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Helga König im Gespräch mit Cassandra Negra

Liebe Cassandra Negra gestern habe ich Ihr Buch "Die Lust des Bösen" rezensiert. Dazu möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen.

 Helga König: Welche Bewandtnis hat es mit Ihrem Künstlername und weshalb überhaupt ein Pseudonym?


 Cassandra Negra
Cassandra Negra:  Der Künstlername Cassandra Negra hat vor allem etwas mit den brisanten Themen zu tun, die ich in meinen Büchern behandele. In der griechischen Mythologie war Cassandra die Tochter des trojanischen Königs Priamos. Die Geschichte ist bekannt: Apollon gab ihr die Fähigkeit der Weissagung, doch als sie seine Verführungsversuche zurückwies, verfluchte er sie, auf dass niemand ihren Prophezeiungen Glauben schenken würde. Mit meinen Büchern will ich, ähnlich wie die mythologische Cassandra, aufrütteln und die Leser sensibilisieren – insbesondere für die menschlichen Abgründe und das Böse, das in jedem von uns vorhanden ist. Manchmal genügt schon ein kleiner Anstoß, um dieses Böse freizusetzen – oftmals mit katastrophalen Folgen.  Als Cassandra Negra greife ich Themen auf, die die Urängste der Menschen berühren, wie etwa Gewalt, Tod, Besessenheit, Wahnsinn und - im Zusammenhang mit der Zeit des Nationalsozialismus - blinder Gehorsam. 

Helga König:  Warum schreiben Sie Thriller und nicht etwa Romane mit einer ähnlichen Thematik?

Cassandra Negra: Mir geht es in erster Linie darum, Emotionen zu transportieren. Ein Thriller, bei dem die Spannung während der gesamten Handlung präsent ist, eignet sich bestens dafür. Ich mag es, den Leser in die Handlung hineinzuziehen, ihn förmlich die Anspannung, die Verzweiflung, Todesangst, Begierde oder die Besessenheit spüren zu lassen und ihn dazu zu bringen, Gefühle zu durchleben, die auch in ihm selbst vorhanden sind. Die Thriller, die ich als Cassandra Negra schreibe, sind ganz sicher keine einfache, seichte Unterhaltung und keinesfalls Bücher, die man schnell mal nebenbei konsumiert. Ich mache es meinen Lesern nicht leicht, denn ich konfrontiere sie so manches Mal mit Facetten der menschlichen Persönlichkeit, die man gerne ausblendet. Aber auch sie sind Teil des Menschseins. Das Gute und das Böse haben schon immer nebeneinander existiert. Es mag unbequem sein, meinen Protagonisten auch so manches Mal in die Hölle zu folgen, aber umso erhebender ist es dann zu erleben, dass es auch nach der dunkelsten Nacht immer einen Morgen gibt. Nicht immer obsiegt das Edle und Gute im Menschen, aber uns trägt die Hoffnung darauf und macht das Leben lebenswert.

Helga König: Fasziniert Sie das Verbrechen besonders und wie ist diese Konstellation mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zustande gekommen?

Cassandra Negra: Sehr lange schon habe ich mich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandergesetzt – aber auf einer wissenschaftlichen Ebene. Natürlich existiert schon eine Fülle von Literatur zu diesen Themen und es gibt wohl kein Kapitel der deutschen Geschichte, das besser erforscht ist als der Nationalsozialismus. Und doch waren es immer wieder Fragen wie diese, die mich umgetrieben haben: Warum konnten die Nationalsozialisten überhaupt derartige Verbrechen ausführen, warum hat die Mehrheit der Deutschen geschwiegen, warum haben die meisten Deutschen Hitler begeistert umjubelt und warum haben nur so wenige den Widerstand gewagt? Und wie hätte ich mich selbst verhalten? Hätte ich den Mut gehabt, all dem entgegenzutreten? Ich habe dieses Thema aufgegriffen, weil ich zeigen wollte, dass es auch für eine deutsche Schriftstellerin heutzutage möglich sein muss, dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte aufleben zu lassen, ohne sofort in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden. Eine klare und vor allem mahnende Auseinandersetzung – auch in belletristischer Form – muss auch in unserer Generation weitergeführt werden. 

