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Helga König im Gespräch mit Kurt Buschmann, Saxophonist, Percussionist und Poet

Lieber Kurt Buschmann, Sie sind Saxophonist, Percussionist und Poet, mit einem Wort ein besonders kreativer Künstler. Damit die Leser von  "Buch, Kultur und Lifestyle" Sie näher kennen lernen, möchte ich Ihnen heute einige Fragen stellen.

Helga König: Können Sie den Lesern Näheres über Ihren künstlerischen Werdegang in jungen Jahren berichten. Wurde Ihre musische Begabung bereits früh gefördert oder war der Weg eher beschwerlich, um dorthin zu finden, wo Sie heute stehen?

 Kurt Buschmann
Copyright: Iris Kudelka
Kurt Buschmann: Beschwerlich, nein, das kann ich wirklich in keinster Weise behaupten! Meine ersten passiven Begegnungen mit Musik machte ich schon sehr früh, meine Großmutter konnte wunderbar singen und spielte großartig Zitter. Mein Vater sang auch sehr gut und spielte Klavier und Akkordeon. Letzteres war auch mein erstes Instrument, das ich vom 8. bis zum 12. Lebensjahr erlernte und man mir die bayerische Folklore damit einbimmste.

Als ich 10 war, wurde meine Knabenstimme entdeckt und von da an war ich als Scola-Vorsänger für den katholischen Gottesdienst verhaftet und kurz danach fand ich mich in einem Vokalsextett mit eben solchen Lerchen wie mich wieder. Ich wusste damals nicht so richtig, was da mit mir passierte, sie stellten uns auf die Bühnen dieser oberbayerischen Kleinstadt und wir sangen. Vieles war lateinisch und ich frag mich heute noch, wie ich das geschafft habe, mir die Texte rein zu ziehen, ohne wirklich zu wissen, was wir da trällerten, aber das Publikum war begeistert. Mit dem Ortswechsel nach München, ich war fast 14, da begann eine entscheidend neue Ära: ich bekam meine erste Western-Gitarre und spielte mit meinen Freunden die Hitparade mit drei Griffen, was damals noch ging, rauf und runter. Ein Jahr später kaufte ich mir mit dem Geld, für das ich in den Ferien gearbeitet hatte, meine erste E-Gitarre mit Verstärker und gründete die Band "Who Knows". Das war wie ein seelischer Befreiungsschlag, denn hier rockten wir uns fast täglich bis zur Erschöpfung alles vom Hals, was uns nervte, ärgerte, quälte. Mit 16 eröffnete ich meinen Eltern ich werde Musiker, was nicht nur ein mächtiges "Hände über die Köpfe zusammenschlagen" auslöste, sondern die Konsequenz, dass ich inoffiziell mein Elternhaus verlassen habe, um meinem erklärten Weg zu folgen. Ich beendete die Schule und eine Lehre als Industriekaufmann, war anschließend in einem Rechenzentrum als Operator beschäftigt und machte Musik, Musik Musik, u.a. mit meinem Freund Hans im Gitarren-Duo (Blues und Folk) und in der Band “Panther, Tiger und Co.“

Helga König: Sie haben als Musiker 1978 die Rockband "Panther, Tiger und Co" gegründet. Der Name der Band ist gewiss kein Zufall gewesen. Was verbindet Sie gedanklich mit Tucholsky?

Kurt Buschmann:  Es war damals die Zeit meiner inneren Revolution, die nach einem Kanal suchte, um sich nach außen zu arbeiten. Wir waren alle ziemlich anti drauf, was die Ansichten unserer Eltern und ihrer Generation betraf. Es ging uns um Freiheit und Gerechtigkeit und wir fingen an Marx und Lenin zu lesen. Von da aus waren Brecht, Tucholsky und Co. auch nicht weit mehr. Wir verrockten z.T. ihre Texte und schrieben auch die ersten eigenen Songs, die die gesellschaftlichen Missstände anprangerten.

Helga König: Was hat Sie als Bayer dazu veranlasst, 1979 nach Hamburg zu übersiedeln?

