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Helga König im Gespräch mit Meister Han Shan

Lieber Meister Han Shan, vor geraumer Zeit habe ich Ihr Buch "Achtsamkeit" rezensiert. Heute möchte ich Ihnen hierzu einige Fragen stellen. 

Helga König: Können Sie unseren Lesern kurz schildern, was Sie persönlich dazu motiviert hat, sich intensiv mit dem Thema „Achtsamkeit“ zu befassen? 

Meister Han Shan
Foto:  Christian Kaufmann_300
Meister Han Shan: Nachdem ich alles weggegeben hatte und ich nach meiner Ordinierung als Mönch auf der Insel lebte, wurde mir bewusst, dass materielles Loslassen leicht war im Vergleich zu dem mentalen Loslassen. Mein Verstand beschäftigte sich immer wieder mit Begebenheiten aus der Vergangenheit, die mit meiner Tätigkeit als Firmenbesitzer zu tun hatten. Obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte, da ich ja alles hinter mir gelassen hatte und diesen Teil des Lebens als abgeschlossen betrachtete. Um mit diesen mentalen Vorgängen umzugehen, war es wichtig achtsam im Moment dabei zu sein, wenn sie am Entstehen sind, ansonsten war die Gefahr groß von diesen Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen immer wieder gefangen und hineingezogen zu werden.

Helga König: Was bedeutet es für den Einzelnen achtsam zu leben? 

Meister Han Shan: Achtsamkeit in unser Leben einzuladen bedeutet die immerwährenden mentalen Vorgänge, die unser menschliches Sein mit sich bringt zu erkennen und verstehen zu lernen. Nur wenn wir ihren Ablauf verstehen, können wir bewusst damit umgehen. Wenn diese Vorgänge unbewusst ablaufen, ohne dass wir deren gewahr sind, werden wir nur zu schnell in Situationen und Begebenheiten hineingezogen, die weder uns selbst noch unserem Umfeld dienlich sind. Es entstehen dadurch sehr oft Konstellationen, die eigentlich keiner wollte, die sich aber trotzdem manifestieren. 

Helga König: Analog zu Eckart Tolle weisen Sie auf die Tücken des Verstandes hin. Was macht unseren Verstand denn letztlich so tückisch? 

Meister Han Shan: Es ist die Natur unseres Verstandes immer mit irgendetwas beschäftigt zu sein. Dabei spielt es keine Rolle für ihn mit was er sich da gerade beschäftigt, Hauptsache er prozessiert etwas. Er benimmt sich so wie ein wildes ungezügeltes Pferd, das blitzartig hin- und herspringt und von dem man nie weiß, in welche Richtung es als nächstes galoppiert. So wie ein Pferd hat auch unser Verstand sehr viel Kraft, aber ungezügelt und sprunghaft verschwendet er sein Potential oft an unnützen Dingen. Deshalb ist es wichtig ihn durch die Achtsamkeit zu zähmen, damit er ein verlässlicher Freund und Partner wird. 

Helga König: Weshalb ist es sinnvoll, Zwiegespräche mit unserem Verstand zu führen? 

Meister Han Shan: Zwiegespräche mit unserem Verstand helfen ihn besser kennenzulernen und wie einen Partner zu behandeln mit dem man im Austausch ist. Man sollte dabei auch in Frage stellen, ob das was er uns gerade erzählt wohl richtig ist, da er ja auch nicht weiß wie die Zukunft aussehen wird. Bestimmt hat er uns schon des Öfteren in die Irre geführt mit seinen Annahmen. 

Helga König: Sie schreiben, dass man dann, wenn man achtsam ist, erkennen kann wie Gedanken, Gefühle und Vorstellungen entstehen und was sie bedeuten und sich in der Folge von Ihnen nicht mehr blind beeinflussen lässt. Setzt Achtsamkeit ein ständiges Innehalten voraus, bedingt es ein Verlangsamen unserer Handlungsabläufe? 

Meister Han Shan: Am Anfang der Praktizierung, wenn die Achtsamkeit noch nicht stark ist, ist es angebracht Handlungsabläufe zu verlangsamen, um der Achtsamkeit eine Chance zu geben dabei zu sein. Sowie die Achtsamkeit sich durch praktizieren verstärkt, so werden auch Handlungsabläufe flüssiger und passen in ihrem Ablauf in die jeweilige Situation. In ihrer vollen Blüte ist die Achtsamkeit bei allen mentalen Abläufen dabei. Man „denkt“ nicht mehr achtsam zu sein. Die Achtsamkeit wirkt wie ein ständig eingeschaltetes Alarmsystem, das jeden nicht dazu passenden Vorgang erkennt und damit loslässt, ohne dass der Verstand sich weiter damit beschäftigt. 

Helga König: Wie wichtig ist das richtige Atmen bei den Achtsamkeitsübungen? 

Meister Han Shan: Richtiges Atmen bedeutet ganz normales Atmen. Mit der Achtsamkeit verfolgen wir den Atem so wie er sich im Moment präsentiert. 

Helga König: Weshalb können Achtsamkeitsübungen zu weitreichenden Veränderungen in unserem Leben führen? 

