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Helga König im Gespräch mit der Künstlerin Doris Zeidlewitz

Liebe Frau Zeidlewitz,  ich hatte das Vergnügen  bei Ihrer Vernissage zu Ihrer derzeitigen Ausstellung im Airportclub Frankfurt zugegen zu sein und  im Anschluss daran,  Ihren Katalog "World Wide Women" zu rezensieren. Nun möchte  einige Fragen an Sie richten, damit die Leser von "Buch, Kultur und Lifestyle" Sie  und Ihr Schaffen näher kennen lernen.

Helga König: Wie definieren Sie Kunst? 

 Doris Zeidlewitz
Foto aus ihrem Bestand
Doris Zeidlewitz:  Kunst ist die Brücke zwischen Himmel und Erde. Sie bringt den Menschen mit etwas Größerem zusammen, denn als Künstler schaffen wir aus Quellen, die der Ratio verschlossen sind. Die Kunst öffnet für mich den Kosmos für das menschliche Leben, - für das Große, Ewige und Numinose. Sie ist wie ein ewiges Kraftfeld und besitzt zudem eine unglaublich befreiende Kraft. Durch die Kunst kann dem Menschen geholfen werden,  bewusster zu leben und in sich selbst die magische Welt der Phantasie, der Intuition, der Kreativität zu entdecken. Ich selbst erfahre zum Beispiel die Schönheit nur durch die Kunst und so habe ich ganz einfach der Kunst meine Liebeserklärung ausgesprochen.

Helga König: Können Sie den Lesern etwas zu Ihrem Werdegang als Künstlerin berichten? 

Doris Zeidlewitz:  In die Kunst bin ich hineingeworfen von Anbeginn. Ich bin in einer Umgebung aufgewachsen, wo ich ständig mit schöpferischen Dingen umgeben war. Bei uns zu Hause wurde viel musiziert und viel gemalt. Meine Eltern und Großeltern haben mich da sehr geprägt und es entstand oft eine Stimmung von wahrer Andacht, wenn ich als noch ganz kleines Kind meinen Eltern beim Malen zusehen konnte. In der Schule war mein Lieblingsfach immer der Kunstunterricht und da wurde ich auch viel gelobt. Ich habe mich also von frühester Kindheit an für bildende Kunst interessiert und wenn man in so einem Elternhaus aufwächst ist es leicht, den Schritt in einen schöpferischen Beruf zu tun. Ich habe dann die Akademiezeit an der Hochschule für Gestaltung sehr genossen, wo ich dann auch meinen akademischen Abschluss gemacht habe. Heute arbeite ich als freischaffende Künstlerin in meinen Atelier in der Nähe von Darmstadt.

Helga König: Sie schreiben in Ihrem Katalog, dass Ihre Gemälde wiederholte Versuche verkörpern „die menschliche Existenz zu erfahren, sie anschaulich zu machen und zu transzendieren zum Höchsten hin.“ Das bedeutet demnach, dass Ihre Werke einen psychologischen und einen philosophischen Anspruch beinhalten. Können sie die Anspruchsgrundlagen näher definieren? 

Doris Zeidlewitz:  Künstler stehen doch im Allgemeinen auf einer sehr hohen Bewusstseinsstufe. Das bedingt, dass man sich auch mit psychologischen und philosophischen Themen auseinandersetzt. Gerade in meiner Studentenzeit habe ich viel gelesen und mich darum bemüht, in die Tiefen des menschlichen Seins hinabzusteigen. Es ist daher sicherlich auch nicht verwunderlich, dass der Mensch im Blickfeld meines künstlerischen Schaffens steht. Alles ist doch letztendlich eine Frage von Bewusstsein. Ich denke, dass die Kunst es in gewisser Weise zu leisten vermag,  dem Menschen zu helfen, bewusster zu leben. In unserer Kultur haben wir die Verbindung zu unseren Wurzeln und Instinkten verloren. So habe ich mich auch intensiv mit den Urbildern des kollektiv Unbewussten befasst und dabei haben zum Beispiel Märchen immer eine große Anziehungskraft und Faszination auf mich.Immer geht es dabei um den eigenen Individuationsprozess (C.G.Jung) und den Weg in die Ganzheit meines Selbstes. In meinen Gemälden habe ich mir die Aufgabe gestellt, tragfähige Repräsentantinnen/ten dieses Selbstes zu liefern. Für mich besitzt die Kunst die größte Freiheit, Fragen über das Leben, das Sein immer wieder neu zu formulieren, woraus letztendlich die Erkenntnis der eigenen Göttlichkeit und Unsterblichkeit resultiert.