Helga König:  Ist die Anlehnung Ihrer Protagonisten an reale Vorbilder reiner Zufall oder dramaturgisch beabsichtigt?

Cassandra Negra:  Es gibt keine realen Vorbilder. Die handelnden Protagonisten sind frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären reiner Zufall. Wenn der Leser den Eindruck gewinnt, die Protagonisten seien real, betrachte ich das als großen Erfolg, denn dann ist er von dem Buch so gefesselt, dass er emotional eingetaucht ist in die Welt, die sich ihm da eröffnet.

Helga König:  Die Häufung der unterschiedlichen Episoden innerhalb des Thrillers reicht auch für zwei Romane, haben Sie einmal darüber nachgedacht oder war Ihnen diese Fülle besonders wichtig?

Cassandra Negra:  Nein, es geht nicht um Fülle, sondern darum, Spannung zu erzeugen und den Leser zu fordern. Und so sind mehrere Handlungsstränge und Protagonisten miteinander verwoben. Der Leser muss dran bleiben, um zu folgen. Aber am Ende laufen alle Handlungsstränge zusammen, der Leser hat ein „Aha-Erlebnis“ und all die Mühe hat sich gelohnt. 

Helga König: Ist die pornografische, sprachliche Darstellung ein Stilmittel unserer Zeit, wie es dem Zeitalter der Pornografie entspricht ?

Cassandra Negra:  Ich finde nicht, dass die Sexszenen pornografisch sind. Sex ist ein Thema, mit dem man heute freizügiger umgeht. Und wenn man sich den Erfolg von Büchern wie »Shades of Grey« oder »Feuchtgebiete« ansieht, steht fest, dass sich dies auch in der Literatur manifestiert.

Helga König:  Haben Sie schon andere Thriller verfasst oder handelt es sich hier um Ihr Erstlingswerk? 

Cassandra Negra: »Die Lust des Bösen« ist mein Thriller-Debüt.

Helga König:  Warum kennen Sie sich so gut in Berlin aus und finden Sie die Stadt faszinierend?

Cassandra Negra: Ich habe einige Jahre in Berlin gelebt und auch einen Teil meiner Studienzeit dort verbracht. Berlin ist für mich nach wie vor eine der faszinierendsten, pulsierendsten Metropolen der Welt. Die detaillierte Schilderung der Handlungsorte, u. a. von Hitlers Fahrerbunker, hat damit zu tun, dass ich äußerst genau recherchiere und versuche, ein Gefühl für die Atmosphäre zu bekommen, mich hineinzudenken und einzufühlen. Nur dann kann man eine Geschichte atmosphärisch dicht rüberbringen, und dem Leser das eine oder andere Mal wohlige oder eiskalte Schauer über den Rücken jagen.

Helga König: Wie kommen Sie überhaupt auf die Idee einen gewalttätigen Psychopathen mit dem Hitlerkult zu verknüpfen und gibt es ähnliches in der Realität?

Cassandra Negra: Nein, einen derartigen Fall gab es meines Wissens in der Realität noch nie. Die Grundlage der Idee habe ich bei der dritten Frage erläutert. 


Helga König: Planen Sie weitere Thriller zu schreiben mit gleicher Thematik?

Cassandra Negra:  Weitere Thriller sind bereits in Vorbereitung. Die Themen werden allerdings andere sein, denn schließlich soll es spannend bleiben. Im neuen Thriller „Todesbotschafter“, der Anfang 2014 erscheint, wird ein verheerender Selbstmordanschlag inmitten einer deutschen Großstadt an den Grundfesten unserer Gesellschaft rütteln. Cassandra Negra wird auch weiterhin für einige Überraschungen sorgen.


Liebe Cassandra Negra, herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview.

Helga König


Foto: aus dem Bestand von Cassandra Negra 

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