verhaftet. 

Matthias Baltes: Die moderne Weinbautechnik hat natürlich auch bei uns Einzug gehalten. Ob in den Weinbergen durch z.B. neue Erkenntnisse der Bodenbearbeitung oder im Weinkeller durch z.B. Möglichkeiten der Gärsteuerungen. Die Neuerungen und die sich dadurch ergebenen Möglichkeiten muss man nutzen, um heute am Markt bestehen zu können. Der Stand der Ausbildung ist heute in der Weinwirtschaft so hoch und damit auch die Grundqualität der Weine in ganz Deutschland, so dass man sich ein verharren in alten Strukturen nicht leisten kann. Natürlich fühlen wir uns aber auch der Tradition verbunden und bauen z.B. immer noch sehr viele unsere Weine in traditionellen großen Holzfässern von 1000 oder 2400 Litern Fassungsvermögen aus. Der Anspruch ist aus Tradition und Innovation das Beste für unsere Winzergenossenschaft zu nutzen.

Lieber Herr Baltes für das aufschlussreiche Interview danken wir Ihnen herzlich.

Helga König, Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zur Website der Winzergenossenschaft Mayschoss-Altenahr und können den Wein bestellen: www.wg-mayschoss.de




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