Liebe Britta Roeder, Leser des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" kennen Sie als Schriftstellerin und als eine der Moderatorinnen der Veranstaltung von "Pack ein Buch ein" in der Kunstgalerie im Büchnerhaus in Riedstadt-Goddelau. Darüber hinaus sollte man Sie aber auch als eine der Organisatorinnen der Buchmesse Ried, die alljährlich in Stockstadt/Rhein stattfindet, kennenlernen.
Dazu und speziell zur der 29. Messe, die am 7. und 8. März 2026 in Stockstadt stattfindet, möchte ich heute einige Fragen an Sie richten.
Helga König: Worin besteht Ihre Aufgabe, in der Organisation der Buchmesse Ried?
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| Britta Roeder |
Insgesamt sind wir derzeit ein siebenköpfiges Team, vier von uns rein ehrenamtlich engagiert, alle zusammen sind wir eingefleischte Büchermenschen. Neben zwei in der Gemeinde fest angestellten Orga-Team-Mitgliedern und dem Bürgermeister Thomas Raschel sind das René Granacher, Autor und der "Vater" der Messe, er hat das Event vor über dreißig Jahren initiiert, der Autor Ralf Schwob aus Groß-Gerau und die Buchhändlerin Lucia Bornhofen aus Gernsheim. Ich bin erst vor ca. zehn Jahren dazugekommen.
Mein Part ist hauptsächlich das Social Media Marketing. Ich betreue auf Instagram den Account @riedbuchmesse und auf Facebook das "Literaturportal Südhessen". Dort stelle ich kleine News rund um die Messe ein, porträtiere die ausstellenden Verlage sowie die Autorinnen und Autoren, kündige einzelne Programmpunkte an, z.B. die zahlreichen Lesungen.
Die Besucher sollen wissen, was für ein vielfältiges und interessantes Programm sie erwartet, welche Verlage sich präsentieren und wer wann liest. Ein wichtiger Nebeneffekt ist, den Akteuren damit etwas an die Hand für ihr eigenes Marketing zu geben, d. h sie zu unterstützen, ihren Auftritt bei uns und damit indirekt auch die Messe zu bewerben.
Während der Messe moderiere ich die eine und andere Lesung an, fotografiere viel vor Ort, stelle auch das bei Social Media ein.
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| Helga König |
Britta Roeder: Händler gehören tatsächlich zur kleinsten Gruppe der Ausstellenden. Drei Buchhandlungen präsentieren sich bei uns und gehören seit Jahren ins feste Repertoire. Um einen Platz bewerben sich vor allem Verlage und Autoren bzw. Autorinnen, darunter viele, die auch im Selfpublishing veröffentlichen, ein Trend, der sich auch bei uns sehr deutlich abzeichnet. Da wir weitaus mehr Anfragen haben als Plätze, können wir leider tatsächlich nicht alle annehmen. Wir bemühen uns permanent um Optimierung, so haben wir z.B. Bereiche mit kleineren Ständen eingerichtet, um Einzelautoren in Gemeinschaftsbereichen unterzubekommen. Ansonsten orientieren wir uns am Angebot. Am Ende soll eine gute Mischung aus Bekanntem, aus Neuem und möglichst verschiedenen Genres die Messegäste unterhalten.
Helga König: Handelt es sich in Stockstadt primär um kleinere Verlage, für die die Buchmesse in Leipzig und Frankfurt als Ausstellungsorte zu teuer sind?
Britta Roeder: Es sind sogar ein paar Ausstellende dabei, die beides mitnehmen, die sich z. B. auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren und auf einer kleinen Buchmesse wie der unseren. Für sie ist die Buchmesse im Ried dann Zusatzprogramm. Für die meisten kleinen Verlage – für Autorinnen und Autoren sowieso – sind die ganz großen Messen viel zu teuer und so wählen sie ganz bewusst kleine regionale Veranstaltungen, um sich ihrem Publikum zu zeigen.
Aber daneben gibt’s noch mehr Argumente, um sich für die Teilnahme bei einer kleinen Messe zu entscheiden.
Unsere Buchmesse dauert nur zwei Tage, nimmt den Ausstellenden zwar ein Wochenende aber keine Werktage weg.
Die räumliche Nähe ist für viele ein Pluspunkt. Reisekosten entfallen, die Wege sind kurz. Man profitiert von der regionalen Nähe zur Zielgruppe. Besonders für Verlage mit Titeln, die einen regionalen Bezug haben, ist das interessant.
