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Helga König im Gespräch mit Massimo Giordano, italienischer Opernsänger

Lieber Massimo Giordano, dieser Tage habe ich auf "Buch, Kultur und Lifestyle"  Ihre wunderbare CD "AMORE E TORMENTO" vorgestellt. Heute möchte ich  einige Fragen an Sie richten, um Sie und Ihr künstlerischen Können unseren Lesern näher zu bringen.

Helga König:  Sie sind ein sehr renommierter italienischer Opernsänger. Können Sie den Lesern etwas über Ihre Kindheit berichten und wer damals Ihr musikalisches Talent entdeckt und gefördert hat?

 Massimo Giordani
Massimo Giordano: Ich wurde in Pompei, einem kleinen Dorf, außerhalb von Neapel, geboren. Als ich acht Jahre alt war, zog ich mit meiner Familie nach Triest, wo mein Vater eine Arbeit am Konservatorium angenommen hatte. Ich fing an, Flöte zu studieren, da es in den anderen Instrumenten-Klassen des Konservatoriums keinen Platz mehr gab. Mein Vater Alberto hatte schon immer eine sehr schöne Stimme, und ich glaube, ich habe das von ihm geerbt. (lacht) Er war schon immer mein größter Förderer und hat mich immer ermutigt, einem Gesangsstudium nachzugehen. Darüber hinaus unterstützt er mich auch als Künstler, von Beginn meiner Karriere an bis zum heutigen Tag.

Helga König:  Sie haben ein Flötenstudium am „Conservatorio di musica Giuseppe Tartini“ absolviert. Würden Sie uns diesbezüglich Näheres erzählen, hauptsächlich wie Sie damals Ihr Talent zum Singen entdeckt haben?

Massimo Giordano:  Dass ich das Zeug zum Sänger hatte, habe ich eigentlich ganz schön spät gemerkt. Ich war bereits 18 und schloss gerade mein Flötenstudium ab, als ich meine Stimme entdeckte. Ich war mit einem Freund im Konservatorium in einem leeren Klassenraum und sang zum Spaß ein neapolitanisches Lied. Und ich weiß noch wie er sagte: „Du hast so eine gute Stimme wie Dein Vater. Probier‘ doch noch mal das neapolitanische Lied.“ Es war in eben diesem Klassenzimmer, dass ich mein Talent entdeckte. Und mein Freund, der Pianist, ermutigte mich, an der Auswahl für die Gesangsklasse am Konservatorium teilzunehmen. Ohne seinen Zuspruch hätte ich wahrscheinlich weder Gesang studiert, noch an dem Vorsingen teilgenommen, und sicher wäre ich heute kein Sänger. 

Helga König:  Sie haben anschließend Gesang bei Cecilia Fusco am Triester Konservatorium studiert. Was hat Ihnen Fusco mit auf den Weg gegeben?

Massimo Giordano:  Cecilia Fusco hat mir etwas Großartiges beigebracht: Selbstvertrauen! Sie sagte sofort, dass wir diesem Gottesgeschenk eigentlich nur den letzten Feinschliff geben müssten, und dann hat sie es getan! Sie gab mir die Möglichkeit, nach nur sechs Monaten Unterricht mit Ihr und dem wunderbaren Carlo Cossutta ein Konzert zu singen. Sie sei als Kind eines Komponisten auch immer mit möglichst vielen Auftrittsmöglichkeiten konfrontiert gewesen, erzählte sie mir, und habe so einen natürlichen Kontakt zum Publikum gelernt. Jetzt, nach so vielen Jahren, denke ich, dass sie Recht hatte. Ich freue mich, dass wir noch regelmäßig Kontakt miteinander haben, denn ihr Rat war für meine Gesangstechnik eine tragende Säule.

Helga König: 1997 gewannen Sie den Belli-Gesangswettbewerb in Spoleto. Um welchen Wettbewerb handelt es sich hierbei?

Massimo Giordano:  Der Belli-Gesangswettbewerb ist einer der bedeutendsten Gesangswettbewerbe Italiens. Im Laufe der Jahre haben dort so große Namen wie Corelli, Bastianini, Cerquetti, Raimondi und viele andere gewonnen. Man bekommt als Gewinner die Gelegenheit, eine Opernpartie zu singen, die zu der jeweiligen Stimme passt. Ich habe danach mit dem „Werther“ mein Debüt gemacht. Diese Möglichkeit hat mir ein paar Jahre später die Türen zur Welt der großen Opernbühnen geöffnet. 

Helga König: Können Sie unseren Lesern berichten, wie sich Ihre Karriere von da an weiter gestaltete?

Massimo Giordano: Nach meinem Sieg in Spoleto nahm meine Karriere schnell an Fahrt auf. Vorher hatte ich im Chor und kleinere Rollen gesungen, danach waren dann wesentlich größere Solorollen an der Tagesordnung. Ich muss wirklich sagen, Spoleto war nicht nur großes Glück, sondern ein regelrechter Segen. Ich kann mich erinnern, dass ich vor dem Wettbewerb in Rom eine kleine Rolle als Parpignol in „La Boheme“ hatte. Die Leute in Rom ziehen mich heute noch auf, weil ich diese Rolle so unglaublich ernst genommen habe. Stundenland habe ich mich damals eingesungen, für ein paar Zeilen. Wenn ich heute daran denke, muss ich immer noch lächeln. Nach Spoleto bin ich rasch in die größeren Rollen hineingewachsen. Kurze Zeit nachdem ich in „La Boheme“ den Parpignol gesungen hatte, kehrte ich als Rodolfo nach Rom zurück. (lacht) 

Helga König: In welchen großen Häusern sind Sie in den letzten Jahren aufgetreten und was sind für Sie die Höhepunkte ihrer bisherigen Karriere?

