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Helga und Peter J. König im Gespräch mit Dr. Georg Prinz zur Lippe, Weingut Schloss Proschwitz. Thema die Winzersekte seines Hauses.

Lieber  Dr. Georg Prinz zur Lippe, dies ist das dritte Interview auf "Buch  Kultur und Lifestyle", in denen sich die jeweiligen Gesprächspartner über Produkte Ihres Hauses austauschen. Ging es 2011 um Ihre Weine und 2013 um Ihre Spirituosen, so ist das heutige Thema Ihr Winzersekt.  Vor geraumer Zeit haben wir hier auf "Buch, Kultur  und Lifestyle" fünf Winzersekte Ihres Hauses vorgestellt.


Helga König: Als V.D.P. Weingut in Sachsen, Deutschlands kleinstem Weinanbaugebiet, haben Sie sich mittlerweile einen überaus respektablen Namen in der Weinszene gemacht. Welche Bewandtnis hat es hierzu mit Ihrer Familiengeschichte?

  Dr. Georg Prinz zur Lippe
Weingut Schloss Proschwitz
Dr. Georg  Prinz zur Lippe: Mein Familienzweig, der ursprünglich aus dem kleinen Fürstentum Lippe stammt, hat sich im 18. Jahrhundert entschlossen, in das damals enorm prosperierende Sachsen auszuwandern. Über Generationen entstand hier ein Familienunternehmen mit verschiedensten Aktivitäten, zu denen auch der Weinbau zählte. Proschwitz ist mit seinen Weinbergen, die ursprünglich nahezu alle in kirchlichem Besitz waren, das älteste Weingut Sachsens. Zu unserem Weingut gehören die Weinberge der Lage Heilig Kreuz, die dem Benediktinerinnenkloster zum Heiligen Kreuz gehörten, sowie Weinberge des Zisterzienserklosters Altzella, Teilen der Weinberge des Klosters Seußlitz und den bischöflichen Weinbergen, die heute gemeinsam in der Lage Schloss Proschwitz vereint sind. 


Meine Familie hat das Weingut durch Heirat aus den Händen der Familie von Carlowitz übernommen. Ein wichtiger Protagonist war für mich mein Großvater Clemens, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in großem Maßstab die Wiederbelebung der Weinbauflächen nach der Reblaus-Katastrophe betrieben hat, und Namensgeber eines Cuvées unseres Hauses wurde.



Peter J. König:  Zu Ihren Weinen haben wir bereits ein Interview mit Ihnen geführt, jetzt möchten wir speziell über Ihre unterschiedlichen Sekte etwas erfahren. Welche Philosophie legen Sie diesbezüglich zu Grunde?


Dr. Georg  Prinz zur Lippe Für mich müssen Sekte ausdrucksvoll und in einer Balance zwischen Frucht und Cremigkeit bei feinster Perlage sein. Deshalb ist die Auswahl der Grundweine und eine punktgenaue Lese die Grundlage der Versektung. Auf den Punkt gebracht heißt dies, große Erntemengen pro Hektar sind hier tabu. Der Ausbau unserer Sekte, der bisher nur zum Teil im eigenen Hause erfolgen kann, basiert in jedem Falle auf einem langen Hefelager und erfolgt bei den Rebsorten reinen Sekten generell im traditionellen Champagnerverfahren. 

Helga König: Vier verschiedene Sekte stammen von Schloss Proschwitz, das Cuvée Alexandra jedoch von der Edition Meissen.

Dr. Georg  Prinz zur Lippe Bei der Edition Meißen haben wir bis 2013 auch Trauben verarbeitet, die aus dem Weinberg eines befreundeten Winzers aus der Steillage stammten. Mit dem Abschluss unserer Aufrebungsarbeiten sind wir nun in der Lage, uns ausschließlich auf unsere eigenen Weine zu konzentrieren. 

Peter J. König:  Sekt ist bekanntermaßen immer nur so gut wie die Grundweine, die zur Herstellung genommen werden. Was können Sie uns hierzu mitteilen?

 Foto: Helga König
Dr. Georg  Prinz zur Lippe: Für einen eleganten und ausdrucksvollen Sekt ist es aus meiner Sicht einerseits von großer Bedeutung, dass der Sektgrundwein eine filigrane Säurestruktur besitzt, andererseits ist es  wesentlich, dass das Lesegut eine physiologische Reife erreicht, um so später die Ausprägung der Aromen im Sekt sicherstellen zu können. Neben der typischen geschmacklichen Probe achten wir in besonderer Weise auf die Verfärbung des Traubenkerns. Eine umfassende bräunliche Verfärbung des Kerns ist der beste Indikator dafür, dass die physiologische Reife stattgefunden hat. Wesentlich ist: für gute Sekte sind große Erntemengen tabu. 


Helga König: Welche Reifezeit werden den Sekten von Schloss Proschwitz zugebilligt und ist dies bei den einzelnen Rebsorten unterschiedlich?