Hinzu kommt die familiäre Atmosphäre. Anders als auf den großen Messen ist der Austausch zwischen Lesenden und Büchermachern viel direkter möglich. Davon profitieren besonders die Autoren und Autorinnen, die ihre Fans direkt zur Messe einladen.
Helga König: Auf Ihrer Veranstaltung "Pack ein Buch ein" wurde deutlich, dass es bei kleinen Verlagen Juwelen gibt, die leidenschaftliche Leser entdecken sollten. Sind solche Juwelen auf der Buchmesse in Stockstadt vermehrt zu finden?
Britta Röder: Ein gutes Stichwort! Die Verlage, die kommen, sind tendenziell klein und unabhängig. Dazu zähle ich auch die Selfpublisher, die wie ihr eigener Verlag agieren. Da werden Bücher mit sehr viel Herzblut, aber auch mit fundiertem Branchenwissen gemacht. Den Besuchern bietet sich dadurch die besondere Chance, richtig gute Literatur jenseits des Mainstreams zu entdecken, zumal man sich auch bei den zahlreichen kostenlosen Lesungen direkt ein Bild machen kann. Da die Vielfalt an Themen und Genres sehr groß ist, dürfte für jeden etwas dabei sein.
Helga König: Es werden zur bevorstehenden Messe Lesungen und Vorträge angeboten. Worum handelt es sich dabei konkret?
Britta Roeder: Unser Veranstaltungsprogramm ist ein echter Marathon. An beiden Messetagen finden direkt neben der Ausstellungshalle in fünf verschiedenen Räumen im Stundentakt Autorenlesungen statt. Alle sind kostenlos. Die Auswahl ist enorm. Die angeboten Genres sind Krimi, Fantasy, zeitgenössische Belletristik, Ratgeber, Sachbuch, Liebesromane, historische Romane, Lyrik und ein Extra-Kinderprogramm. Hoffentlich habe ich nichts vergessen.
Für die Besucher, die selbst auch schreiben, haben wir einen kostenlosen Fachvortrag im Programm. Am Samstag um 14:30 Uhr referiert die mehrfach ausgezeichnete Autorin Sabine Ulrike Maier, auch Mitglied des 42er Autoren e.V. Dabei wird es ums biographische Schreiben gehen.
Anlässlich des Internationalen Frauentags haben wir am Sonntag, den 8. März mit Anette Welp und ihrem Augen Auf Verlag eine besondere Lesung geplant. Um 15:30 Uhr präsentieren sich sieben Autorinnen, die ein gemeinsames Buch herausgegeben haben: „Licht an, Kopf aus!“ heißt der Titel, der echte Frauen-Power auf die Buchmesse bringen wird.
Etwas Außergewöhnliches ist sicher auch der literarische Gottesdienst am Sonntag um 9:30 Uhr im Gemeindehaus. Zu Gast ist mit Susanne Konrad eine Frankfurter Autorin, die mit ihrer Erzählung „Opa datet“ das Thema „Liebe im Alter“ betrachten wird.
Über all diese Programmpunkte kann man sich auch im Netz informieren. Unter https://www.riedbuchmesse.de/ ist das Veranstaltungsprogramm hinterlegt. Und über die genannten Social Media Kanäle @riedbuchmesse bei Instagram und „Literaturportal Südhessen“ auf Facebook erhält man auch regelmäßig Infos.
Helga König: Können Sie unseren Lesern etwas zur Eröffnungsfeier und der Preisverleihung auf der Messe im März 2026 mitteilen?
Britta Roeder: Die Eröffnungsfeier bildet den traditionellen Auftakt der Buchmesse im Ried. Sie startet am Samstag um 11:00 Uhr im großen Kulturraum mit der feierlichen Verleihung des Literaturpreises und des Jugendliteraturpreises der Sparkassenstiftung. Das Wettbewerbsthema lautete „Grenzenlos“. Dieser Festakt wird musikalisch begleitet, in diesem Jahr vom Cello-Quartett des Gymnasiums Gernsheim.
Die Veranstaltung wird getragen von einer enormen Spannung, denn es werden ja die Namen der Gewinner und Gewinnerinnen bekanntgegeben. Alle am Wettbewerb Teilnehmenden sind vor Ort, das ist eine der Teilnahmebedingungen. Alle prämierten Texte werden in einer Anthologie veröffentlicht. Auch diese wird erst im Rahmen der Veranstaltung das erste Mal gezeigt und ist erst danach käuflich zu erwerben.
