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Helga König im Gespräch mit Pater Zacharias Heyes/Kloster Münsterschwarzach über seine beiden Bücher: "Bei mir selbst zu Hause- Vom guten Umgang mit Leib und Seele" "Es leuchtet der Stern"

Lieber Pater Zacharias Heyes, dieser Tage habe ich  zwei Ihrer Bücher auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert und möchte Ihnen heute dazu einige Fragen stellen.

Anbei die Links zu den Rezensionen:   

Helga König:  Sie sind Mönch im Kloster Münsterschwarzach. Dort lebt auch der Mönch und Bestsellerautor P. Dr. Anselm Grün. Hat er Sie motiviert, mit dem Schreiben von Büchern zu beginnen oder kannten Sie Ihre Schreibbegabung schon vor der Zeit als Benediktinermönch? 

 P. Zacharias Heyes
P. Zacharias Heyes:  Die erste Anfrage kam von unserem Verlag mit der Bitte, eine Kleinschrift zu schreiben über meine Arbeit als Notfallseelsorger, um Menschen, die diesen Begriff immer wieder hören, aber nicht wissen, was damit gemeint ist, eine Information zu dieser Arbeit zu geben. Immer schon aber hat mir der Umgang mit Sprache Freude bereitet. Zunächst beim Lesen von vielen Büchern als Kind, dann kam die Freude am Predigen nach meiner Priesterweihe und jetzt das Schreiben von Büchern.

Mit P. Anselm war ich bereits in Brasilien und den Niederlanden unterwegs, um Bücher vorzustellen. Von ihm erfahre ich große Unterstützung und Ermutigung, diesen Weg weiter zu gehen und meinen Stil zu finden, die Menschen zu erreichen. 

 Helga König
Helga König: In Ihrem Buch "Bei mir selbst zu Hause- Vom guten Umgang mit Leib und Seele"geht es Ihnen darum, dass es uns und unserer Seele gut geht, dass wir uns verlässlich aufgehoben fühlen können und wir bei uns selbst zu Hause sind bzw. auch sein können. Können Sie sich erklären, weshalb so viele Menschen im Hier und Jetzt seelische Probleme haben? 

P. Zacharias Heyes: Ich kann mir vorstellen, dass unsere schnelllebige Zeit dazu einen Beitrag leistet. In meinem Buch schreibe ich von den Menschen, die ständig unterwegs sind – durchaus auch beruflich bedingt – die sich nie richtig verwurzeln und ankommen können. Aber auch von Menschen, die ständig und immer im Netz unterwegs sind und keinen Ruhepunkt finden. Darüber hinaus tragen aber auch Beziehungen, die in die Brüche gehen oder Lebensentwürfe, die zerbrechen, dazu bei, seelisch wurzellos zu werden. Auch immer höhere Leistungsanforderungen und das dadurch ausgelöste Gefühl, ständig Leistung bringen zu müssen und sich keine Ruhe gönnen zu dürfen, bringen die Seele in Bedrängnis.

Helga König: Sie schreiben in diesem Buch von fünf Personen, die Gottes Nähe sicher waren. Eine der Personen ist Benedikt von Nursia, nach dessen Regeln alle Benediktiner und Benediktinerinnen leben. Weshalb sind diese Regeln noch heute nicht nur für Mönche und Nonnen dieses Ordens von großer Bedeutung? 

P. Zacharias Heyes: Das Anliegen des hl. Benedikt war es, in seiner Zeit – die durch die damalige Völkerwanderung auch eine sehr instabile und aufgewühlte Zeit war – durch eine stabile äußere Ordnung den Menschen auch zu einer inneren Stabilität zu führen. Angelpunkt für Benedikt ist dabei das Gebet bzw. die Verwurzelung in Gott. Dem Gebet soll nichts vorgezogen werden. Der Mönch soll sich stets sicher sein, dass Gott da und gegenwärtig ist. Dafür braucht es feste Zeiten des Gebetes, aber auch der Arbeit, der Erholung, des Schlafes. Gott soll er immer und überall finden und darin einen "stabilen Anker" und Halt. Eine solche Stabilität ist auch heute für jeden Menschen wichtig. Gerade die politische Weltsituation löst in vielen Menschen Unsicherheit und Ängste aus. Um so wichtiger ist ein innerer Halt und eine Verankerung in Gott. 