Massimo Giordana:  In den letzten Jahren habe ich beispielsweise in der Metropolitan Opera gesungen, in der Wiener Staatsoper, in der Scala, der Nederlandse Opera, der Deutschen Oper, der Tokyo Opera, der Sydney Opera und in der Pariser Oper. Einer der wichtigsten Höhepunkte meiner Karriere war wohl mein Debüt bei den Salzburger Festspielen und beim Glyndebourg Festival, gefolgt von meinem Debüt an der Met. Ich werde nie vergessen, wie ich bei meinem Debüt neben einer Ikone wie René Fleming singen durfte. Ich betrat die Bühne buchstäblich durch eine Tür, die Teil der Kulisse war und sah das Publikum bestehend aus 4000 Menschen, und alle Augen waren auf mich gerichtet. Das war einer der unwirklichsten Augenblicke meines Lebens.

Helga König:  Sie waren 2009 mit Anna Netrebko auf Konzerttournee. Dürfen wir darüber mehr wissen?

Massimo Giordano:  Die Bühne mit einem so großartigen Talent wie Anna teilen zu können, das war natürlich ein ganz wundervolles, besonderes und unvergessliches Erlebnis. Übrigens war das auch meine erste Reise nach Skandinavien. Ich war beeindruckt von den unglaublichen Landschaften. Aber auch von der Schönheit der Städte und vom klassikbegeisterten Publikum. (lacht) 8) 

Helga König:  In 2012 haben Sie einen exklusiven Plattenvertrag mit BMG unterschrieben. Hier auch ist „Amore e Tormento erschienen. Können Sie den Lesern etwas über die Arien auf der CD berichten und vielleicht auch, welche der Arien Sie am liebsten mögen?

Massimo Giordano:  Als ich die Arien ausgesucht habe, bin ich nicht nach einer stilistischen oder chronologischen Logik vorgegangen. Mir ging es vielmehr darum, dem Hörer die Gefühle von tragischer Liebe und Liebesschmerz zu vermitteln. Das sind Emotionen, die wir alle im richtigen Leben mindestens bereits einmal gefühlt haben. Deshalb habe ich Arien ausgesucht, die sogar in den gewählten Sequenzen das Zusammengehören von Liebe und Schmerz beschreiben, auch wenn ich einige der Arien noch nie gesungen hatte und andere wohl auch nie live auf der Bühne singen werde. Meine Lieblings-Arien auf dem Album sind "Come un bel dì di Maggio" und "Non piangere liù". Dass ich diese Arien aufnehmen konnte, war eine große Herausforderung, aber auch ein großer Erfolg, denn sie sind Teil meines zukünftigen Repertoires. Ich wollte mir und meinem Publikum zeigen, dass ich mich dieser Herausforderung stelle. 

Helga König: Ich habe gelesen, dass sie leidenschaftlicher Schachspieler sind und die klassische Kunst lieben. Was fasziniert Sie am Schachspiel und welchen Künstler lieben Sie besonders?

Massimo Giordano:  Schach ist für mich eine Art der Meditation, so kann ich mich vom Alltag zurückziehen. Schach ist deshalb über alle Maßen interessant, weil man es nie leid wird. Bei jeder neuen Partie ist es wie im richtigen Leben, ein “neuer Kampf”. Was die Kunst betrifft, mag ich Unmittelbares wie den Impressionismus. Ich habe keinen Lieblingskünstler. Ehrlich gesagt, können mir auch Bilder die Tränen in die Augen treiben, die andere gar nicht so interessant finden. Es ist doch letztendlich – wie fast alles im Leben – eine Frage des Geschmacks.

Helga König: Wann werden Sie Ihr Publikum in Deutschland mit Ihren Auftritten erneut erfreuen und welche CD dürfen wir demnächst von Ihnen erhoffen?

Massimo Giordano: Im Dezember werde ich an der Münchner  Staatsoper den Mario Cavardossi in Puccinis „Tosca“ singen. Im November bin ich bei der 20. Festlichen Operngala zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung dabei, die in der Deutschen Oper Berlin stattfinden wird. Für das kommende Jahr plane ich eine Deutschland-Tour zu meinem Album „Amore e Tormento“. Ich freue mich sehr auf weitere Auftritte in Deutschland, und die Vorstellung, ein Album aufzunehmen und die Musik dann mit dem deutschen Publikum zu teilen, ist wirklich ein Traum von mir, denn ich habe einen großen Teil meiner Karriere auf deutschen Bühnen verbracht. 

 (Übersetzung des Interviews: Veronika Lindenmayr. )

Lieber Massimo Giordano, ich danke Ihnen herzlichst für das aufschlussreiche Interview.
Helga König
Kostenfreies Foto aus dem Bestand des Autors- Der Fotograf ist mir nicht bekannt

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Liebe Veronika Lindenmayr, an dieser Stelle ganz herzlichen Dank für die Übersetzung:-))

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