Dr. Georg  Prinz zur Lippe:  Generell prüfen wir vor dem Degorgieren, ob der Sekt eine filigrane Cremigkeit und eine lebendige, feinperlige Perlage erreicht hat. Erst dann wird er in Chargen, die sich am prognostizierten Absatz orientieren, degorgiert. Man muss meiner Meinung nach dem Sekt ein langes Hefelager gönnen, damit er wirklich eine faszinierende Perlage und eine leichte Cremigkeit erhält. 

Peter J. König: Die klassische Flaschengärung ist ein Merkmal des besonderen Sektes. Welche Qualität wird dadurch erreicht?

 Dr. Georg Prinz zur Lippe
Weingut Schloss Proschwitz
Dr. Georg  Prinz zur LippeInsbesondere die filigrane nachhaltige Perlage ist das Resultat einer klassischen über Monate, gegebenenfalls Jahre gewährten Lagerung, im Rahmen der klassischen Flaschengärung. Die Harmonie zwischen Fruchtigkeit, nachhaltig cremigem Nachklang sowie Präsenz und Frische sind nur auf diese Weise zu erzielen. 


Helga König: Hat es in früheren Zeiten die Versektung der Weine von Schloss Proschwitz ebenfalls gegeben oder ist dies erst unter Ihrer Ägide entstanden?


Dr. Georg  Prinz zur Lippe:  Da meine Eltern beide nicht mehr leben, kann ich Ihnen hierzu leider keine abschließend verbindliche Aussage geben, da unser Gutsarchiv den Kriegs- und Nachkriegswirren zum Opfer fielen. Mir erscheint es aber sehr wahrscheinlich, dass bereits im 19. Jhd. auch in unserem Betrieb schon ein Augenmerk auf die Versektung gelegt wurde. Unsere Region gilt mit der Gründung der Sektkellerei Bussard (1836 in Radebeul bei Dresden), der zweitältesten Sektkellerei in Deutschland, als eine der Keimzellen der Schaumweinherstellung in Deutschland, somit wäre es verwunderlich, wenn diese Idee der Versektung nicht auch in den umliegenden Weingütern aufgenommen worden wäre. 

Peter J. König: Die Tatsache, dass Sie Ihre Sekte als Winzersekte anbieten, ist nicht jedermann geläufig. Was hat es damit auf sich?

Dr. Georg  Prinz zur Lippe: Winzersekte stellen an sich etwas sehr Besonderes dar, sie sind authentisch, geprägt vom Terroir, dem individuellen Erfahrungsschatz des jeweiligen Weingutes sowie den Menschen, die sich täglich um die Reben und die Weine im Keller des Weingutes kümmern. Diese Individualität steht in deutlichem Gegensatz zu den im großen Stile generierten Sekten, bei denen der Schwerpunkt auf markenspezifischer Einheitlichkeit liegt. Ein Winzersekt, sofern er als Jahrgangssekt ausgebaut wird, bietet somit dem individualistisch geprägten Genießer ein Optimum an Individualität und Authentizität. 

Helga König: Werden Ihre Sekte nur über Ihr Weingut vermarktet oder gibt es Hotels oder Restaurants, wo man die Gelegenheit hat, diese zu verkosten?

 Foto: Helga König
Dr. Georg  Prinz zur Lippe: Sie finden unsere Sekte nicht nur in individuellen Haushalten sondern können diese auch in einer Vielzahl von Hotels und Restaurants sowie im Facheinzelhandel genießen und erwerben. Natürlich geht das auch in unserer Vinothek und dem angeschlossenem E- Shop auf unserer Homepage. 

Peter J. König: Haben Sie unter Ihren Sekten persönlich eine ganz bestimmte Präferenz oder ist dies eher von der jeweiligen Gelegenheit abhängig?

Dr. Georg Prinz zur Lippe
Weingut Schloss Proschwitz
Dr. Georg  Prinz zur Lippe: Ich denke, Sekte haben ihre eigenen Schwingungen und erzeugen damit auch besondere Resonanzen beim Genuss und in der Erinnerung des Menschen. Entsprechend greife ich je nach Situation intuitiv nach dem Einen oder eben dem Anderen. Wundervoll ist es jedoch, wenn die Intuition einen richtig leitet und der Sekt ein intensives Erlebnis schafft.

Dr. Georg Prinz zur Lippe Weingut Schloss Proschwitz.


Lieber Dr. Georg Prinz zur Lippe, für  das aufschlussreiche Interview danken wir Ihnen  vielmals.


Ihre Helga König, Ihr Peter J. König



Bitte klicken Sie auf den nachstehenden Link, dann gelangen Sie  zum Weingut Schloss Proschwitz und können  dort  all das bestellen, was Ihr Gaumen begehrt: http://www.schloss-proschwitz.de/




Foto aus dem Privatarchiv von Dr. Georg Prinz zur Lippe



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