Helga König: Auch über Franz von Assisi schreiben Sie in Ihrem Buch. Sie schreiben, dass mit seiner Liebe und seinem einfältigen Gottvertrauen es diesem Heiligen gelingt, Menschen und Tiere für sich zu begeistern und ihnen zu zeigen, wo ihr wahres Zuhause ist. Was verstehen Sie unter "einfältigem Gottvertrauen" und weshalb es genau dies so überzeugend?

 P. Zacharias Heyes
P. Zacharias Heyes: Ein solches Gottvertrauen ist eines, das sich nicht erschüttern lässt und durch nichts zerstört werden kann. Ich könnte auch "solides Gottvertrauen" sagen. Franz von Assisi hat auf sein Herz gehört, hat den Anruf Gottes wahr genommen und ist dem treu geblieben. Er ist seinen Weg gegangen – egal, was andere gesagt haben. Ein einfältiges Gottvertrauen ist eines, das in einem bodenständigen Leben gewachsen ist und sich bewährt hat. Deshalb überzeugt es: Franziskus war "authentisch". Sein Reden und sein Leben fielen nicht auseinander. 

Helga König: Sie zeigen im 2. Teil des Buches mittels vieler praktischer Übungen, wie man es schafft im Alltag gut für die eigene Seele zu sorgen. Welche der Übungen sollte man möglichst täglich machen, um sich auf diese Weise wirklich wohl bei sich zu Hause fühlen zu können?

P. Zacharias Heyes: Ich schreibe im Buch von der Übung, sich selbst zu umarmen und sich dabei vorzustellen, dass genauso Gott mich umarmt. Man sollte zuhause einen Ort, einen Platz, einen Raum haben, der so eingerichtet ist, dass ich mich dort wohl fühle, geborgen und aufgehoben. Und dort setze ich mich jeden Tag eine Zeit lang hin. Ich stelle mir vor, dass ich bei Gott zuhause bin, dass Gott mich annimmt wie ich bin. Die Umarmung darf ich auch wirklich tun, indem ich meine Arme um mich lege. Und ich darf spüren, wie es mir gut tut. Hilfreich ist auch, dass ich immer wieder ganz bewusst und tief atme und mich vergewissere, dass in meinem Atem Gott gegenwärtig ist. In der Bibel ist "Geist" das gleiche Wort wie "Atem". Gottes Geist also atmet in mir. Deshalb kann ich in mir und in Gott zuhause sein. 

 Helga König
Helga König: In Ihrem wunderbaren Buch "Es leuchtet der Stern- Ein Begleiter durch die Advents- und Weihnachtszeit" nehmen Sie die Leser in Meditationen und Impulsen vom 1. Dezember bis zum Dreikönigsfest mit auf den Weg zur Krippe. Dabei hat der Stern, dem die drei Weisen folgen, eine besondere Bedeutung. Wie verhält es sich mit besagter Bedeutung?

P. Zacharias Heyes: Der Stern heißt es, leuchtete den drei Weisen und zog ihnen voraus bis zur Krippe. Sie waren so weise, in ihm – weil es ein besonderer und selten erscheinender Stern war – die Ankündigung der Geburt eines Königs und besonderen Menschen zu erkennen. Entscheidend ist, dass die drei Weisen sich so angesprochen fühlten, dass sie aufbrachen. In ihnen war die Sehnsucht aufgeleuchtet, diesen König kennen zu lernen, weil er für sie wichtig war. Dieser sind sie gefolgt. Darum geht es: Sich auf den Weg der eigenen Sehnsucht zu machen. 