Helga König: Welches generelle Frauenbild motiviert Sie, Frauen in Ihrer Kunst darzustellen und was sollen diese Frauen hauptsächlich zum Ausdruck bringen? 

Doris Zeidlewitz: Es existiert für mich ein Frauenbild (Menschenbild), das in Bezug zum großen Ganzen steht. Es ist die neue Frau (der neue Mensch) im Kosmos, die sich ihrer wahren Größe bewusst ist. Sie ist Eins mit allem, trennt nicht, verurteilt- und beurteilt nicht und ist sich ihrer essentiellen Natur bewusst. Es sind erfüllte Frauen (Menschen), die aus ihrer Kompetenz, Fülle, Schönheit, Weisheit, Spiritualität und Liebe heraus in dieser Welt agieren. In meinem Zyklus der „World-Wide-Women“ sollen diese Qualitäten zum Tragen kommen. Viele Frauen (Männer) leiden an Sinnlosigkeit und einer inneren Leere, da die Verbindung zum „Weiblichen“ fehlt, und dabei ist doch gerade die Qualität des Weiblichen im Mann wie auch der Frau die große Erlösungskraft für dieses technologische und lebensvernichtende Zeitalter. Und so können zum Beispiel einige meiner Frauenporträts der Spiegel sein, in dem der Mensch sich selbst nicht mehr erkennt, sondern nur das Rohmaterial für ein Kunstobjekt, das beliebig formbar ist.

Helga König: Können Sie unseren Lesern etwas zu Ihrer derzeitigen Ausstellung im Airportclub Frankfurt berichten? 

Doris Zeidlewitz:  Ist sicherlich sehr sehenswert und kann bis Ende August 2013 jederzeit nach Absprache mit meinem Management „Consult-Art“ besichtigt werden.  

Helga König: Wie reagieren Männer in Gesprächen mit Ihnen auf Ihre Frauenbilder? 

Doris Zeidlewitz: Viele Männer sind ebenso begeisterungsfähig und neugierig auf meine Kunst wie Frauen. Das macht keinen großen Unterschied. Jeder Betrachter/in sieht das, was er/sie in meinen Gemälden sehen will und für das er/sie bereit ist, sich zu öffnen. Sicherlich ist die Ebene, von der aus Männer sich auf ein Werk einlassen ein wenig eine andere. Aber ich führe auch mit Männern in meinen Ausstellungen immer wieder spannende und gegenseitig bereichernde Gespräche und Diskussionen. Das ist dann immer sehr spannend und lebendig.

Helga König: Welche Bedeutung hat für Sie die Schönheit in Ihrer Kunst? 

Doris Zeidlewitz: Schönheit repräsentiert für mich Vollkommenheit. Häßlichkeit verletzt die Schönheit aufs Empfindlichste. In der Gegenwart von Schönheit erfahre ich selbst immer wieder das Gefühl von Erhabenheit. Sie verzaubert und fasziniert mich und weckt das Begehren in mir, diese Schönheit zu erfahren und zu besitzen. Schönheit dient der schöpferischen Kraft in mir, die immer wieder nach Erneuerung ruft. Die Idee der Schönheit erfahre ich immer wieder durch die Kunst und so geht es in meinen Werken u.a. auch um Ausgewogenheit, Gleichklang und Harmonie. Dostojewsi hat das einmal so formuliert: „Schönheit wird die Welt erlösen.“ Und so geht es mir darum Schönheit zu erschaffen, immer und immer wieder

Helga König: All Ihre Frauen haben volle Lippen, ist dies ein vorrangiges Schönheitsmerkmal von Frauen und wenn ja, weshalb? 

