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Helga König im Gespräch mit Jacqueline Bakir Brader, Autorin von "Die Mutmacherin"

Liebe Jacqueline Bakir Brader, dieser Tage habe ich Ihr Buch "Die Mutmacherin" auf "Buch, Kultur und Lifestyle" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen. 


Helga König: Was ist der Motor für Ihren unbändigen Willen, Probleme aller Art erfolgreich zu bewältigen? 

 Jacqueline Bakir Brader
Jacqueline Bakir Brader:  Als aller erstes ist es mein Optimismus die Dinge so zu sehen, wie sie sind und dann an sie heran zu gehen. Ich habe gelernt an mich zu glauben, auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint. Und dann ist der entscheiden Faktor, die enge und große Verbundenheit zu meiner Familie. Die Liebe zu ihr gibt mir immer wieder neue Kraft. 

Helga König: Haben Sie sich einst als Gymnasiastin mit der Frauenbewegung hierzulande befasst und falls ja, hat diese Sie inspiriert, sich vom anatolischen Frauenbild zu emanzipieren?

Jacqueline Bakir Brader:  Ja, das hat sie und mich darin bestätigt, meinen eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Dabei war es mir immer wichtig meine Wurzeln nie zu verleugnen, sich aber kritisch mit dem anatolischen Frauenbild auseinanderzusetzen. 

 Helga König
Helga König: Wie war es möglich, dass Sie ihrem Vater die körperlichen Züchtigungen von einst verzeihen konnten und den Kontakt zu ihm wieder aufnahmen?

Jacqueline Bakir Brader: Die Liebe zu meiner Mutter und meinen Geschwistern, haben mir dabei sehr geholfen. Je mehr ich versuchte die Handlungen meines Vaters zu verstehen, stellte ich auch fest, dass er von seinen Eltern nichts anderes gelernt hatte. Es kam irgendwann die Zeit des Verzeihens. Sie war für uns beide wichtig, damit wir miteinander den inneren Frieden finden konnten. 

Helga König: Ist es für Ihre Kinder nachvollziehbar, welch schwierige Jugend Sie hatten, sprechen Sie mit Ihren Töchtern über Ihre Kindheit und Jugend? 

Jacqueline Bakir Brader: Ja, in unserer Familie wird sehr viel gesprochen, diskutiert. Unter anderem natürlich auch, wie es mir in meiner Kindheit und Jugendzeit ergangen ist. Dadurch stellen meine Kinder immer wieder fest, wie gut es ihnen geht und in welcher Freiheit sie aufwachsen dürfen. Dass es keine Selbstverständlichkeit ist, ein selbstbestimmtes Leben führen zu dürfen. Probleme und auftretende Meinungsverschiedenheiten werden bei uns erörtert und gemeinsam gelöst. Jede Form von Gewalt wird in unserem Hause nicht geduldet. 

Helga König: Hätten Sie sich vorstellen können, einen konservativen Türken zu heiraten? 

Jacqueline Bakir Brader: Das beantworte ich mit einem Wort: Niemals!

Helga König: Sie sind beruflich äußerst erfolgreich. Gibt es Menschen, denen Sie auf ihrem beruflichen Weg viel zu verdanken haben? 

 Jacqueline Bakir Brader
Jacqueline Bakir Brader: Meine Schwestern und Mutter waren und sind ein ständiger Begleiter. Ihnen verdanke ich sehr viel. Meine Schwestern arbeiten mit mir zusammen in unseren Unternehmen und helfen mir, wo sie nur können. Meine Mutter war/ist immer da, wenn ich einen weisen Rat brauchte. Sie hat mich immer wieder aufgebaut, wenn es mir nicht gut ging. Und glauben sie mir: Es gab viele Tage, wo ich dachte, warum passiert mir das alles! 

Helga König
Helga König: War es schwierig für Sie, in der Gesellschaftsschicht, in der Sie sich heute bewegen, Akzeptanz zu finden? 

Jacqueline Bakir Brader: Ja, als Ausländerin in der Immobilienbranche zu arbeiten, war schon schwierig. Aber dann auch noch als Frau…- das hat sehr lange gedauert, bis man sich Akzeptanz erarbeitet hat. Doch gerade ein solches Auftreten dieser sogenannten "Gesellschaftsschicht" gegenüber meiner Person, trieben mich immer wieder an und brachten mich dahin, wo ich heute stehe. 

Helga König: Welche Lernprozesse, unabhängig von den schulischen, haben Sie zu der Frau gemacht, die Sie heute sind? 

Jacqueline Bakir Brader: Oh, da gibt es so viele. Das würde den Rahmen des Interview sprengen. Da verweise ich gerne auf mein Buch. Kurz angerissen waren es sicherlich folgende Punkte: Die berufliche Selbstständigkeit, mein Optimismus, die Nächstenliebe und der alles überragende Punkt- Mutter von drei Mädchen zu sein. Mein allerschönstes Geschenk und auch der größte Lernprozess. 

Helga König: Hindert das "Kopftuch" junge Türkinnen daran, sich vollständig zu integrieren?

Jacqueline Bakir Brader: Es hindert nicht, aber es erschwert sicherlich den Integrations-Prozess. 

Helga König: Können Sie unseren Lesern ein wenig über das Robert-Koch-Haus und ihr Engagement diesbezüglich mitteilen? 

 Jacqueline Bakir Brader
Jacqueline Bakir Brader: Mir war es wichtig mitten im Herzen der Stadt, in der mein beruflicher Aufstieg begann, etwas Besonderes zu erwerben. So kaufte ich das "Wahrzeichen" von Wilhelmshaven- das denkmalgeschützte Robert-Koch-Haus. Ich sanierte es und ließ es im neuen Glanz erstrahlen. Inzwischen wird es für Seminare, Lesungen und Ausstellungen genutzt. Für mich eine besondere Freude. Somit bekommt die Kultur in Wilhelmshaven eine neue Plattform.

Helga König:  Ihr Buch enthält neben dem packend zu lesenden Text sehr schöne Fotos. Was hat es mit diesen auf sich? 

Jacqueline Bakir Brader: Die Bilder wurden von der Fotografin Mandy Vollmer gemacht. Es sind Fotos aus der Region, in der ich lebe. Mir war es wichtig, von den üblichen Familienbildern abzusehen und stattdessen typisch norddeutsche Landschaften zu zeigen. Ich denke, sie passen wunderbar in das Buch um die Kapitel sacken zu lassen, bevor der Leser sich dem nächsten Abschnitt widmet.

Liebe Jacqueline Bakir Brader, ich danke Ihnen für das erhellende Interview. 

Ihre Helga König 

Fotos aus dem Bestand von:Jacqueline Bakir Brader,Fotograf unbekannt

Bitte klicken Sie auf den, dann gelangen Sie zu Website von  Jacqueline Bakir Brader und können das Buch bestellen.http://www.bakirbrader.de/

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