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Helga König und Peter J. König im Gespräch mit Maren und Jürgen Fendt

Liebe Frau Fendt, lieber Herr Fendt, dieser Tage haben wir drei Ihrer wunderbaren Weine auf "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt. Deshalb möchten wir  heute einige Fragen zur Fendt Weinfamilie, Ihren Weinbergen und Ihren Weinen an Sie richten.

Hier die Links zu den Weinbesprechungen:  

 Maren und Jürgen Fendt
Helga König: Fendt Weinfamilie, zugegebenermaßen eine etwas eigenwillige Bezeichnung. Wofür steht sie?

Maren Fendt:  Wir sind kein Weingut im eigentlichen Sinn, mit Probierstube und eigenem Weinkeller, daher nutzen wir die Bezeichnung „Weingut“ nicht. Die Fendt Weinfamilie, das bedeutet alles aus einem Guss, wir machen alle Arbeiten selbst, sowohl im Weinberg, als auch im Keller. Und es vereint die verschiedenen Anbaugebiete, im Moment Mosel und Baden. 

Peter J. König:  Was hat Sie, lieber Herr Fendt, als Sommelier bewogen, die Seiten zu wechseln, um selbst Wein zu machen, übrigens einen wunderbaren, wo Sie doch ursprünglich diese Köstlichkeit Ihren Gästen angeboten haben? 

Jürgen Fendt:  Als Sommelier hat man jeden Tag intensiv mit dem Produkt Wein zu tun. So schaut man auch gerne hinter die Kulissen. Während meiner Zeit im Waldhotel Sonnora in Dreis, habe ich auch die Mosel kennen und schätzen gelernt. Sodass ich, als sich die Möglichkeit ergab 2001 meinen ersten Weinberg in der Klüsserather Bruderschaft erwarb. Nach wie vor lässt mich die Sommelerie nicht los, aber der Weinbau lässt in meiner Brust ein zweites Herz schlagen. Die tägliche Arbeit mit Spitzenweinen, der besten Winzer der Welt, spornt an und gibt einem die Muse hochwertige Weine zu produzieren. 

Helga König: Wir wissen, dass Sie, liebe Frau Fendt, gemeinsam mit Ihrem Mann die Verantwortung für Ihre Weine tragen. In welcher Beziehung stehen Sie zur Weinherstellung? 

Maren Fendt: Nach meiner Ausbildung als Restaurantfachfrau in der Sternegastronomie und der Weiterbildung zum Sommelier kam auch bei mir der Wunsch „hinter die Kulissen“ zu schauen, das war der Einstieg in den Weinbau. Seit meinem 9-monatigen Praktikum im VDP-Weingut Gutzler in Rheinhessen bin ich mit der Leidenschaft in den Reben zu arbeiten und aus eigenen Trauben selbst Weine herzustellen infiziert. Die Weinqualität beginnt im Weinberg, viele kleine Handarbeitsschritte, möglichst schonender Umgang mit der Rebe, offenen Augen und eine punktgenaue Lese ebnen den Weg für gute Weine. Im Keller gilt die Devise, Sauberkeit, kontrolliertes Nichtstun und ein bisschen Verrücktheit, wie Spontangärung und langes Hefelager im Holzfass. Seit 2 Jahren kümmere ich mich hauptberuflich um unsere Weinberge und den Weinausbau, so ist es mir möglich immer im richtigen Moment im Keller die richtigen Arbeiten selbst durchzuführen. Auch im Weinberg gehen mir nach mittlerweile 7 Jahren die unterschiedlichen Arbeitsgänge, wie Ausgeizen, Endblättern, Trauben halbieren, Heften …., Schneiden und die Lese perfekt von der Hand und es erfüllt mich mit sehr viel Freude. Vorausschauendes Arbeiten hat sich bei mir peu à peu eingeschlichen, was ich nun perfektioniere. 

Peter J. König:  Da Sie ja sowohl im Bühlertal in Baden, als auch in Klüsserath an der Mosel Ihre Lagen haben, wie unterscheiden sich Terroir und Klima voneinander? 

Jürgen Fendt:  Allein in Baden, wo sich unsere Weinberge auf 3 Gemeinden verteilen sind Unterschiede im Klima und Terroir vorhanden. So ist ein genauer Blick für jeden einzelnen Weinberg unerlässlich. In Baden finden sich unsere Weinberge an den Westhängen des Schwarzwaldes. Man findet als Terroir Granit, zum Teil durchzogen mit vulkanischem Porphyr-Gestein, wie etwa in Steinbach und Altschweier. Hochgelegene Weinberge mit Westausrichtung werden nachts durch den kühlen Wind aus dem Schwarzwald durchzogen, Weinberge mit Südausrichtung werden den ganzen Tag von der Badischen Sonne verwöhnt. Da unsere Weine nicht zu hoch im Alkohol sein sollen ist hier eine punktgenaue Entblätterung und ein richtiger Lesezeitpunkt wichtig, nicht die Öchsle sind wichtig, sondern die physiologische Reife der Trauben. An der Mosel liegen unsere Weinberge steil, keine 10 Meter von der Mosel entfernt, der Boden ist von Schieferplatten bedeckt und das Mikroklima ist nicht vergleichbar. Wir haben unsere Weinberge so gewählt um gerade bei Riesling die Vielseitigkeit der Rebsorte auf Grund von Terroir und Klima aufzeigen zu können. 

Helga König:  Daran anschließend: Stehen die einzelnen Weinregionen noch immer für Ihren spezifischen Geschmack oder gibt es aufgrund moderner Kellertechnik und den bevorzugten Trinkgewohnheiten der Weinliebhaber geschmackliche Annäherungen? 