Meister Han Shan: Durch die Achtsamkeitsübungen verändern wir uns indem wir unsere eigene Mitte und damit unsere innere Stärke freilegen. Dadurch ändert sich unser Charisma, unsere Ausstrahlung nach draußen, die in Resonanz mit Dingen um uns herum ist. Somit laden wir auch andere Dinge in unser Leben ein, die zu unserem energetischen Zustand passen. Es fallen einem Dinge zu, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Der Grund weshalb sie uns zufallen hat mit unserem energetischen Zustand zu tun. 

Helga König:  Bestimmte Wesenseinstellungen lassen uns wahrnehmungsfähiger werden, wie Sie schreiben. Zu diesen zählt u.a. das Gesetz des Gebens. Können Sie dazu Näheres erläutern? 

Meister Han Shan: Schon ein altes deutsches Sprichwort sagt: „Geben ist seliger denn nehmen.“ Ein östliches Sprichwort sagt dazu: „Du musst erst geben, bevor du nehmen kannst.“ Das Geben ist wichtig um einen Fluss in Gang zu setzen, der dazu beiträgt, dass auch etwas zu uns zurückfließen kann, in welcher Form das auch immer sein mag. Wenn kein Fluss zustande kommt, kann auch nichts zu uns fließen.

Helga König: Zu den vier noblen Tugenden, zählt die Liebe, die in der Lage ist, die Aggression in uns und Aggressionen, die von außen auf uns treffen, zu neutralisieren. Hilft uns die Achtsamkeit diesen energetischen Schutzschirm um uns, stets aufgespannt zu lassen und mehr Verständnis für uns und andere zu gewinnen und wenn ja, weshalb? 

Meister Han Shan: Die universelle Liebe und damit die universelle Verbundenheit ist jedem Menschen und jeder Existenz im Universum zu eigen. Die Achtsamkeit hilft diese universelle Liebe freizulegen und von Überlagerungen zu befreien. Sowie die jeweilige vorhandene Kraft der Achtsamkeit fähig ist die Überlagerungen und Konditionierungen abzuräumen, umso stärker wird die universelle Liebe zum Tragen und Wirken kommen. Das Resultat ist ein permanenter Schutzschirm, der uns vor Aggressionen beschützt, die ja durch Überlagerungen und Konditionierungen entstehen. Das Erkennen und Freilegen unserer universellen Liebe veranlasst uns auch größeres Verständnis für unsere Mitmenschen und andere Wesensarten zu empfinden, die auch, genauso wie wir, glücklich sein möchten. 

Helga König: Was verstehen Sie unter dem Begriff „universelles Verständnis?“

Meister Han Shan:  Universelles Verständnis beinhaltet die Möglichkeit, dass es im Universum vielleicht noch viel mehr anders geartete Existenzen gibt als wir Menschen mit unseren doch recht limitierten Sinnesorganen wahrnehmen können. Zudem trägt es dazu bei zu verstehen, dass auch andere Existenzen auf dieser Welt und im Universum nicht so richtig wissen wie sie eigentlich zu dem geworden sind was sie sind, genauso wenig wie wir Menschen es wirklich wissen. Es wäre deshalb angebracht zu realisieren, dass wir nun einmal alle hier sind und zusammen versuchen sollten einen Weg zu finden, der es ermöglicht für alle in Frieden zusammenzuleben und unsere existenziellen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Universelles Verständnis heißt auch zu verstehen, dass die Maus, die sich in unserer Küche einnistet keine Ahnung hat, dass es „unsere“ Küche ist. Alles was sie möchte ist einen sicheren Platz zu finden, ein Nest, indem sie ihre Jungen großziehen kann. Ist das Bedürfnis der Maus wirklich so viel anders als unsere menschlichen Bedürfnisse?

Helga König: Zum effektiven Selbstmanagement gehört auch loszulassen. Weshalb fällt uns Menschen genau dies mitunter so schwer? Können wir besser loslassen, wenn wir achtsamer sind? 

Meister Han Shan: Die Energie der Anhaftung ist jedem Menschen zu eigen. Es ist eine Grundenergie unseres menschlichen Seins. Dazu gehört nicht nur die Anhaftung zu materiellen Gütern, sondern viel mehr auch die Anhaftung zu unseren mentalen Vorgängen, wie Vorstellungen, Ideen und gedankliche Abläufe. Ohne gestärkte Achtsamkeit sind wir normalerweise nicht einmal gewahr was da gerade bei uns passiert und wie die Anhaftung uns in jedem Lebensmoment beeinflusst. Der Prozess der Gedanken, Gefühle und Vorstellungen läuft automatisch ab. Erst durch gestärkte Achtsamkeit ist es uns möglich diesen Ablauf zu erkennen und uns damit auch die Chance zu erarbeiten loszulassen und uns zu distanzieren. Können wir etwas loslassen, von dem wir nicht gewahr sind das es gerade im Moment bei uns abläuft?

Lieber Meister Han Shan, für dieses aufschlussreiche Interview danke ich Ihnen herzlich.

Helga König


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