 Kurt Buschmann
Copyright: Olaf Rocksien
Kurt Buschmann: Es war nicht so, dass es mir in Bayern und München nicht gefallen hätte, es ist wirklich wunderschön dort. Aber ich musste irgendwie aus diesem, für mich unerträglichen, alten Mief raus, der meine Kindheit und Jugend auf eine Weise prägte, dass ich das Gefühl von geistiger Enge nicht los wurde. Ich musste aus Bayern weg! Und wie es denn dann so passierte, ich spielte ein Solokonzert in Nürnberg und verliebte mich in eine Hamburgerin, die gerade bei einem Freund zu Besuch war. Fünf Monate später, am 5. Januar 1979, lief ich mit Sack und Pack in Hamburg ein.

Helga König: Saxophon spielen Sie seit 1983. Wie kam es dazu und wie entwickelte sich daraufhin Ihr Musikerleben weiter?

Kurt Buschmann:  1979 zog ich, wie gesagt, mit dem bayerischen Blues im Gepäck nach Hamburg, spielte Solo und in mehreren Duos, Trios wie Bands Gitarre, Bluesharp und Bass. Eines Tages, ich zog gerade im Volkspark-Studio, in dem zur selben Zeit die "City Blues Connection" ihre neue LP aufnahmen, meine Demobänder ab, da meinte Heiko, der Bluesharp-Spieler, er hätte sich ein Saxophon gekauft. Keine Ahnung damals, was mich da geritten hat, ihn zu fragen, ob ich da mal drauf rumprobieren darf. “Klar“ meinte er, “mach oben die Zähne drauf, unten die Lippe ran und dann tu so, wie wenn Du auf Klo sitzen würdest“ und ließ mich damit alleine rum machen. Ich spielte stundenlang und es war die absolute Offenbarung! Ich hatte mein Instrument gefunden, konnte sofort einen klaren, warmen Ton erzeugen und fühlte mich auf dem Saxophon wie zu Hause angekommen. Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Alto-Sax und übte wie ein besessener bis zu fünf Stunden täglich. Damals war ich Sänger von "Per Express". Wir spielten eigenes Zeugs aus einer Mischung von NDW und Deutschrock und bereits nach drei Monaten kam das Sax bei den Demoaufnahmen und live zum Einsatz. Mit dieser Band gewannen wir dann auch 1985 beim ersten NDR Hörfest. Ich fing dann ziemlich schnell an, Saxophonstunden zu geben und war stolz wie Hulle, jetzt keine Nebenjobs mehr machen zu müssen, die mit Musik nichts zu tun hatten. Dann ging alles recht flott: Cold Sweat, Frank Seidel Band, Ted Herold, Sammy’s Saloon, Panther Blues Band, die Worldfusion-Formation Kurt Buschmann & Friends, Rainer Baumann Band, Jazz-Duos und -Trios Heggen’s Heroes (in dieser Formation auch Konzerte mit Inga Rumpf), Phonus Balonus, TV-Auftritte und Gastsaxer in diversen Formationen im In- und Ausland.

Helga König: Was sind die bisherigen Höhepunkte Ihres Musikerlebens gewesen und was ist für die nähere Zukunft geplant.