Helga König: In Ihr Buch binden Sie Ihre Erfahrungen als Pilger des Jakobswegs ein. Werden Sie von dem Stern, den Sie damals wahrnahmen als Sie sich zur Pilgereise entschieden haben, noch immer begleitet und falls ja, was bewirkt dieser Stern bei Ihnen heute?

P. Zacharias Heyes: In mir war damals sozusagen der Stern der Sehnsucht aufgegangen. Mich hatte eine Sehnsucht gepackt, diesen Weg zu gehen. Diese Sehnsucht war so stark, dass ich ihr folgen musste – ohne dass ich wusste, welcher Sinn in diesem Weg lag. Als ich in Santiago ankam, hatte ich in mir eine große Weite des Herzens, ein gewachsenes Gottvertrauen und das Wissen: Ich schaffe jeden Weg. Unterwegs hatte ich erfahren, dass im Mittelalter der Weg nach Santiago auch der "Weg der Stärke" genannt wurde. Wer diesen Weg - so sagte man - geschafft hat, wird jeden Weg im Leben meistern. Gottvertrauen, Weite und Ausdauer – das sind drei Qualitäten, die bis heute in mir lebendig sind.

Helga König: Was unterscheidet ein mutiges Herz von einem kühnen, wenn es darum geht, seinem Stern zu folgen?

 P. Zacharias Heyes
P. Zacharias Heyes: Meinem Gefühl nach ist ein mutiges Herz ein Herz, das etwas wagt, ein Risiko auf sich nimmt. Ein kühnes Herz ist vielleicht noch eine Steigerung davon – es ist ein Herz, dass "unverschämt" ist und die Kraft findet, Dinge zu tun oder sich einzusetzen, wo andere sagen, dass kann doch nur schiefgehen, oder das Risiko ist viel zu groß. Bei meinem "Lebens-Stern"  - dem Stern meiner Sehnsucht - ist es vielleicht so, dass es mutig ist, den Stern zu sehen und der Sehnsucht zu trauen und ihr Raum zu geben. Kühn ist es vielleicht, dieser Sehnsucht zu folgen – gerade wenn es bedeutet das ganze Leben noch einmal neu zu organisieren, auszusteigen, neu zu beginnen. So wie es ein mir bekannter Mensch getan hat, der in der Lebensmitte ganz neu aufgebrochen ist, alle Zelte abgebrochen hat und in ein neues Land gegangen ist – mit 2 Koffern. Nicht wissend, ob er dort Arbeit findet, wo er wohnen und schlafen wird. Aber wissend: Ich muss das jetzt tun. Mutig wäre es gewesen, diesen Schritt zu wagen, aber erst wenn Wohnung und Arbeit sicher gewesen wären.

Helga König:Warum hilft uns Gottvertrauen so nachhaltig, neue Wege zu gehen und wie kann man dieses Gottvertrauen stärken?

P. Zacharias Heyes: Ich bin gebürtig Rheinländer und im Rheinland gibt es ein Sprichwort: "es ist noch immer gut gegangen." Gottvertrauen meint genau dies: Vertrauen zu haben, dass es am Ende gut wird. Wenn die Sehnsucht zur Veränderung wirklich aus der Tiefe meines Herzens kommt und Gottes Anruf an mich ist, dann darf ich dem trauen. Henri Nouwen – ein geistlicher Schriftsteller – hat einmal den Glauben verglichen mit einem Artisten, der bei einem bestimmten Kunststück in einigen Metern Höhe von seinem Podest springt, einige Saltos in der Luft macht und sich dann von seinem Gegenüber auf der anderen Seite auffangen lässt. Dabei darf er nichts weiter tun als die Arme auszustrecken und zu vertrauen, dass der Andere ihn auffängt. Gott ist für Nouwen der Fänger. Es braucht das Wagnis, Gott zu vertrauen, ihm "Vorschußvertrauen" zu geben und dann zu erfahren: Es trägt, Gott trägt mich. Je öfter der Mensch erfährt, dass Gott ihn auffängt und trägt, desto sicherer wird dieses Fundament.

Lieber Pater Zacharias, besten Dank für das aufschlussreiche Interview.
Ihre Helga König

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