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Helga und Peter Jakob König im Gespräch mit den Geschwistern Peter und Fritz May, Weingut Karl May- Liebenauer Hof

Sehr geehrter Herr Fritz May, sehr geehrter Herr Peter May, dieser Tage haben wir drei Ihrer Weine auf „Buch, Kultur und Lifestyle“ vorgestellt und möchten heute einige Fragen zu Ihrem Weingut und Ihren Weinen an Sie richten. 


Helga König: Ihr Weingut ist im schönen Wonnegau beheimatet. Wo finden unsere Leser das Weingut Karl May- Liebenauer Hof in Rheinhessen und wie ist es dort sowohl klimatisch als auch vom Terroir her bestellt?  
 Winzerfamilie Karl May
Fritz May: Der Wonnegau ist der südlichste Teil Rheinhessens rund um Worms. Das Weingut Karl May befindet sich im alten Ortskern Osthofens. Klimatisch liegen wir in einer sehr günstigen Region, denn im Westen schützt uns der Donnersberg oft vor Wetterkapriolen. Wie in ganz Rheinhessen sind die Bodenverhältnisse von Hügel zu Hügel unterschiedlich. Grundsätzlich haben wir Löss-Lehm Böden mit verschieden hohen Anteilen Kalkstein, Kalkmergel, Sand oder auch Kies. Wir suchen uns die perfekten Standorte für die jeweiligen Rebsorten.

Peter Jakob König:  Ihr Gut ist in einem historischen Gebäude ansässig. Können Sie dazu Näheres erläutern?

Peter May:  Familie und Hof blicken auf eine lange Tradition zurück: Schon 1309 wird er urkundlich erwähnt. Die Besitzer schenkten ihn damals "um ihr Seelenheil" Willen dem Dominikanerkloster Liebenau in Worms. Rund 400 Jahre später entsteht mit dem Fachwerkhaus das Wahrzeichen unseres Betriebes, das heute zu den ältesten Häusern der Region zählt. 1815 erwerben unsere Vorfahren das Anwesen, von dieser Zeit an werden in den Mauern des Hofes Weine gekeltert.

Helga König:  Als Familie sind Sie alle gemeinsam an der Herstellung Ihres Weines beteiligt. Gibt es bei Ihnen eine spezielle Einteilung, wer wofür zuständig ist? 

 Peter und Fritz May
Fritz May:  In unserem Betrieb gibt es keine genaue Aufgabenverteilung. Wie es sich für richtige Blutsbrüder gehört, stimmen wir alle Entscheidungen miteinander ab. Das fällt selten schwer, da die gesamte Familie an einem Strang zieht und die gleichen Ziele verfolgt.

Peter Jakob König:  Wie sieht es mit der Größe Ihres Weingutes aus und welche Rebsorten werden bei Ihnen angebaut? 

Peter May:  Wir bewirtschaften 21 ha Rebfläche nach ökologischen Richtlinien. Unsere wichtigsten Rebsorten sind: Riesling Weißburgunder, Grauburgunder, Spätburgunder, Silvaner.

Helga König: Neben dem Terroir ist die Philosophie des Weinmachens sehr bedeutend für das Endprodukt. Welche Kriterien sind für Sie besonders wichtig, um einen solch hervorragenden Wein zu kreieren? 

Fritz May:  Die Qualität wächst im Weinberg. Nach der Ernte kann man nur noch versuchen die Qualität zu bewahren. Für uns ist es wichtig in den Weinbergen gesunde Böden zu bewahren und die Monokultur Weinbau durch artenreiche Begrünungen zu durchbrechen. Die Böden sind unser Kapital, die wir versuchen schmeckbar zu machen. Die Herkunft des Weines ist entscheidend für die Qualität. Nur aus den besten Lagen kann man große Weine keltern. Im Keller versuchen wir so wenig wie möglich in den natürlichen Gärungsprozess einzugreifen, um so den Charakter der Lage nicht zu unterdrücken. Unsere Weine liegen sehr lange auf der Hefe, was ihnen mehr Komplexität und Langlebigkeit verleiht.

