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Helga König im Gespräch mit Dr. Bärbel Wardetzki

Liebe Frau Dr. Wardetzki, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Nimm`s bitte nicht persönlich" rezensiert. Hierzu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen.


Helga König: Was versteht man unter einer Kränkungsreaktion und was unter einer Kränkungshandlung? 
Dr. Bärbel Wardetzki



Dr. Bärbel Wardetzki:  Die Kränkungshandlung ist das, was beim anderen eine Kränkungsreaktion auslösen kann also z.B. eine Ablehnung, oder Zurückweisung. Die erlebte Kränkung ist dann die Kränkungsreaktion verbunden mit Gefühlen von Ohnmacht, Empörung, Schmerz, Kränkungswut und Selbstzweifeln. 
Helga König: Neigen Menschen, die in ihrer Kindheit sehr gekränkt wurden und diese Kränkungen nicht verarbeitet haben häufiger zu Kränkungshandlungen und falls ja, weshalb? 




Dr. Bärbel Wardetzki: Frühe, nicht verarbeitete Kränkungserlebnisse bilden einen "wunden Punkt", eine nicht verheilte Wunde, die bei ähnlich kränkenden Erlebnissen wieder aufbricht. Zudem können frühe Kränkungen die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls behindern, so dass der Erwachsene selbstunsicher reagiert und vieles negativ auf sich bezieht. 


Helga König:  Wie kann man sich der verdrängten Kränkungsleichen aus der Kindheit bewusst werden? 
Ist ein Gang zum Psychologen notwendig? 


Dr. Bärbel Wardetzki: Wenn wir erkennen, in welchen Situationen wir in der Regel gekränkt reagieren, bekommen wie einen Hinweis auf unsere Kränkungsthemen. Das kann schon ausreichen. Wir müssen nicht immer die genauen Ursachen wiederbeleben, aber wenn wir spüren, dass es was mit kindlichen Themen zu tun hat, gibt es Wege, diese zu verarbeiten z.B. durch eine Traumatherapie. 

Helga König:  Sie sagen, dass man Kränkungsreaktionen verhindern kann, indem man kränkende Äußerungen eines anderen nicht auf sich bezieht. Das ist nicht immer einfach, speziell dann, wenn Kränkungen einer Person immer wieder erfolgen und darauf abzielen, unseren Ruf in der Öffentlichkeit zu untergraben. Wie legt man sich in diesem Fall ein dickes Fell zu oder besser, wie minimiert man hier soziale Ängste? 



Dr. Bärbel Wardetzki: Gerade in diesem Fall wird doch deutlich, dass es nur wenig oder gar nichts mit uns zu tun hat, sondern mehr mit dem anderen, der uns schaden will. Umso mehr ist es nötig, zu unterscheiden: was geht mich an und was gehört zum anderen? Wichtig sind dabei die Unterstützung von außen, von neutralen Dritten und durch uns selbst: dass wir uns ok sein lassen und das Du nicht abwerten. 

Helga König:  Weshalb können Kränkungen Süchte auslösen? 

Dr. Bärbel Wardetzki: Vom Leben gekränkte Menschen neigen dazu, sich abzuwenden und nicht „mitzuspielen“. „Wenn die Welt so versagend ist, dann mache ich nicht mehr mit.“ Sie suchen dann die Befriedigung außerhalb von Menschen und Beziehungen z.B. in materiellen Dingen wie Alkohol, Essen, Spielen etc. Das kann leicht zu einer Suchtentwicklung führen. 

Helga König: Sie schreiben, dass es sinnvoll sei, im Falle von Kränkungen zunächst auf Distanz zu gehen. Weshalb ist dies sinnvoll? 


Dr. Bärbel Wardetzki: In der Distanz kann das Problem anders erlebt werden. Es verliert etwas von seiner Dramatik und wir haben die Chance, Kontakt zu uns selbst herzustellen, der in der Kränkungssituation verloren geht. Wenn wir uns spüren und verstehen, was wir brauchen, können wir zielgerichtet handeln mit dem Ergebnis, dass wir dann zufrieden sind. 

Helga König: Können Sie ein Beispiel für eine Kränkungsfalle geben? 


Dr. Bärbel Wardetzki: Die bekannteste Falle ist sicherlich: „Wie du es machst, ist es falsch“. Eine solche Anweisung, die nie zu erfüllen ist, nennt man „double bind“ (Doppelbindung) und ist am besten mit folgendem Beispiel zu erklären: Eine Mutter schenkt ihrem Sohn zwei Hemden, ein blaues und ein weißes. Der Sohn probiert zuerst das weiße, woraufhin die Mutter sagt: „Und das blaue gefällt dir wohl nicht?“ Ebenso hätte sie reagiert, wenn der Sohn zuerst das blaue angezogen hätte. Er kann es ihr nie recht machen, denn was er auch tut, es ist immer falsch. Und sie ist gekränkt, weil sie das Gefühl hat, ihr Sohn missachtet ihr Geschenk.

Helga König:  Wieso stimmt etwas nicht, wenn man im Umgang mit jemand Samthandschuhe benötigt? 

Dr. Bärbel Wardetzki: In diesem Fall hat man es mit einem sehr kränkbaren Menschen zu tun, den man schützen will. Das hat zur Folge, dass wir uns kontrollieren, indem was wir sagen und wie wir uns verhalten. Spontanität und Authentizität sind dann nicht mehr möglich und wir entfernen uns von uns selbst. Helfen tut das meist nicht, denn der andere wird immer etwas finden, was wir vermeintlich falsch machen und was ihn kränkt. 

Helga König:  Wie bemerkt man rechtzeitig, dass unser Gegenüber eine "Mimose" ist und wie geht man mit einer solchen Person richtig um?


Dr. Bärbel Wardetzki: Mimosen erkennen wir daran, dass diese Menschen sehr schnell beleidigt sind und sich von uns abwenden oder uns Vorwürfe machen. Mit diesen Menschen ist es sehr schwer, sich auseinander zu setzen und ehrlich zu sprechen. Denn alles was wir sagen und tun kann „gegen uns verwendet“ werden und wird sind dann die Schuldigen. Ein solcher Kontakt endet immer mit schlechten Gefühlen. Auf jeden Fall sollte man vermeiden, einen solchen Menschen zu schonen, denn dann geht man auf sein „Spiel“ ein und sitzt in der Falle. 

Helga König:  Was bezwecken Sie beim Leser, indem Sie ihn auffordern, sich Ihrem Kränkungstyptest zu unterziehen? 

Dr. Bärbel Wardetzki: Viele Menschen haben das Bedürfnis, sich besser zu verstehen und sich einordnen zu können. Tests bieten dafür eine gute Möglichkeit, obwohl sie natürlich nie die komplexe Person abbilden können. Zuschreibungen können die Folge sein.

Liebe Frau Dr. Wardetzki, herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview.
Ihre Helga König

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