Kurt Buschmann: Der erste Höhepunkt war, wie schon erwähnt, das NDR-Hörfest 1985 mit “Per Express“, da waren wir auch auf dem LP-Sampler mit einem Titel vertreten und unsere Musik wurde auf NDR 2 gespielt. Dann die erste, unter meinem Namen produzierte CD “EAU“, natürlich die Konzerte mit Heggen’s Heroes & Inga Rumpf, die Sessions mit Tonky de la Pena, dem spanischen John Mayall, in Valencia, die Sessions mit Lisa Otey, einer fantastischen Sängerin und Pianistin aus Tucson/Arizona und wenn ich es gerade so recht überlege, eigentlich jedes Konzert, jede Session, jede CD-Produktion, TV-Auftritte, wenn meine Musik im Radio gespielt wurde, Begegnungen, Konzerte, Sessions und Produktionen mit tollen Menschen und Musikern aus den verschiedensten Kulturen, wie mit dem indischen Tablaspieler Swapan Bhattacharya, über den ich auch den Meisterschüler von Ravi Shankar, Shalil Shankar kennen lernen durfte… eigentlich war und ist alles für sich ein erhebender Moment und Höhepunkt, einschließlich die Erlebnisse damals auf der Straße und in den kleinen Clubs, in denen ich heute auch total gerne spiele, weil diese Atmosphäre einfach einmalig ist, wenn das Publikum so nah an einem dran ist. Bis auf wirklich ganz wenige Ausnahmen, kann ich sagen, dass mir bis heute alles Spaß gemacht hat. Dafür bin ich sehr glücklich und dankbar, weil ich über viele wunderbare Musikerfreunde sehr viel gelernt habe, nicht nur musikalisch, sondern besonders über das Leben. Aktuell liegen meine Prioritäten auf Projekten wie der Kurt Buschmann Group, The Walkin‘ Bushmen und dem Caty Grace-Trio, wo wir hauptsächlich für Events spielen, meinen CD-Produktionen und dem ArtWordMusic-Projekt "Found In Translation", das ich gerade mit meiner Liebsten, der bildenden Künstlerin Maggie Szuszkiewicz, den Autoren Krzysztof Niewrzęda und Peter H. Gogolin, sowie der dafür besetzten Kurt Buschmann Group mit Henning Kiehn, Piotrek Jazwinski und Józef Skrzek aus dem Boden stampfe. Das Konzept steht und ich bin dabei, die Gelder für die Vorfinanzierung einzuwerben.

Helga König: Können Sie den Lesern kurz etwas zu Ihrem aktuellen Album "Coffee for angels" berichten?

Kurt Buschmann:  Das Album "coffee for angels" ist eine Hommage an die große, über alles blickende, wahrnehmende und lassende Liebe, nach der ich mich mein ganzes Leben lang als Gegenüber real gesehnt habe, an die ich brennende Gedichte geschrieben habe und die mir mit Maggie in mein Leben getreten ist. Das soll nicht heißen, dass wir nur im siebten Himmel schweben, sondern dass die Liebe, die jeder in uns trägt, alles ermöglicht, um in Liebe zu sein und in Auseinandersetzungen auch in ihr zu bleiben. Maggie hat , wie auch für das vorletzte Album “longing to roam“, ihre Kunstwerke für das Cover und Booklet beigetragen. Jenseits aller kollektiven Gedanken und Klischees, gibt es ein ganz eigenes Brennen für was. Einer meiner Gedanken, die mich immer begleitet haben ist "es muss noch mehr geben als alles", dieser Gedanke hat eine neue Qualität erreicht, seit Maggie und ich uns begegnet sind, denn nun gilt dieser Gedanke im Einverständnis für uns beide gemeinsam nach vorne. Die Titel auf diesem Album sind zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen und eines der Hightlights ist das Lovethema aus dem Film Cinema Paradiso, das ich zusammen mit meinem lieben Freund und Kollegen Dimitris Liatsos produziert habe, dessen wunderbare Stimme und sein feines Gitarrenspiel in diesem Titel zu hören ist. Den Anfang bildet der Titel “ Have I told you lately“ von Van Morrison, denn ich mit dem Sänger und Pianisten Frank Seidel produziert habe. Ein weiterer Titel, der mir sehr am Herzen liegt ist “Dona“, vielen bekannt von Donovan, was aber ein altes jüdisches Lied ist, das ursprünglich “Das Kälbl“ heißt. Alle weiteren Titel sind aus eigener Feder, bzw. mit dem Pianisten Sven Selle geschrieben. Der NDR Moderator Lutz Ackermann schrieb mir: "Hallo, lieber Kurt, Dein Album gefällt mir sehr gut, ich höre es besonders gerne beim Autofahren. Werde einiges hin und wieder bei "Sweet, soft & lazy" spielen.“

Helga König:  Eingangs erwähnte ich, dass Sie auch Percussionist sind. Können Sie die Leser diesbezüglich näher aufklären?