Maren Fendt:  Wir arbeiten im Keller sehr traditionell, Schönungsmittel und sonstige technischen Einflüsse wenden wir nicht an. Wir arbeiten teilweise mit den Einflüssen von Holzfässern, von klassischem französischem Barrique und großem Holzfass aus Spessarteiche. Daher sind unsere Weine jahrgangstypisch und Langstreckenläufer. Wir geben unseren Weinen die Zeit welche sie brauchen, langes Hefelager, auch bei machen unserer Rieslinge ist ein biologischer Säureabbau erwünscht, z.B. in säure geprägten Jahren wie 2010 haben wir das Fasslager um weitere 6 Monate verlängert um den Wein zu balancieren. Natürlich findet man regionale Unterschiede, aber ebenso wichtig ist es die Handschrift des Winzers und die Jahrgänge zu erkennen.

Peter J. König: Was hat Sie bewogen Ihre Weinetiketten so bemerkenswert minimalistisch zu gestalten?

Jürgen Fendt: Wir sind ein junger und neuer Betrieb, so können wir nicht mit Wappen und Insignien aufwarten. Für uns steht unser Name, der Jahrgang und der Name des Weines im Vordergrund. Die unterschiedlichen Farben der Etiketten stellen die unterschiedlichen Weinarten dar, orange für Rosé-Wein, Rot für Rotwein, grün für Baden weiss und blau oder gold für die Mosel, trocken oder edelsüss. 

Helga König:  Können Sie unseren Lesern bitte mitteilen, welche unterschiedlichen Sorten Sie anbauen und wo Sie Ihren Schwerpunkt sehen?

Maren Fendt:  In den Königen der deutschen Rebsorten, Riesling und Spätburgunder. Natürlich an der Mosel nur Riesling, in Baden Riesling, Spätburgunder, ergänzt durch ein wenig Müller-Thurgau und Kerner, welcher in unseren Literwein „Saugut“ geht. 

Peter J. König:  Inwiefern wirkt sich Ihre Tätigkeit als renommierter Sommelier im Hotel Bareiss in Baiersbronn und durch den Austausch mit Ihren Fachkollegen aus anderen Spitzenhäusern der internationalen Hotellerie auf die Ausgestaltung Ihres Weines aus? 

Jürgen Fendt:  Durch meine Arbeit in der Spitzengastronomie seit mehr als 25 Jahren habe ich die Möglichkeit immer wieder herausragende Weine der Welt zu Verkosten. Viele kleine Detailgeschichten internationaler Winzer helfen mir die eigenen Weine entsprechend auszubauen und einzuschätzen. Hier bin ich besonders stolz auf den offenen und ehrlichen Kontakt mit nationalen Winzerpersönlichkeiten. 

Helga König: Liebe Frau Fendt, wie sieht Ihre Philosophie bezüglich Ihrer Anbaumethoden aus und wie sehen Sie die Gestaltung speziell Ihrer Spätburgunder? 

Maren Fendt: Anbau und Ausbau verlangt Fingerspitzengefühl und offene Augen. Bei der Weinbergarbeit legen wir selbst bei der Bodenbearbeitung Wert auf Handarbeit, die Weinberge werden nicht öfter als unbedingt nötig mit dem Traktor befahren, den Rest machen wir selbst von Hand, ebenso wird kein Unkraut gespritzt, so findet man unsere Weinberge leicht, sie sehen etwas „wilder“ aus, mit vielen Blumen, wie Königskerzen und Fingerhüten und vielen Bewohnern, Echsen, Erdhummeln, Gottesanbeterinnen und Salamander. Beim Spätburgunder arbeiten wir sehr gewissenhaft. Alle Trauben werden im „Erbsenstadium“ halbiert, bei der Lese ernten wir immer in kleine 40-l-Wannen und danach wird der Spätburgunder klassisch in 400-l-Gebinden Maische vergoren. Der Maischekuchen wir 2 Mal am Tag mit den Händen durchmischt. Nach ca. 14 Tagen wird abgepresst und der Wein in teils gebrauchten Barrique-Fässern 12 Monate ausgebaut. Nach dieser Zeit werden die Fässer einzeln verkostet und die passenden Partner für weitere 6 Monate im Edelstahl bis zur unfiltrierten Abfüllung gelagert. Für uns ist wichtig, dass der Spätburgunder Struktur hat, vielschichtig ist, mit Luft und Zeit im Glas/ der Karaffe gewinnt, ein toller Essensbegleiter ist, wir jedes Jahr den Jahrgang schmeckbar „machen“ und unsere Weine fast unkaputtbar sind. 

Peter J. König: Interessant wäre es von Ihnen gemeinsam zu erfahren, wie Sie sich die Weiterentwicklung der Fendt`schen Weinfamilie vorstellen. Werden Sie sich vielleicht auch noch in anderen Regionen Weinberge zulegen? 

Jürgen Fendt:  Dies wollen wir nicht verneinen. Jedoch ist unser Bestreben all die Weinbergarbeit selbst zu bewältigen und so sind wir mit unseren 3 Hektar und den zwei Anbaugebieten ausgelastet, aber wer weiss was die Zukunft bringt………..

Liebe Maren Fendt, lieber Jürgen Fendt, wir danken Ihnen beiden herzlich für das ausführliche und sehr aufschlussreiche Interview.

Helga und Peter J. König


Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie auf die Website der Fendt Weinfamlie: www.fendtwein.de

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