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Helga König und Peter J. König im Gespräch mit Bernhard Prinz von Baden

Sehr verehrter Prinz Bernhard, vor einigen Tagen haben wir drei Ihrer Weine auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt. Heute nun  möchten wir einige Fragen an Sie richten, um unseren Lesern mehr über Ihr Weingut und Ihre Weine mitteilen zu können.

Hier die Links zur Weinbesprechung: 

Helga König: Damit unsere weinbegeisterten Leser sich ein Bild über das Weingut Markgraf von Baden, Schloss Salem machen können, möchten wir Sie bitten etwas über die Geschichte Ihres Hauses in Verbindung mit dem Markgräflichen Weingut mitzuteilen?

 Bernhard Prinz von Baden
Bernhard Prinz von Baden: Meine Familie ist dem Weinbau schon seit Jahrhunderten verbunden. Markgraf Christoph von Baden hat schon kurz nach den Entdeckungsfahrten des Christoph Kolumbus ein erstes Weingesetz erlassen. Wir sind in der Lebenszeit von Martin Luther und Albrecht Dürer. Mit anderen Worten: Meine Familie hat sich schon vor der Reformation, vor den Thesenanschlägen Luthers um den Weinbau gekümmert. Insofern fühlen wir uns der Geschichte des Weinbaus in unserem Land zutiefst verpflichtet.

Peter J. König: Weinanbau hat am Bodensee eine jahrtausendealte Tradition. Wurde in Ihrem Hause schon immer dem Wein große Aufmerksamkeit geschenkt?

Bernhard Prinz von Baden: Am Bodensee wurde Wein schon in der Epoche Karls des Großen, also im 9. Jahrhundert angebaut. Prägend für den Weinbau waren ab dem 12. Jahrhundert vor allem die Zisterzienser-Klöster, für die der Wein eine wesentliche wirtschaftliche Säule gewesen ist. Sie haben generell viel für die Entwicklung des Weinbaus getan, indem sie mit großer Sorgfalt arbeiteten und stets innovativ blieben. Wir als Weingut "Markgraf von Baden" sind durchaus stolz, am Bodensee diese Tradition der Zisterzienser fortführen zu dürfen. 

Helga König:  Welche Weine produziert das Weingut Markgraf von Baden hauptsächlich und welche Voraussetzungen sind entsprechend bezüglich des Terroirs und des Mikroklimas gegeben?

Bernhard Prinz von Baden: Wir sind ein Weingut, das in erster Linie die Burgunder-Tradition pflegt. Wir bauen also Weißburgunder, Grauburgunder und selbstverständlich Spätburgunder an. Das ist freilich kein Zufall, sondern den klimatischen Verhältnissen und den Böden geschuldet, in und auf denen unsere Weine gedeihen. Unser Klima und unsere Böden gleichen den Verhältnissen im Burgund. Allerdings gibt es zwei bedeutende regionale Spezialitäten in unserer Palette: Am Bodensee steht unser "Seewein" für Müller-Thurgau. In der Ortenau ist unser "Klingelberger" Synonym für Riesling. 

Peter J. König: Sie haben über alle Aktivitäten des Weinmachens, und dies ist auch auf Ihren Flaschenetiketten in Verbindung mit Ihrem Wappen dokumentiert, den Begriff "Fidelitas" gestellt, was darf der Leser darunter verstehen?

Bernhard Prinz von Baden: Der lateinische Begriff "Fidelitas" bedeutet "Treue", "Verlässlichkeit" und ist unser Familien-Motto. Er entstammt dem "Hausorden der Treue", der 1715 von meiner Familie anlässlich der Residenz- und Stadtgründung von Karlsruhe eingerichtet wurde. Wir finden, dass Treue und Verlässlichkeit als Grundsatz auch für ein Weingut und seine Erzeugnisse sehr gut passen. Wir wollen stets und zuverlässig Qualität anbieten. Wir sind unseren Qualitätsansprüchen treu und für unsere Kunden damit berechenbar. So verstehe ich "Fidelitas" im Kontext unseres Weingutes. 

Helga König:  Als Mitglied im „VDP-Verband“ spielen die besonderen Lagen eine große Rolle, wie sind Ihre Weinberge klassifiziert worden?

Bernhard  Prinz von Baden: Unsere "besonderen" Lagen sind nach den VDP-Richtlinien ,Erste Lagen‘ und ,Große Lagen‘, wobei aus den ,Großen Lagen‘ unsere besten Gewächse stammen. Nennen möchte ich hier als Erste Lage am Bodensee die Birnauer Kirchhalde gleich neben der berühmten Wallfahrtskirche Birnau, einem der schönsten und meistbesuchten Denkmäler in der Region. Eine Große Lage am Bodensee befindet sich in der Meersburger Chorherrnhalde unmittelbar oberhalb des Seeufers. Unsere Großen Gewächse aus der Ortenau stammen vom Gewann Klingelberg im Durbacher Schlossberg unterhalb von Schloss Staufenberg.

Peter J. König: Welchen Einfluss nimmt das Wasser des Bodensees auf den Reifeprozess der Trauben bei den seenahen Lagen?