Doris Zeidlewitz: Ich erschaffe eben Schönheit! 


Helga König:  Welche Materialien  verwenden Sie in erster Linie für Ihre Kunst?

Doris Zeidlewitz: In meinen gegenständlichen Gemälden bevorzuge ich die Ölfarbe. In den abstrakten Bildern arbeite ich gerne mit Acrylfarben. Sie trocknen wesentlich schneller und ich kann in mehreren hintereinander folgenden Arbeitsgängen das Bild immer wieder neu bearbeiten.

Helga König: Welche Botschaften möchten Sie in Ihren abstrakten Bildern vermitteln?

Doris Zeidlewitz:  Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mich das Abstrakte fasziniert, denn es birgt in sich so viel Geheimnisvolles. In den abstrakten Bildern verzichte ich erst einmal auf Form und überlasse ihre Entstehung mehr oder weniger dem Zufall. Oft gebe ich meinem Unbewussten freien Lauf und vertraue dabei ganz meiner Intuition. Die Farbe spielt dabei in meinen abstrakten Arbeiten eine zentrale Rolle. Ich liebe kräftige, ausdrucksstarke und leuchtende Farben; das sind für mich geistig klare Ausdrucksmittel. Ich empfinde dann die Malerei als etwas sehr Erotisches;- da ist Kraft, Intensität und Leidenschaft. Das Thema des Bildes verdichtet sich dann immer während des Arbeitsprozesses und diesem Thema gehe ich dann konzentriert nach. So steht, im Gegensatz zu meinen gegenständlichen Gemälden eine Konzeption nicht am Anfang, sondern entwickelt sich mit der Arbeit auf der Leinwand. Die Botschaft in den abstrakten Bildern kommt nur an, wenn der Betrachter meine Botschaft aufnehmen kann. Meine Bildtitel leisten da Hilfestellung, aber letztendlich überlasse ich dem Betrachter freien Zugang zu jedem einzelnen Bild. 

Helga König: Sie haben sehr viele Ausstellungen seit 1981 realisieren können und der Schriftsteller Martin Walser hat einen Text zu Ihrem Zyklus "Fischfrau" verfasst. Können Sie uns etwas über die Zusammenarbeit mit Walser hier berichten und auch, ob zukünftiges gemeinsames Tun bereits geplant ist? 

Doris Zeidlewitz: Martin Walser“ Das Projekt „Darmstädter Kunst trifft auf Literatur“ war ein einmaliges Inszenario. Es wurde die Idee von verschiedenen Darmstädter Künstlern umgesetzt zu einem Werk einen Autor/in zu gewinnen, der/die einen Text zu dem jeweiligen Kunstwerk verfassen sollte. Ich hatte mich damals für den Schriftsteller Martin Walser entschieden und mich sehr gefreut, dass mir Herr Walser eine Zusage gemacht hatte zu meinem Bildzyklus etwas zu schreiben. Den Text, den Herr Walser zu meinem Bild-Zyklus die „Fischefrau“ verfasst hatte war sehr authentisch und berührend. 

Zum Schluss möchte ich noch anfügen:

“Die Kunst ist das Geheimnis, die Lösung ist der Mensch“. Deshalb reicht eben oft das bloße Hinschauen nicht, sondern Bildinhalte müssen auch mit Worten bewusst gemacht werden. 

Liebe Frau Zeidlewitz, für das aufschlussreiche Interview danke ich Ihnen allerherzlichst.

Helga König

Hier der Link zur Website von Doris Zeidlewitz: http://www.zeidlewitz.de/

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