Kurt Buschmann:  Die Percussion ist, nach dem Saxophon, meine zweite Liebe. Ich habe in den 80ern mit Djembe, einer afrikanischen Trommel angefangen und mich im Laufe der Zeit in weitere Percussionsinstrumente wie Congas und Cajon rein gearbeitet. Ich spiele in einigen Projekten Sax und Percussion, hab mich aber nie auf ein spezielles Genre festgelegt, was heißt, ich bin eher so ein “Wald- und Wiesen“-Trommler, der alles kann, aber nichts in den feinen Details beherrscht. Letzteres ist auch nicht mein Weg, denn die Samba-Trommler haben keine Ahnung vom afrikanischen (ganesischen) Kpanlogo und die wiederum keine Ahnung vom Bossa Nova. Ich bediene auf meine Weise die Genres, die ich ja auch mit dem Sax spiele. Ansonsten trommle ich mit Businessleuten, z.B. bei Firmenfusionen, wo es um einen gemeinsamen Rhythmus geht, um Team- und Beziehungsmanagement. Da arbeite ich auch mit dem großen Experten diese Themas Heinz Schöning (New Coach) zusammen. Ebenso werde ich auch sozialen Institutionen, wie das Elsa Brandström Haus in Hamburg u.a. gebucht.

Helga König: Sie haben Songtexte, Gedichte und Kurzgeschichten veröffentlicht. Ist die Gabe der Poesie für die Gabe ein guter Musiker sein zu können zweckdienlich?

Kurt Buschmann: Ich bin der Ansicht, dass am besten alles, was man im Leben tut, einen gewissen Grad an Poesie enthalten sollte. Poesie, das ist der Herzküsser, mit dem man auch strenge Dinge verdichten kann. “...mit einem Saxophon, das bei Standards wie Summertime, My Foolish Heart... am liebsten die menschliche Stimme übernimmt...“ schrieb die Fachzeitschrift ’Jazz Podium‘ über mich, ich denke, das drückt es aus, dass die Poesie in meiner Musik enthalten ist. Aber ein Musiker muss nicht wortschöpfender Poet sein, wie ein Schriftsteller auch kein musikschöpfender Poet sein muss. Bei mir rummst beides eben zusammen, das ist auch ok. 

Helga König: Darf ich Sie bitten unseren Lesern eines Ihre Gedichte- am besten ein Liebesgedicht, weil der Frühling begonnen hat,  zu schenken? 

Kurt Buschmann: Ja, sehr gerne! 

Endzeitlose 

Wenn ich Dich atmen fühle,
am anderen Ende der Stadt,
dort, wo der Mond die Nacht
regiert, dem Fluss das wellen
lehrt und der Wind den Blättern
diese Melodie entlockt, die
der Saat alles Seins jeden
Augenblick ein Willkommen
zu lächelt, dort, wo keine
Glocke zum Gebet ruft, es
in allem ist, so da, so nah
und kein Raum mehr im
Takt existiert, nur Dein Puls,
der aller Zeit voraus das Jetzt
bestimmt, dann weiß ich,
Du bist. 

Helga König:  Last not least, wie definieren Sie sich als Künstler?

Kurt Buschmann: Auch nicht anders als wenn ich mich als Mensch definieren sollte. Wir Künstler haben eher das Problem, dass wir definiert werden, wovon wir uns teilweise massiv abgrenzen müssen, wenn es z.B. um Buchungen geht. Ein “Ihr habt doch nur Spaß“ kommt manchmal leider immer noch vor, wenn es um Gagenverhandlungen geht. Mittlerweile ist ab dann das Gespräch von meiner Seite beendet. Denn dass wir Spaß haben, ist die Grundsubstanz für das Gelingen eines Events, sagen die Eventmacher und Veranstalter, die meine und unsere Qualitäten aus Erfahrung zu schätzen wissen. Ich mache einfach nur das, was mir am Herzen liegt. Wahrscheinlich besteht darin die Kunst (des Lebens)

Lieber Kurt Buschmann, ich danke Ihnen herzlich  für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Fotos: Kurt Buschmann, soweit bekannt habe ich die Fotografen benannt.

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