Peter Jakob König:  In den letzten Jahren hat sich die Qualität der Weine in Rheinhessen enorm gesteigert, wie sieht die Entwicklung bei Ihnen aus? 

Peter May:  Ja, die Qualität in Rheinhessen hat sich sehr gesteigert. Dies soll nicht heißen soll, dass es früher nur schlechte Weine gab. Unsere Eltern haben schon immer hohe Ansprüche an die Qualität gehabt. Natürlich haben mein Bruder und ich viele neue Ideen mitgebracht. Die Erträge wurden stark reduziert, die Umstellung auf den ökologischen Weinbau, wir lassen den Weinen mehr Zeit zum reifen. Das alles verändert natürlich den Stil. Unser eigener Anspruch an uns und unsere Weine steigt von Jahr zu Jahr. 

Helga König:  Können Sie unseren Lesern etwas über Ihre besonderen Lagen berichten? 

Fritz May:  Unsere besten Lagen sind der Osthofener Goldberg Osthofener "Schnapp" und Bechtheimer Geyersberg. Der Geyersberg ist eine sehr warme Lage mit einem recht hohem Kalkanteil. In unserer Parzelle liegt ein recht leichter sandiger Boden vor, wodurch die Reben gezwungen sind,  tief zu wurzeln,  um an Wasser und Nährstoffe zu kommen. Die Rieslinge bekommen hier eine sehr tropische warme Frucht gepaart mit einer salzigen Würze. Im Goldberg ist der Boden noch etwas karger. Die Weine sind sehr vom Kalkstein geprägt. Die Lage ist etwas kühler als der Geyersberg, wodurch die Weine etwas filigraner, mineralischer und würziger werden. Die Frucht rückt hier noch etwas weiter in den Hintergrund. Der Schnapp ist eine der ältesten Osthofener Lagen. Sie liegt in einem sehr warmen Kleinklima. Wir bauen darauf Silvaner an, der hier eher burgundisch kraftvoll wirkt ohne die sortentypische Filigranität zu verlieren 

Peter Jakob König: Der Name Ihres Weingutes Karl May klingt für Unwissende etwas ungewöhnlich, weil man  diesen Namen mit einem Abenteuerschriftsteller verbindet. In welchem Zusammenhang steht dieser Name und welche Vermarktungsstrategien sind damit verbunden?


 Weingut May
Peter May:  Namensgeber ist der Chef des Hauses Karl May. Wir haben nichts mit dem Schriftsteller zu tun, werden aber natürlich sehr häufig darauf angesprochen. Da lag es doch nahe, wenn zwei Brüder in Winnetou-Old-Shatterhand-artigem Einvernehmen mit ihrem Vater Karl May Wein anbauen, Weine namens Blutsbruder zu kreieren. Es gibt einen Weißen und einen Roten, beides Cuvées mit denen man einfach viel Spaß haben kann.

Helga König: Gibt es bei Ihnen ein Hoffest und welche Aktivitäten unternehmen Sie außerdem, um Ihre Weine überregional bekannt zu machen? 

Fritz May:  Anfang Juli gibt es unser Hoffest die „Weinhock“, Anfang Oktober eine gemütliche Einkehr, vor Weihnachten einen kleinen Weihnachtsmarkt und eine Jahrgangspräsentation im Frühjahr. Infos dazu gibt es auf unserer homepage: www.weingut-karl-may.de

Peter J. König:  Können Sie unseren Lesern über die Prämierungen Ihrer Weine berichten und wo überall kann man Ihre guten Tropfen erstehen?

Peter May:  Wir haben mittlerweile ein gutes Netzwerk an Fachhändlern und Gastronomen die unsere Weine in ganz Deutschland vertreiben. Der namhafteste dabei ist sicher die Sansibar auf Sylt.

Lieber Herr Fritz May, lieber Herr Peter May, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Interview.

Helga König, Peter Jakob König

Bilder: aus dem Bestand vom- Weingut Karl May- Liebenauer Hof 

Bitte klicken Sie auf den  Link, dann gelangen Sie auf die Website des Weingutes Karl May- Liebenauer Hof: www.weingut-karl-may.de 

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