Zeitnah um 13:30 Uhr findet im Anschluss im Raum ‚Filmpalast‘ eine Lesung statt, bei der die Prämierten das erste Mal vor Publikum aus ihren ausgezeichneten Texten vortragen.
Helga König: Buchhandlungen aus dem Umfeld sind ja auch vertreten. In welcher Beziehung stehen diese Buchhandlungen zu den 5o Verlagen, die auf der Messe ihre neuen Bücher präsentieren?
Britta Roeder: Man ist untereinander sehr kollegial und sich gegenseitig unterstützend und ergänzend. Die Buchhandlungen runden das Angebot der Verlage und der anderen Ausstellenden ab. Dort können die Messegäste direkt Bücher aus dem aktuellen Ladensortiment erwerben, sicher auch den einen und anderen Besteller.
Ein Beispiel, um zu zeigen, wie sehr man sich unterstützt: Als ich im letzten Jahr meinen Erzählband FLIEHKRAFT auf der Messe vorgestellt habe, war das Buch am Verlagsstand schnell vergriffen, aber die Buchhandlungen hatten ihn ebenfalls vorrätig und haben die danach Fragenden auch zum Stand des jeweiligen Kollegen geschickt. Man kennt sich, man schätzt sich und hilft einander.
Helga König: Gibt es ein spezielles Programm für Kinder auf der Stockstädter Messe?
Britta Roeder: Ja, besonders die jüngsten Gäste liegen uns sehr am Herzen. Daher gibt es für sie an beiden Messetagen ein eigenes Programm. Insgesamt finden vier Kinderbuch-Lesungen plus einmal Bilderbuchkino statt. Am Sonntag zeigen wir dank Kooperation mit dem Deutschen Filmmuseum Frankfurt a.M. zwei Filme: „Die kleine Hexe“ und „Paddigton“ (Eintritt je 2 Euro).Außerdem gibt es wieder das beliebte Suchspiel, bei dem die Kids direkt kleine Preise gewinnen können. Und selbstverständlich sind die ausstellenden Buchhandlungen auch auf die jungen Besucher vorbereitet.
Helga König: Was erhoffen sich die Organisatoren und damit auch Sie von der Messe 2026?
Britta Roeder: Wir wünschen uns, dass die Buchmesse im Ried 2026 – ebenso wie die vorangegangen Buchmessen auch – ein echtes Fest für Büchermenschen wird, für Lesende ebenso wie für die, die Bücher machen. Mit ganz vielen Begegnungen, Gesprächen, spannendem Austausch. Dass jeder, der kommt, etwas für sich entdeckt. Dass die Menschen neugierig sind, dass sie Bücher kaufen, dass sie die Lesungen besuchen.
Helga König: Gibt es etwas auf der Messe, dass man keinesfalls übersehen sollte?
Britta Roeder: Da gibt es ganz, ganz viel. Aber zwei Punkte gehören unbedingt noch hervorgehoben.
Erstens: Die Kuchentheke! Die ist wirklich legendär. Dank der ehrenamtlichen Unterstützung des Fördervereins der Kühkopfschule werden wir alle kulinarisch phantastisch versorgt. Neben Kaffee und Kuchen gibt’s auch ein kleines, aber sehr feines Angebot deftiger Spezialitäten aus der pakistanischen Küche. Die Sitzplätze des Messe-Cafés befinden sich auf der Bühne der Altrheinhalle. Ein perfekter Ort, um sich zu treffen und über Messeerlebnisse auszutauschen.
Zweitens: Am Samstagabend findet um 19:30 Uhr zum wiederholten Mal ein Poetry Slam statt. Unterstützt werden wir von den Organisatoren der sehr erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Slam Jam – Die Macht der Worte“ aus Groß-Gerau, die anlässlich der Buchmesse im Ried extra Station in Stockstadt machen wird. Das Besondere an diesem Live-Event wird wieder sein, dass sich hier Poetry Slam-Profis mit Autoren bzw. Autorinnen der Messe duellieren werden. Das Publikum kürt den Sieger des Abends durch seinen Applaus. Moderiert wird von Sebastian Hauf.
Dies ist die einzige Veranstaltung für die ein moderates Eintrittsgeld erhoben wird. Die Tickets kosten nur 9 Euro, sind unter www.slam-jam.de sowie an der Abendkasse erhältlich. Mein Tipp: Man sollte sich beeilen. Die Veranstaltung ist immer schnell ausverlauft.
Liebe Britta Roeder, besten Dank für das aufschlussreiche Interview.
Helga König



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