Bernhard Prinz von Baden:  Der Bodensee ist ein wichtiger Energiespender für unsere Trauben. Zum einen genießen und nutzen wir am Bodensee eine hohe Sonnenscheindauer. So werden selbst bei niedrigem Sonnenstand die Sonnenstrahlen vom Wasser hinauf zu den Reben reflektiert. Zum anderen wirkt der See im Sommer als ,Kühlaggregat‘ und im Herbst als Wärmespeicher, der seine während des Sommers aufgenommene Wärme in diesem eigentlich recht kühlen Weinanbaugebiet an die Reben zurückgibt. Frühjahrs- oder Spätfröste kommen deshalb recht selten vor, Rebschäden sind deshalb kaum festzustellen. Diese spezielle Bodenseeklima, das im Herbst die Reifevelängerung unserer Trauben befördert, ist somit ein Hauptfaktor für die Frische und elegante Fruchtigkeit unserer Weine am See. 


Helga König:  Wie findet die Vermarktung Ihrer wunderbaren Bodenseeweine statt, gibt es Veranstaltungen im Schloss und eventuell auf Weinbergs-Exkursionen?

Bernhard Prinz von Baden: Schloss Salem und die Wallfahrtskirche Birnau gehören zu den berühmtesten Baudenkmälern nicht nur der Bodenseeregion, sondern ganz Süddeutschlands. Wer unsere Weine kennenlernen möchte, kann sich in Schloss Salem einer Besichtigung in Kombination mit einer Weinprobe anschließen. Es gibt nicht viele Orte, an denen sich Kultur und Genuss so attraktiv verbinden lassen. Außerdem begleiten unsere Weine eine Vielzahl von Veranstaltungen und Konzerten in Schloss Salem. Ganz wichtig für uns sind natürlich auch die alljährlich stattfindenden Weinfeste in Schloss Salem und an der Birnau.  

Peter J. König: Welche Bedeutung hat die Nachhaltigkeit bei der Pflege Ihrer Weinberge, aber auch in Bezug auf den Ausbau der Weine?

Bernhard Prinz von Baden: Ganz klar: Unsere Böden und unsere Reben sind unser wichtigstes Gut. Wir würden uns selbst ins Fleisch schneiden, wenn wir nicht mit größtem Respekt vor der Natur arbeiten würden. Deshalb verstehen wir uns selbst nicht nur als Winzer, sondern darüber hinaus auch als Gärtner, indem wir beim Pflegen und Schutz unserer Böden und Reben die Natur, d. h. ihre Kräuter und Gräser einbeziehen und nutzen. Im Keller verwenden wir für die Maischevergärung unserer Spätburgunder verstärkt Holzfässer und Gärbottiche aus Holz. Auch bei unseren Weißweinen spielt der behutsame Ausbau im Holzfass eine große Rolle. Beim „Klingelberger 1782“ setzen wir zur Vergärung sogar unsere eigene Hefe (Oenoferm Bio Selection Klingelberg) ein, um dessen besonderen Herkunftscharakter zu gewährleisten. Wie gesagt: Wir bemühen uns stets mit der Natur, nicht gegen sie zu arbeiten. 

Helga König: In der langen Geschichte des Weingutes Markgraf von Baden wurden da zuletzt spürbare klimatische Veränderungen festgestellt, die sich auf die Reben ausgewirkt haben oder gibt es nichts Nennenswertes zu berichten?

Bernhard Prinz von Baden: Wir beobachten die klimatische Entwicklung aufmerksam. Bislang erkennen wir aber keine substantiellen Veränderungen. Sollte sich in der Zukunft ein markanter Temperaturanstieg im Jahresmittel bemerkbar machen, müssen wir uns frühzeitig z. B. in unserer Rebsortenspektrum anpassen. Ein Rebsortenwechsel ist freilich nicht so einfach durchgeführt. Dafür braucht man Zeit und man muss sehr, sehr behutsam vorgehen, da ein solcher Wechsel tief in die Wein- und Anbaukultur einer Region einschneidet. 

Peter J. König: Können Sie etwas über die Auszeichnung der Weine sagen?

Bernhard Prinz von Baden: Unsere Weine sollen sich in erster Linie durch Qualität, Persönlichkeit und Geschmack auszeichnen. Danach richten wir unsere Einstellung und unsere Arbeitsprinzipien in Weinberg und Keller aus. Es geht also um Qualität und Geschmack in der Flasche. Wenn wir dabei auch Anerkennung bei den Kollegen und Fachjournalisten finden, freut und motiviert uns das natürlich ganz besonders. In der Tat haben wir in 2013 eine ganze Reige von Auszeichnungen zugesprochen bekommen wie z. B. eine Goldmedaille für unseren 2012er Durbacher Schlossberg Grauburgunder beim AWC-Vienna. Hohe Bewertungen durch die Fachkollegen haben auch der Durbacher Schlossberg Klingelberger (Riesling) Großes Gewächs „M“ und unsere Müller-Thurgau-Weine vom Bodensee erhalten. Solche Auszeichungen zeigen uns, das der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist.

Sehr verehrter Prinz Bernhard, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König, Ihr Peter J. König

Hier der Link zur Website, sofern Sie Wein bestellen möchten: www.markgraf-von-baden.de


Bilder: aus dem Bestand des Weinguts Markgraf von Baden- Schloss  Salem

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